Andere Wirklichkeiten im Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Kultur für alle – heute war der erste Tag meiner Museumstour zu den inklusiven und barrierefreien Museumsangeboten in Rheinland-Pfalz. Und es ging zu der großartigen Ausstellungseröffnung der Ausstellung „Andere Wirklichkeiten“ von Künstlerinnen und Künstler aus den Ateliers der Lebenshilfe und von Kloster Ebernach. 

Mit der Museumstour würde ich mich über den aktuellen Stand der Umsetzung der Zielvereinbarung zu barrierefreien Museumsangeboten der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe mit dem Museumsverband Rheinland-Pfalz informieren.

Die spannenden Einblicke in die Werke der Künstlerinnen und Künstler mit Behinderungen sind noch bis Januar 2017 im Art Museum zu erleben. Ein Besuch lohnt sich. Hier Bilder von der Ausstellungs Eröffnung.

Heike Sattler vom Atelier Blau in Worms mit ihrer Skulptur „Hirschfrau“ und Bettina Scheeder vom Museumsverband Rheinland-Pfalz

Dietmar Grafe erläutert seine Beiträge zu den Aktbildern

Michael Dinges und seine Installation

Künstler aus der Kreativwerkstatt von Kloster Ebernach zusammen mit der Kuratorin Jutta Mattern und Staatssekretär Doktor Thomas Griese

Der künstlerische Leiter Horst Rettig vom Atelier Blau in Worms erläutert die Werke seiner Künstlerinnen und Künstler

Andreas Jung und seinen Skulptur „Der Narr“

Artikel zum Bundesteilhabegesetz

Sommerpause – in allen Ländern sind Schulferien. Mit dem parlamentarischen Verfahren zum Bundesteilhabegesetz, der angekündigten Vorstellung der inklusiven Lösung zur Zusammenführung der Eingliederungshilfe und Jugendhilfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und der Diskussion zum Wahlrecht nach erscheinen des Gutachtens wird es einen behindertenpolitisch spannenden Herbst geben. 

Für die Sommerlektüre hier ein Artikel zum Bundesteilhabegesetz, den ich für das Magazin „Lidwina“ geschrieben habe – unter Beobachtung der nordfriesischen Schafe auf dem Foto:

Schwarzes und graues Schaf auf grüner Wiese


Bundesteilhabegesetz

Konsequenzen und Möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen

Aktivistinnen und Aktivisten im Rollstuhl ketten sich über Nacht im Berliner Regierungsviertel am Spreeufer fest. Mahnwachen und Demonstrationen finden regelmäßig in verschiedenen Städten statt. Die Petition „Recht auf Sparen und für ein gutes Teilhabegesetz“ ist mit über 335.000 Unterstützerinnen und Unterstützern eine der erfolgreichsten Online-Petitionen der Plattform Change.org. Die aktuellen behindertenpolitischen Gesetzgebungsverfahren der Bundesregierung, die schon verabschiedete Novellierung des Behindertengleichstellungsgesetzes und aktuell das Bundesteilhabegesetz, erregen die Gemüter der Menschen mit Behinderungen. 

Um was geht es?

Schon seit Jahren und Jahrzehnten wird eine grundlegende Reform der Eingliederungshilfe in der Sozialhilfe diskutiert. Eingliederungshilfe beziehen Menschen mit Behinderungen, wenn sie Assistenz und Unterstützung beim Wohnen, in der Schule und Ausbildung, bei der Teilhabe am Arbeitsleben und bei der Gestaltung von Freizeitaktivitäten brauchen. Eingliederungshilfe ist die Leistung für den Platz im Wohnheim oder in der Werkstatt für behinderte Menschen, aber auch für die persönliche Assistenz, die Menschen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Auch der und die Integrationshelferin und -helfer für die Unterstützung von Kindern mit Behinderungen in Kindertagesstätten und Schulen gehören dazu, ebenso wie die Gebärdensprachdolmetscher beim Studium für gehörlose Studierende. 

Das leistet die Eingliederungshilfe nur dann, wenn kein anderer Kostenträger wie Arbeitsagentur, Rentenversicherung, Unfallversicherung oder Integrationsamt zuständig sind. Die Eingliederungshilfe ist, wie die Hilfe zur Pflege, im Sozialgesetzbuch XII und damit in der Sozialhilfe eingegliedert und damit nachrangig. Deshalb müssen alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten für die notwendigen Leistungen genutzt werden, das eigene Einkommen und Vermögen, auch von Ehe- und Lebenspartnerinnen und -partnern. Gerade dieser Punkt ist für die betroffenen Menschen eine massive Einschränkung von Lebensmöglichkeiten. Ehe und Partnerschaft, die Gründung einer Familie ist nur unter den Regeln der Sozialhilfe möglich. Zum Beispiel darf nur ein Vermögen von 2600 € angespart werden.

Positiv an der Eingliederungshilfe ist das Bedarfsdeckungsprinzip. Der gesamte notwendige Bedarf aufgrund von Behinderung muss vom Gesetz her abgedeckt werden und ist nicht begrenzt auf einen festen Betrag wie bei der Pflegeversicherung.

Im Jahr 2014 bezogen bundesweit laut statistischem Bundesamt 860.500 Empfängerinnen und Empfänger Leistungen der Eingliederungshilfe. Die Ausgaben liegen bei etwa 15 Milliarden Euro jährlich mit steigender Tendenz. Über 80 Prozent der Leistungen der Eingliederungshilfe gehen in den stationären und teilstationären Bereich, also in Wohnheime und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. Der UN-Fachausschuss zur Behindertenrechtskonvention hat dieses Verhältnis in der Staatenberichtsprüfung Deutschlands entschieden kritisiert und dringend empfohlen, inklusive Wohnangebote und Arbeitsangebote an Stelle der Sonderwelten für Menschen mit Behinderungen zu schaffen.

Bereits im Mai 2013 hat das Forum behinderter Juristinnen und Juristen einen Gesetzesentwurf vorgestellt, wie die Eingliederungshilfe als Bundesleistungsgesetz die UN-Behindertenrechtskonvention gezielt umsetzen und die Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderungen stärken kann. Auch die Länder haben jahrelang im Rahmen der Arbeits- und Sozialministerkonferenz eine Neuausrichtung der Eingliederungshilfe gefordert. Die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern haben sich regelmäßig für ein gutes Bundesteilhabegesetz eingebracht.

Was ist der Auftrag für das Bundesteilhabegesetz?

Nach dem Koalitionsvertrag soll die Eingliederungshilfe zu einem modernen Teilhaberecht weiter entwickelt werden. Dabei sollen die Menschen mit wesentlicher Behinderung aus dem Fürsorgesystem der Sozialhilfe herausgeführt werden. Die Leistungen der Eingliederungshilfe sollen sich an dem persönlichen Bedarf orientieren und entsprechend einem bundeseinheitlichen Verfahren ermittelt werden. Das Wunsch- und Wahlrecht soll entsprechend der UN-Behindertenrechtskonvention berücksichtigt werden. Inhaltlich sind das vielversprechende Aussagen für die anstehende Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe. Auch bei der Finanzierung sollen die Kommunen entlastet werden, in dem sich der Bund mit 5 Milliarden Euro an den Kosten der Eingliederungshilfe beteiligt. Bisher finanzieren Länder und Kommunen die Kosten der Eingliederungshilfe allein. Allerdings steht an einer anderen Stelle des Koalitionsvertrags, dass mit dem Bundesteilhabegesetz keine neue Ausgabendynamik entsteht. Dieser deutliche Hinweis auf Sparen wird die inhaltlich ambitionierte Neuregelung der Eingliederungshilfe immer wieder bestimmen.

Wie kam das Bundesteilhabegesetz zustande?

Vom Juli 2014 bis zum April 2015 hat das Bundessozialministerium mit einer hochrangigen Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der Verbände von Menschen mit Behinderungen, der Länder und Kommunen sowie der Sozialpartner und Sozialversicherungen einen intensiven Beeiligungsprozess zur Erarbeitung des Bundesteilhabegesetzes durchgeführt. Hier wurden Eckpunkte und Ausrichtung diskutiert. Im Herbst 2015 sollte dann der Gesetzentwurf vorgestellt werden – und es begann das lange Warten. Der Termin zur Vorstellung wurde verschoben, weil andere Gesetzesvorhaben Vorrang hatten. Zwischendurch sickerte Anfang 2016 ein Arbeitsentwurf des Gesetzes durch, der für Aufregung sorgte, besonders weil bei der Anrechnungen vom Einkommen und Vermögen und beim Wunsch und Wahlrecht, also der Selbstbestimmung bei der Leistungserbringung, Verschlechterungen gegenüber der bisherigen Situation zu befürchten waren. 

Währenddessen zögerte sich die Veröffentlichung des Gesetzesentwurfs weiter hinaus, diesmal weil Bayern wegen der Flüchtlingspolitik insgesamt eine Blockadehaltung zu den laufenden Gesetzesvorhaben im Bund aufgebaut hatte. Für die Menschen mit Behinderungen war es ernüchternd, wie das wichtigste behindertenpolitischen Vorhaben der Bundesregierung immer weiter nach hinten auf der politischen Agenda rückte. Und langsam wurde die Zeit knapp, denn ein so umfangreiches Gesetz muss auch von Bundestag und Bundesrat intensiv beraten werden.

Eine weitere Enttäuschung gab es bereits im Frühjahr 2015. Die Koalitionsspitzen auf Bundesebene einigten sich darauf, den geplanten Anteil des Bundes von 5 Milliarden Euro nicht mehr an die Eingliederungshilfe zu koppeln, sondern den Kommunen auf anderem Weg zukommen zu lassen. Damit war die finanzielle Grundlage für die wirksame Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe entzogen. Inhaltliche Verbesserungen mussten auf andere Finanzierungsgrundlagen gestellt werden. Der Vorschlag der Länder für ein Teilhabegeld für Menschen mit Behinderungen hatte endgültig keine Chance mehr.

Im April 2016 wurde der Referentenentwurf des Bundesteilhabgesetzes endlich veröffentlicht. Das Gesetz umfasst mit Begründung fast 400 Seiten. Als Artikelgesetz werden zahlreiche Änderungen in Sozialgesetzbüchern und anderen Gesetzen vorgenommen, die im Zeitraum von Januar 2017 bis zum Jahr 2020 in Kraft treten sollen. Schließlich hat im Juni 2016 das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf verabschiedet und Bundestag und Bundesrat zugeleitet. Dort soll bis Ende des Jahres das Bundesteilhabegesetz beschlossen werden.

Was ist im Bundesteilhabegesetz vorgesehen?

Zunächst wird die Eingliederungshilfe als neuer Teil in das Sozialgesetzbuch IX eingeordnet. Damit findet die Eingliederungshilfe sichtbar Platz in einem modernen, an Teilhabe und Rehabilitation ausgerichteten Gesetzesrahmen. Dies entspricht einer Forderung der Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern. Bei genauerer Analyse ist der bisherige Geist der Sozialhilfe trotzdem weiter vorhanden. Das Nachrangigkeitsprinzip bleibt bestehen, die Eingliederungshilfe ist keine eigenständige Leistung sondern kann weiterhin nur dann in Anspruch genommen werden, wenn alle anderen Kostenträger nicht oder nicht ausreichend leisten.

Bei der Anrechnung von Einkommen bleibt es weiter, allerdings werden Eigenbeiträge neu berechnet und das verbleibende Vermögen auf 25.000 Euro und später auf 50.000 Euro erhöht. Durch die massiven Proteste der vergangenen Woche wurde immerhin im Kabinettsentwurf das Partnervermögen von der Anrechnung frei gestellt. Allerdings gilt das nur für die Phase der Erwerbstätigkeit. Für Menschen mit Behinderungen im Ruhestand die nicht erwerbstätig sind oder sein können, sowie bei schwerpunktmäßiger pflegerischer Unterstützung bleibt es im Wesentlichen bei den bisherigen Regelungen zur Anrechnung und Vermögen. Beim Einkommen kann es bei einem Bruttoeinkommen ab 4.000 Euro sogar zu Verschlechterungen gegenüber den aktuellen Regelungen kommen. Weitere Schritte zur Einkommens- und Vermögensfreiheit sind nicht vorgesehen.

Die Zugangsvoraussetzung für Leistungen der Eingliederungshilfe wird auf den ICF, die internationale Klassifizierung von Beeinträchtigung und Funktionen umgestellt. Gegenüber der bisherigen sehr medizinisch ausgerichteten Regelungen der Eingliederungshilfe ist das eine zeitgemäße Änderung. Allerdings mit dem Haken, dass in fünf von neun Lebensbereichen wie Mobilität, Kommunikation, Selbstversorgung und weitere Bereiche personelle oder technische Unterstützung beziehungsweise in drei Lebensbereichen personelle und technischer Unterstützung notwendig sind. Hier wird von den Verbänden der Menschen mit Behinderungen befürchtet, dass zukünftig Leistungsbezieherinnen und -bezieher heraus fallen, beispielsweise dass die Studienassistenz von blinden und sehbehinderten oder von hörbehinderten Studierenden zukünftig nicht mehr finanziert wird. Für die Umstellung auf die zeitgemäße ICF-Klassifizierung braucht es nach meiner Einschätzung eine Erprobungsphase, bevor im Gesetz eine Anzahl von Lebensbereichen festgelegt wird.

Ein weiterer kritischer Punkt betrifft das sogenannte „Zwangspoolen“ von Leistungen und die Zumutbarkeit von Versorgung in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderungen. Ohne Zustimmung und nach Prüfung der Zumutbarkeit kann die Verwaltung eine gemeinschaftliche Leistungserbringung oder die Unterbringung in einem Wohnheim beschließen. Gemeinschaftliche Leistungserbringung bedeutet, dass sich Menschen mit Behinderungen ihre Assistenz oder Unterstützung teilen müssen. Beim Einsatz von Integrationshelferinnen und -helfern in Schule und Kita mag das noch sinnvoll sein, führt aber zur Einschränkung von Selbstbestimmung, wenn ich nicht mehr selbst entscheiden kann, wo, wann und durch wen meine Assistenz erbracht wird. Die Zumutbarkeit eines Wohnheims, wenn es günstiger als andere Leistungsformen ist, stellt sich für mich als unvereinbar mit Artikel 19 der UN-Behindertenrechtskonvention dar, nach dem kein Mensch mit Behinderung gezwungen werden darf, in besonderen Wohnformen für Menschen mit Behinderungen zu leben. Im Gesetz fehlt der eindeutige Vorrang inklusiver Leistungserbringung, so wie bisher der Vorrang ambulanter vor stationärer Versorgung besteht.

Für den Bereich des stationären Wohnens für Menschen mit Behinderungen wird es wichtige Änderungen geben. Existenzsichernde und Fachleistungen werden getrennt. Für Menschen mit Behinderungen im Wohnheim hat die Eingliederungshilfe bisher die Lebenshaltungskosten und die Leistungen für den behinderungsbedingten Bedarf zusammen erbracht. Das soll jetzt geändert werden. Die existenzsichernden Leistungen werden über die Grundsicherung erbracht. Die aufgrund von Behinderung notwendigen Kosten für Unterstützung und Assistenz werden als Fachleistung gewährt. Das ist eine wichtige Angleichung des stationären an den ambulanten Bereich. 

Ein gutes Potenzial bietet die im Gesetz vorgesehene unabhängige Beratung. Im Sinne des Peer Counseling, also der Beratung von und für Menschen mit Behinderungen sollen flächendeckend Beratungsangebote unabhängig von Leistungserbringern und Leistungsträgern entstehen. Allerdings ist die Finanzierung bis 2022 begrenzt. Damit lässt sich nur schwer eine stabile und vernetzte Beratung sichern.

Aus rheinland-pfälzischer Sicht ist die bundesweite Einführung des Budget für Arbeit erfreulich. Damit haben wir in Rheinland-Pfalz seit Jahren gute Erfahrungen für den Übergang von der Werkstatt für behinderte Menschen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gemacht. Mit dem Budget für Arbeit kann eine dauerhafte Unterstützung für Unternehmen gegeben werden, die Menschen mit Behinderungen sozialversicherungspflichtig auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt alternativ zur Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigen. Leider sind die vorgesehenen Förderungen niedriger als die Praxis in Rheinland-Pfalz. Das kann zu einer Einschränkung der Wirksamkeit des Budgets für Arbeit führen.

Weitere Änderungen betreffen die Stärkung der Interessenvertretung für Menschen mit Behinderungen in den Werkstätten und Unternehmen. Die Werkstatträte erhalten erstmals Mitbestimmungsrechte und nicht nur Mitwirkungsmöglichleiten. In den Werkstätten für behinderte Menschen werden Frauenbeauftragte eingerichtet. Auch die Rechte der Schwerbehindertenvertretung in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts werden leicht verbessert. So werden Freistellungen für die Schwerbehindertenvertretung bereits ab 100 statt wie bisher bei 200 schwerbehinderten Beschäftigten geregelt, was der wichtigen Aufgabe der Schwerbehindertenvertretung für die Inklusion im Arbeitsleben zugutekommt. Leider ist die Erhöhung der Ausgleichsabgabe für Unternehmen, die nicht die Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen erreichen, nicht vorgesehen, wie es von Gewerkschaften und Verbänden der Menschen mit Behinderungen gefordert wurde.

Weitere Regelungen betreffen unter anderem das Vertragsrecht mit den Leistungserbringern, die Koordinierung der verschiedenen Leistungsträger und die Zulassung anderer Anbieter zu den Werkstätten für behinderte Menschen.

Fazit und Ausblick – was bringt das Bundesteilhabegesetz für Menschen mit Behinderungen

Das Bundesteilhabegesetz steht sowohl unter dem Anspruch, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland voranzubringen, als auch weitere Kostensteigerungen zu vermeiden. Der Aspekt der Umsetzung des menschenrechtlichen Ansatzes der UN-Behindertenrechtskonvention ist unter diesen Vorzeichen nur ansatzweise gelungen. 

Chancen des Gesetzes können genutzt werden, um eine bessere Koordinierung von Teilhabeleistungen der Kostenträger zu erreichen und eine personentrierte Leistungsgewährung umzusetzen. Unter der Vorgabe des Sparens können die neuen Regelungen der Anspruchsvoraussetzungen und der Teilhabeplanung aber auch zum restriktiven Leistungsgewährung und einer geringeren Anerkennung von Bedarfen genutzt werden.

In den kommenden Wochen und Monaten des zweiten Halbjahres 2016 müssen daher die Beratungen im Bundestag und Bundesrat genutzt werden, um bessere Regelungen im Gesetz für die Menschen mit Behinderungen zu erreichen. Die Verbände der Menschen mit Behinderungen und die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern werden sich dafür einsetzen.

Matthias Rösch

Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen Rheinland-Pfalz

Empfang und Protest in Berlin

Beim Empfang der Bundesbehindertenbeauftragten heute in Berlin waren die laufenden Gesetzesvorhaben, das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz und das Teilhabegesetz Themen des Abends. Der nordrhein-westfälische Sozialminister und Hausherr des Empfangs Rainer Schmeltzer in seiner Landesvertretung betonte das Ziel, mit dem Bundesteilhabegsetz ein modernstes Teilhaberecht zu schaffen. Die Sprecherin des Deutschen Behindertenrates und VdK Vorsitzende Ulrike Mascher stellte daraufhin die sieben Forderungen vor, bei denen das Gesetz noch wesentlich verbessert werden muss. Die Bundesbehindertenbeauftragte Verena Bentele betonte, dass Verbesserungen bei der  Anrechnung von Einkommen und Vermögen sowie beim Wunsch und Wahlrecht dringend erforderlich sind.

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ermutigte die Interessenvertretung der Menschen mit Behinderungen sich politisch einzumischen. Passend dazu wurde zur Solidarisierung mit einer Protestaktion aufgerufen. Menschen mit Behinderungen hatten sich am Spreeufer angekettet um für mehr Barrierefreiheit und gegen ein unzureichendes Bundesteilhabegesetz zu protestieren. Hier Fotos von Empfang und Protestaktion.

Verena Bentele beim Empfang

Protestaktion am Spreeufer

Aktivisten aus verschiedenen Generationen kommen zusammen

die Bundestagsabgeordneten Corinna Rüffer und Katrin lWerner

Mein Beitrag

Eine Woche voller Aktionstage

In der Woche rund um den europäischen Protesttag für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung um den 5. Mai gab es zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen. Hauptthema war die barrierefreie Stadt. Auch das Bundes-Teilhabegesetz war Thema vieler Protestveranstaltungen. Allein in Berlin waren am 4. Mai über 1500 Menschen bei der Demonstration unterwegs.

In Rheinland-Pfalz war ich am 30. April beim Aktionstag in Bad Kreuznach auf dem Kornmarkt dabei. Zahlreiche Infostände von  den Verbänden und Organisationen von Menschen mit Behinderungen waren mitten in der Stadt dabei. Auf der Bühne ging es um Barrierefreiheit bei einer Diskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus der Kommunalpolitik, vom Behindertenbeirat und den Verbänden.

Diskussionsrunde auf der Bühne am Kornmarkt

Am 3. Mai ging es weiter in Mainz. Kultur für alle war das Thema. Es gab Straßentheater, Gesprächsrunden und einen Flashmob mit dem Inklusionssong und dem Pop- und Gospelchor PopChorN aus Nieder-Olm.

Aktionstag in Mainz auf dem Leichhof

Straßentheater im Schatten des Doms

Mathe-Stunde zum Bundes Teilhabegesetz

Flashmob mit dem Inklusions-Song


Am 4. Mai war
dann Aktionstag im Rhein Pfalz Kreis. Im Haus des Kindes im Limburgerhof wurde ein inklusiver Arbeitsplatz für eine junge Frau mit Lernschwierigkeiten geschaffen. Ein hervorragendes Beispiel, wie gemeinsame Schule von behinderten und nicht behinderten mit einem inklusiven Arbeitsplatz weitergeführt wird. Die Beteiligung des Kreisvorstandes war beeindruckend.

Treffen für Inklusion in Arbeitsleben in der Kita

Am Samstag, den 7. Mai war dann der Tag der Begegnung in Koblenz. Auf dem Zentralplatz gab’s ein spannendes Bühnenprogramm, Infos von Verbänden und Organisationen. Die EVM hatte einen Bus dabei, damit konnte ausprobiert werden, wie mit Rollstuhl und Rollator ein Stadtbus genutzt werden kann. Die Rollatoren standen um die 😉.Danach ging’s noch mit der Seilbahn und dem Behindertenbeauftragten der Stadt Joachim Seuling zu einem sonnigen Ausflug auf die Festung Ehrenbreitstein.

Eröffnung des Tages der Begegnung mit André Bender vom BSK und Joachim Seuling, Behindertenbeauftragter der Stadt Koblenz

Auf dem Weg zur Ehrenbreitstein mit der Seilbahn


Beauftragten Flash-Mob zum Bundesteilhabegesetz

Die Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder haben sich bei den Aktionen für ein gutes Bundesteilhabegesetz beteiligt. Bei unserem Treffen in Berlin haben wir einen eigenen Beauftragten Flash-Mob gegen die andauernde Verschiebung des Bundesteilhabegesetz gewendet. Ich finde die Blockade, besonders durch den bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer, des lang überfälligen Gesetzentwurfs höchst problematisch. Langsam wird die Zeit knapp für das Gesetzgebungsverfahren. Ich hoffe, mit den bundesweiten Aktivitäten werden die Beratungen der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten zum Bundesteilhabegesetz beflügelt. Wir brauchen endlich ein gutes Bundesteilhabegesetz – es ist Fünf vor Zwölf!

Hier das Foto vom Beauftragten Flash Mob:

Die Behindertenbeaufftragten von Bund und Ländern bei unserem BTHG-Flash-Mob

Ganz schön was los bei der Inklusionsmesse in Mainz

Inklusion – gewusst wie. Und das quer durch den Garten. Aus unterschiedlichen Bereichen kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur ersten Inklusionsmesse in Rheinland-Pfalz nach Mainz. Und mehr Besucherinnen und Besucher als erwartet. Die Inklusionsmesse war ein großer Erfolg sowohl für die Vernetzung untereinander als auch durch Informationsstände und Workshops für die vielen Gäste der Messe.

Die Inklusionsmesse hat viele gute Beispiele aus den Bereichen Arbeit, Wohnen, Freizeit, Kultur und Sport zusammengebracht. Hier wurde lebendig, wie Inklusion gelebt werden kann. Meinen herzlichen Dank an die Veranstalter, die LAG Selbsthilfe, das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Mainz und die Niederramstädter Diakonie. Ich freu mich schon auf die nächste Inklusion Messe!

Hier ein paar Eindrücke von der Messe und meinem Messerundgang:

 

Viel los – die Stände im Foyer des Mainzer Rathauses

 

Gedränge am Eingang der Messe

 

Inklusions – hier geht es weiter!

 

Zuhörerinnen und zuhörer bei der Gesprächsrunde

 

Marianne Münz vom Inklusion Netzwerk aus Bad Kreuznach, Stephan Heym von der LAG Selbsthilfe und Thomas Landini vom Elternkreis Down-Syndrom

 

Live Bild-Protokollierung der Interviewrunde

 

Schauspielerin Carina Kühne, Komiker Martin Fromme, Interviewer Ottmar Miles-Paul und ich in der ersten Runde

 

Beim Stand der Landesberatungsstelle barrierefreies Bauen und Wohnen

 

Duo Farfalle in Aktion

 

Wie geht’s weiter nach der Babypause – Gespräch mit der Moderatorin für Leichte Sprache Juliane Lesum

 

Beim Stand der LAG Werkstatträte

 

Carsten Trimpop ist immer dabei wenn’s um Inklusion geht – und um Mainz 05

 

Die Integrationsfachdienste sind auch dabei – hier der IFD des ZsL Mainz

 

Vorurteile in die Tonne – bei der Inklusion Messe klappt das bestimmt

 

Das Kaufhaus der Kreuznacher Diakonie ist vertreten

 

Kontakte knüpfen auf der Inklusionsmesse

 

Rolli-Runde mit dem Tourismus-Experten Michael „Mitsch“ Schreiner und Frank Schäfer vom Behindertenbeirat Bernkastel-Wittlich

 

Große Kunst – Bilder vom Atelier blau aus Worms

 

Familie Schmidt und Anna Schädler – Beigeordneter aus dem Landkreis Kaiserslautern, Mitglied des Landesteilhabe-Beirates und Netzwerk Gleichstellung und Selbstbestimmung

 

Der VdK Landesverband ist mit seinem Vorsitzenden Willi Jäger dabei

 

Der Integrationsbetrieb der Friedhofsgärtnerei der Stadt Worms macht mit

 

Die zeichnerische Umsetzung der Interviewrunden

 

Die Messe umgesetzt als Live-Zeichnung

 

Auch an den Workshops arbeitet der Zeichner

 

Ellen Kubica von der Volkshochschule Mainz mit Kollegin und Hund

 

Die WfB Mainz hat etwas zu bieten zur Inklusion

 

Gute Laune mit dem Smiley-Mann

 

Uups, das Bild ist doppelt. Wie geht Bilder-löschen in WordPress?

 

Große Aufmerksamkeit für die zweite Interviewrunde

 

Guildo Horn, Aktivist Raul Krauthausen, Staatstheater-Intendant Markus Müller und Nora Sties vom TV Laubenheim im Gespräch mit Ottmar Miles-Paul

 

Mein Interview-Beitrag als Bild

 

Barrierefreie Bahntour durch Rheinhessen und Pfalz

Mit der Regionalbahn durch Rheinhessen und die Pfalz, sieben Mal umsteigen. Das kann mit dem Rollstuhl ein echtes Abenteuer sein. Das wollte ich gerne testen, zusammen mit den kommunalen Behindertenbeauftragten und Beiräten vor Ort. Anlass sind die neuen Fahrzeuge im Dieselnetz Südwest, die seit Dezember 2015 in Rheinhessen und der Pfalz den Rheinland-Pfalz-Takt 2015 ergänzen.

Los geht es Morgens, kurz vor acht Uhr am Mainzer Bahnhof. Die Aufzüge sind zum Glück wieder repariert. Ohne Voranmeldung und ohne Stufe geht es in den Süwex nach Bingen. Ich liebe die Freiheit des barrierefreien Fahrens mit dem neuen Regionalexpress Süwex. Sich keine Gedanken um Einstiegshilfen zu machen ist fast Luxus, aber eigentlich ist es nur gleichberechtigte Mobilität – und bequem für Alle.

 

Bahnsteig und  Gleise am  Hauptbahnhof Mainz

Morgenstimmung am Mainzer Hauptbahnhof

  
 
Einstieg inden Süwex ohne Stufen und mit Spaltüberbrückung

Keine Stufe, kein Spalt – Einstieg in den Regionalexpress

  
Ansicht des Rollstuhlplatzes im inneren des Zuges

Rollstuhlplatz im Süwex

 
Der Bahnsteig in Bingen Hauptbahnhof ist etwas niedriger als in Mainz. Dafür wird die Rampe ausgelegt, die in jedem Zug vorhanden ist. Bei der Fahrkartenkontrolle habe ich nach der Rampe gefragt, das Zugpersonal legt sie bei der Ankunft aus. In Bingen werde ich von Dieter Moritz und Gerhard Hemicker vom Behindertenbeirat Bingen empfangen. Sie zeigen mir, was noch zu tun ist und für was sich der Beirat engagiert. Die Bahnsteige sind zu niedrig und müssten erneuert werden. Die Stadt wurde aufmerksam gemacht, die Stufenmarkierung zur Überführung zu verbessern. Das Blindenleitsystem endet unvermittelt am Übergang zum Bahnhof. Und die Behindertentoilette war zwei Jahre wegen Vandalismus geschlossen, jetzt ist das Rollstuhlsymbol entfernt und gar keine Toilette mehr ausgewiesen. Es gibt also gut etwas zu tun, das Engagement des Beirats wird weiter gebraucht.

 

Bild vom Auslegen einer faltbaten Rampe durch das Zugpersonal

Rampe zum Ausstieg wird ausgelegt

  
Bild mit Matthias Rösch und Dieter Moritz am Bahnsteig vor den Zug

Dieter Moritz vom Behindertenbeirat am Hauptbahnhof Bingen

  
die Tür der ehemaligen Behindertentoilette am Binger Hauptbahnhof

Hier war einmal eine Behindertentoilette

  
Bild vonm Zugang zum Bahnsteig, die Blindenleitlinie endet unvermittel an der Grenze zum Bahnsteig

Leitlinie endet im Nichts

  

Treppenaufgang mit verblasster Stufenmarkierung

Treppe mit Bedarf für bessere Stufenmarkierung

 
Zu Fuß und per Rad geht es zum Binger Stadtbahnhof. Dort treffen wir Gracia Schade, Behindertenbeauftragte des Landkreis Mainz-Bingen.  Es schneit ein wenig, höchste Zeit in dem geheizten Zug einzusteigen. Die neuen Fahrzeuge vom Typ Coradia Lint sind auf dem extra für die Regionalbahnverbindung nach Worms ausgebauten Bahnsteig bequem auch mit dem Elektrorollstuhl zu befahren. Das macht den Einstieg auch für Gracia Schade als SPNV-Neuling leicht.

 

Gracia Schade fährt mit dem Elektrorollstuhl stufenlos in  das neue Fahrzeug

Barrierefreier Einstieg in die neue Regionalbahn

 
 
Bild im inneren des Zugs. Gracia Schade spricht in ein Mikrofon,mdass die mitreisende SWR Reporterin  hält

Gracia Schade beim Interview mit dem SWR

 
Wie bei den baugleichen vlexx-Fahrzeugen ist bei der Innenausstattung auf kontrastreiche Gestaltung geachtet. Ein Display mit großer Schrift gibt aktuelle Informationen über Fahrtverlauf und Pünktlichkeit. Die Toilette ist großzügig gestaltet. Vor den Ausschreibungen zum Rheinland-Pfalz-Takt haben eine Expertinnen- und Expertengruppe des Landesteilhabebeirats und des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr die Anforderungen zur Barrierefreiheit besprochen. Das zahlt sich jetzt aus, besonders weil die Ausschreibungen eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren haben.

Auf der weiteren Strecke wird es spannend. Welche Stationen sind schon barrierefrei ausgebaut? Gensingen-Horweiler ist provisorisch ausgebaut und nicht wirklich barrierefrei. Bei der Haltestation Welgesheim-Zotzenheim geht die Wiese bis zur Bahnsteigkante. Aber ab dann sind wir durchgehend im grünen Bereich. Sprendlingen, Wallertheim, Alzey – alle folgenden Stationen sind barrierefrei ausgebaut. Bis Monsheim. Hier fehlt der Aufzug, um vom Mittelbahnsteig weg zu kommen. Das ist ein echter Mangel, weil hier auch die Linie nach Eisenberg und Ramsen abgehen. Wir steigen um in die Regionalbahn nach Grünstadt. Das geht, weil wir auf dem Mittelbahnsteig bleiben. Jetzt beginnt die Zeit der häufigen Umstiege, weil es noch keinen durchgehenden Zug Richtung Neustadt an der Weinstraße gibt. 

Beim Umstieg in Grünstadt treffen wir Ute Brunner, Verkehrsexpertin des Landkreises Bad Dürkheim und Regina Schmitt, die für den barrierefreien Tourismus im Landkreis zuständig ist. Der Landkreis Bad Dürkheim ist eine der zehn Modellregionen für barrierefreien Tourismus in Rheinland-Pfalz. Informationen zur Mobilität gehören dazu, ein gemeinsames Portal zu den touristischen Angeboten und Bahn und Bus ist Ziel.

Und in Grünstadt treffen wir auf eine böse Überraschung. Der Aufzug an unserem Bahnsteig ist defekt und wird gerade repariert. So kommen wir nicht auf den Bahnsteig, wo unsere Regionalbahn nach Freinsheim abfährt. Die Lösung ist, dass der Zug auf unser Gleis umgeleitet wird. Auch wenn es ein Zug später ist, eine halbe Stunde später kommen wir weiter. Hilfreich für solche Situation ist ein Anruf bei der 3S-Zentrale, sie kennt sich vor Ort aus, welche Verbindungen und Bahnstationen genutzt werden können.

Der Gleiswechsel wird nicht nur angesagt. Auch auf der Anzeige wird er angegeben. Damit ist die Information auch für hörbehinderte Menschen sicher gestellt – ganz nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“ der Barrierefreiheit. 

 

Mit rot-weißem Flatterband gesperrter Aufzug

Überraschung – defekter Aufzug in Grünstadt

 
  
Matthias Rösch ducht per Tablet nach neuer Zugverbindung

Umplanen – welche Verbindung ist möglich

 

 Laufschriftanzeige zum Gleiswechsel 

Laufschriftanzeige zum Gleiswechsel  

Laufschriftanzeige zum Gleiswechsel

Zwei-Sinne-Prinzip: Durchsagen werden auch angezeigt

 
Beim Umstieg in Freinsheim wartet schon Werner Schreiner auf uns.

Der ehemalige Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar und jetzige Landesbeauftragte für grenzüberschreitende Zusammenarbeit begleitet uns bis nach Neustadt. Als erfahrener Verkehrsexperte kennt Schreiner jede Schiene und jede Haltestelle in der Region. Er berichtet, wie von Anfang an im Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd auf den barrierefreien Ausbau der Bahnstationen geachtet werden. Mittlerweile sind schätzungsweise 85 Prozent der Bahnstationen im Süden von Rheinland-Pfalz barrierefrei ausgebaut und fast flächendeckend mit modernen barrierefreien Fahrzeugen ausgestattet.

Mittlerweile ist Gracia Schade auf der Rückfahrt nach Bingen in Monsheim hängen geblieben. Sie kommt nicht auf Gleis 1, um den Anschlusszug zu bekommen. Hier fehlen die Aufzüge am Bahnhof. Per Handy wird die Route über Worms und Mainz als Lösung ausgemacht. Eine kleine Rheinhessen-Odyssee, die aber schließlich ans Ziel führt..

 

Auf dem Bahnsteig Freinsheim mit Ute Brunner, Regins Schmitt, Werner Schreiner und Matthias Rösch

Am Bahnhof Freinsheim mit Werner Schreiner – Umstieg Nummer 4

  
Aufnahme im Zug

Im Zug mit Werner Schreiner und Ralf Schwambach von drr Deutschen Bahn, Berichte aus der Geschichte des SPNV

 

In Neustadt wartet Hans Manger vom Behindertenbeirat auf uns. Nach einem Kaffee und einem Gespräch über den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen in der Region geht es weiter mit dem RegionalExpress über Ludwigshafen Mitte nach Worms. Dort werden wir vom neuen Behindertenbeauftragten der Stadt Wolfgang Schall und Heiner Bögler vom Sozialverband Deutschland auf dem Bahnhof begrüßt. 

Der Bahnhof wurde vor 5 Jahren mit Aufzügen ausgestattet. Der Seniorenbeirat und der SoVD haben sich für die Einrichtung einer Behindertentoilette stark gemacht. Was noch fehlt sind automatische Türen zur Bahnhofshalle. Auch hier gibt es Berichte von nicht funktionierenden Aufzügen.

 

mit Hans Manger am Bahnhof Neustadt

  

Einstieg in den Regionalexpress nach Ludwigshafen

  
auf dem Bahnsteig in Ludwigshafen Mitte

Umstieg in Ludwigshafen Mitte

  
Aufnahme im Regionalexpress

Im Regionalexpress ist mehr Platz

  
Bild mit Wolfgang Schall Heiner Böckler

Begrüßung in Worms am Hauptbahnhof

  

Es geht auch anders herum, die Rampe kann auch in den Zug hinein gelegt werden, um eine Stufe zu überwinden.

 

 

Ein Mann mit Gehhilfen berichtet über seine Erfahrungen mit defekten Aufzügen

Erfahrungsbericht über defekte Aufzüge

  
Heiner Bögner an der Zugangstür zur Bahnhofshalle in Worms

Hier fehlt ein automatischer Türöffner

 

Mein Fazit der Bahn Tour ist: mit dem Rheinland-Pfalz Takt 2015, den neuen Fahrzeugen und den barrierefrei ausgebauten Bahnstationen ist ein enormer Fortschritt für barrierefreie Mobilität gelungen. Ich habe wunderbare Landschaften von Rheinhessen und der Weinstraße vom Zug aus entdecken können, was vorher nicht möglich war. Aber es gibt noch Lücken, der Einbau von Aufzügen am Bahnhof Monsheim ist dringend erforderlich. Auch muss die Bahn mehr in Wartung und Service für Ihre Aufzüge investieren. Es nutzt nichts, mehr Aufzüge an den Bahnhöfen zu haben, wenn diese häufig und lange defekt sind. Die Informationen, wie barrierefreies Reisen im Nahverkehr mit der Bahn möglich ist, muss den Menschen mit Behinderungen noch besser angeboten werden. Zum Beispiel dass in jedem Fahrzeug eine Rampe vorhanden ist, die ohne Voranmeldung angelegt werden und welche Ansprechpartner in Notfällen und bei Umplanungen vorhanden sind, das ist häufig noch zu unbekannt. Es lohnt sich, die neuen Verbindungen auszuprobieren. Erst durch Praxis und Routine wird Barrierefreies Reisen möglich und ein Gewinn für Alle.

Mein besonderer Dank gilt Ralf Schwambach von der Deutschen Bahn, der uns während der Fahrt großartig unterstützt hatte zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen sowie Manfred Janß von der Allgemeinen Zeitung und dem SWR für die intensive Begleitung bei der Bahntour.

 Händedruck mit Service-Mitarbeiter der Bahn 

Barrierefrei  Arbeiten und Lernen

Gestern war die Abschlussveranstaltung des Projektes „Barrierefrei Arbeiten“ des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit. Im ZDF-Kongresszentrum in Mainz wurden gute Beispiele von Unternehmen vorgestellt, die Barrierefreiheit umgesetzt haben. 

Leider gibt es noch keine gesetzlichen Vorgaben, die grundsätzlich Barrierefreiheit für den Bereich der Arbeitsstätten vorschreibt. Sozialministerin Bätzing-Lichtenthäler betonte in ihren Beitrag, dass in der rheinland-pfälzischen Landesbauordnung der Bereich der Arbeitsplätze bereits mit einbezogen sind. Bei der Novellierung des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes soll auch der private Sektor für öffentliche nutzbare Angebote mit einer Änderung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes einbezogen werden. 

In anderen Ländern wie Frankreich und den USA wird seit Jahren dieser Bereich mit einbezogen. In Deutschland sind leider öffentlich zugängliche Angebote wie Gaststätten, Kinos und Einkaufsläden im Bestand leider noch von  angemessenen Regelungen zur Barrierefreiheit ausgenommen. Ich finde, hier besteht wirklich Handlungsbedarf. Gestern ist der Entwurf des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes verschickt worden, leider fehlt eine Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.

Information und Sensibilisierung für die Unternehmen ist wichtig. Gestern wurden Filme des Projektes Barrierefreie Arbeiten vorgestellt. Damit können Barrieren in den Köpfen beseitigt werden. Selbstverständlich sind die Filme auch mit Gebärden Sprachbegleitung, Untertitelung und Audiodeskription selbst auch barrierefrei. Hier gibt es die Videos.:

  

Auch die Volkshochschule in Mainz widmet sich mit dem Projekt “ Inklusive Erwachsenenbildung“  der barrierefreien Gestaltung ihres Angebots. Auf der Webseite der Volkshochschule Mainz gibt es ein Video über Sensibilisierung Workshops für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volkshochschule. Hier der Link dazu.

  

Hier noch ein paar Bilder von dem Kongress des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit:

 

Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler beim Vortrag mit Gebärdensprachdolmetscher Sigurd Hanig

  

Bild vom Publikum im ZDF Kongresszentrum

  

Workshop mit Erläuterung der Diversity Strategie von IBM

  

screenshot: Tappen Sie nicht länger im Dunkeln – Arbeiten Sie barrierefrei

 

Inklusionstour nach Berlin

50 engagierte Menschen mit Behinderungen aus der Interessenvertretung von kommunalen Behindertenbeiräten und kommunalen Behindertenbeauftragten, Werkstatträte und Bewohner_innen -Beiräte, zwei barrierefreie Reisebusse und ein intensives Programm in Berlin. Das waren die Zutaten für die Inklusionstour nach Berlin vergangene Woche. Dazu gehörten Besuche im Bundesrat und im Bundestag sowie eine Veranstaltung zu persönlichen Budgets mit der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele.

 

Vor der Abfahrt mit den barrierefreien Reisebussen in Berlin

  

Stadtrundfahrt mit Gebärdensprach-Übersetzung

 Bereits am Mittwoch am Anreisetag hatte die Hälfte der Besuchsgruppe einen Besichitigung des Bundestags auf dem Programm. Am nächsten Morgen starteten wir mit einer Stadtrundfahrt durch Berlin. Anschließend könnten wir mit meinem Kollegen, dem Berliner Landesbehindertenbeauftragten Dr. Jürgen Schneider die Strategien für barrierefreie Mobilität in Berlin kennen lernen. Die Berliner Verkehrsgesellschaft und die S-Bahn Berlin erleuchteten uns, wie Barrierefreiheit in der Hauptstadt umgesetzt werden. Bis 2020 sollen alle U-Bahn Station barrierefrei zugänglich und mit Leitsystem für blinde und sehbehinderte ausgestattet werden. Personal und Fahrgäste werden regelmäßig für die Belange behinderter Menschen geschult. Auch die Mitnahme von E-Scootern in Bus und Bahn ist in Berlin kein Problem. Hier zeigt sich die gute Zusammenarbeit zwischen den Verbänden behinderter Menschen und den Verkehrsgesellschaften in Berlin.

Mit Interesse könnten wir erfahren, dass mit den Taxigesellschaften über den Einsatz von rollstuhlgerechten Taxis verhandelt wird. Ziel ist, das  auch gesetzlich  zu regeln. Bei S und U-Bahn sind bereits jetzt viele Aufzüge im Einsatz. Leider sind  immer wieder einige von ihnen defekt. Darüber wird aktuell im Internet informiert. Entsprechenden Apps und Webseiten geben dann automatisch Auskunft über ü alternative Routen. Hier Bilder vom Treffen in der Senatsverwaltung:

 

Gesprächsrunde mit dem Landesbehindertenbeauftragten Dr. Jürgen Schneider

  

Präsentation der Berliner Verkehrsgesellschaft

  

„Selbst bestimmen mit persönlichen Budgets“ – mit dieser Veranstaltung im Jakob Kaiser Haus des Bundestages haben wir mit guten persönlichen Beispielen von Budgetnehmerinnrn und Budgetnehmern aus Rheinland-Pfalz  für de Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen beim vorgesehenen Bundesteilhabegesetz aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele und unserem Sozialstaatsekretär David Langner konnten wir die Vortrile des Budgets für Atbeit als Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen und des persönlichen Budgets für selbstbestimmte persönliche Assistenz vorstellen und direkt mit den behindertenpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Bundestagsfraktionen und der Staatssekretärin im Bundes-Sozialministerium Lösekrug- Möller diskutieren. 

Intensiv wurden die Erwartungen an das Bundedteilhabegesetz besprochen. Das Budget für Arbeit soll bundesweit geregelt werden. Die Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe in das Sozialgesetzbuch Neun einbezogen werden. Besonderes Anliegen in den Wortmeldungen war die Verbesserungen bzw. Freistellung bei  Anrechnung von Einkommen und Vermögen.  

Hier Bilder aus der vollbesetzten Veranstaltung im Bundestag:

 

Auf dem Weg zur Veranstaltung im Bundestag

  

Vollbesetzter Saal im Jakb Kaiser Haus des Bundestag

  

Staatssekretär David Langner beim Grußwort

  

Das Podium mit den behinderten politischen Sprecherinnen und Sprechern der Bundestagsfraktionen

  

Staatssekretärin Lösekrug-Möller im Gespräch mit dem Moderator Ottmar Miles -Paul

  

Bild vom Podium mit der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele

  

Interview mit Benedict Lohr-Speck, der Alternativ zur Werkstatt eine Qualifizierungen zum Schulhelfer macht

  

Gespräch mit Carsten Trimpop, der mit dem persönlichen Budget aus dem Wohnheim ausgezogen ist

  

Gespräch mit Melanie Hilpert, die mit dem Budget für Arbeit in einer Kita angestellt ist

   

Sascha Bell berichtet über seine Erfahrungen mit dem persönlichen Budget

 

Dr. Rolf Schmachtenberg vom Bundes-Sozialministerium

  

Bernd Giraud von der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation

  

Dr. Irene Vorholz vom Landkreistag

  

Blick ins Publikum

  

übergabe des Aktionsplans der Empowerment-Schulung mit Frank Schäfer

 

Was wir am Vortag in der Theorie erfahren haben, könnten Hans Manger, Frank Schäfer und ich am nächsten morgen auf dem Weg zum Bundesrat testen. Mit Straßenbahn und U-Bahn durch Berlin. Hans Manger vom CBF Neustadt hat bleibenden Eindruck bei den Mitreisenden hinterlassen – Pfälzer in der U-Bahn sind ein besonderes Erlebnis 🙂. Hier Bilder von unserer Tour:

 

Die drei an der Straßenbahnhaltestelle

  

In der Straßenbahn


  

Die Stufe zum U-Bahn-Wagen wird mit einer Rampe überbrückt

  

Das passt, drei Rollis in der U-Bahn

 Der Besuch im Bundesrat war Highlight am Freitag. Vielen Dank an den Bundesrat, der unsere Inklusionstour möglich gemacht hat. Wir konnten live bei einer Plenarsitzung des Bundesrates dabei sein. Hier Fotos vom Besuch des Bundesrats:

 

Begrüßung im Bundesrat durch den Schwerbehindertenvertreter Helfen

  

Blick in den Bundesrat

  

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Wirtschaftsministerin Evelin Lemke und die Chefin der Landesvertretung Heike Raab begrüßen Nancy Poser und Sascha Bell

  

Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei ihrer Rede zu öffentlichem WLAN

 Anschließend ging es in die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz, wo wir von Michaela Veith (ihr verdanken wir die Einladung nach Berlin 😊) und Heike Raab empfangen wurden. Hier Bilder von unserem Treffen im Weinkeller mit anschließendem Gruppenfoto:

 

Heike Raab in der Landesvertretung

  

Michaela Veith beeindruckt mit ihrem Engagement für Barrierefreiheit in der Landesvertretung

  

Gruppenfoto von der Inklusionstor

  

Gruppenfoto mit unseren Inklusion Fan Schals in Aktion

 Den Abschluss des Freitags und der Inklusionstour war dann für die zweite Hälfte der Gruppe ein Besuch des Bundestages. Hier Eindrücke von dem abendlichen Rundgang:

 

Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner begrüßt uns am Eingang zum Bundestag

  

Beim Tast-Modell des Bundestages und Umgebung

  

Im Plenarsaal

  

Besichtigung des Fraktionssaals von Bündnis 90/Die Grünen

  

Erläuterungen zur Geschichte des Gebäudes

  

  

Bürgerschaftliches Engagement und Inklusion in der Bildung

Wie kann bürgerschaftliches Engagement den gemeinsamen Unterricht und das lebenslange gemeinsame lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen unterstützen. Das war Thema des Dialogs Forums Inklusion des Bundesnetzwerks bürgerschaftliches Engagement in Berlin.

Hier konnte ich die rheinland-pfälzischen Erfahrungen mit dem weiteren Ausbau von gemeinsam Unterricht in Rheinland-Pfalz vorstellen. Auch unsere Rahmenbedingungen, wie wir mit Aktionsplan und einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagements die UN Behinderten Rechts Konvention  in Rheinland-Pfalz  umsetzen war Thema meines Beitrages.

Die Veranstaltung fand in den Räumen des Generalsekretariats des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin statt. Die Vizepräsidentin des DRK Donata Schenck zu Schweinsberg schilderte die Aktivitäten ihrer Organisation zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention. Das war ein guter Anlass, ihr unseren rheinland-pfälzischen Staffelstab zu übergeben. Hier Bilder von der Übergabe und der Veranstaltung:

 

Staffelstab-Übergabe an die Vizepräsidentin des DRK

  

Podiumsrunde im Dialog Forum

  

Bericht aus Rheinland-Pfalz

 
Hier mein Artikel, den ich für den Newsletter des Bundesnetzwerks geschrieben habe:

Inklusive Bildung und bürgerschaftliches Engagement

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen Rheinland-Pfalz

„Mehr als 80 Prozent aller behinderten Kinder gehen in Regelschulen. Das hat zu einer Normalisierung des ganzen Themas beigetragen. Briten meines Alters sind es gewohnt, mit behinderten Menschen umzugehen, weil sie fast alle behinderte Mitschüler hatten. Umgekehrt sind behinderte Menschen in meinem Alter in Regelschulen gegangen und waren von Anfang an Teil der Gesellschaft und nicht in Sondereinrichtungen. Das verändert die Gesellschaft enorm.“ So schildert die aus Mainz stammende und in London lebende behinderte Journalistin Carlotte Link die Wirkung schulischer Inklusion in England.

Im Vergleich dazu besuchen in Deutschland derzeit etwa 30 Prozent den gemeinsamen Unterricht mit nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen. Vor fünf Jahren ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft getreten. Immer noch ist eher der gemeinsame Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen die Ausnahme und nicht die Regel. Dennoch hat die UN-Behindertenrechtskonvention eine breite und kontroverse öffentliche Debatte über den Aufbau eines inklusiven Schulsystems ausgelöst. In den Bundesländern wurden und werden Schulgesetze angepasst, um den menschenrechtlichen Ansatz der UN-Behindertenrechtskonvention entgegen zu kommen.

Situation in Rheinland-Pfalz

Bereits im März 2010 hat die Landesregierung als erstes Bundesland einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beschlossen. In zehn Handlungsfedern sind mit knapp 200 Maßnahmen die Aktivitäten ressortübergreifend aufgeführt. Jedes Ministerium hat für seinen Aufgabenbereich Maßnahmen und Ziele genannt, vom Umwelt- über das Sozialministerium bis zum Innenressort. Inklusion ist Querschnittaufgabe. 

Für jedes der Handlungsfelder wurde zusammen mit dem Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen Visionen entwickelt. Welches Bild haben wir von Rheinland-Pfalz haben, wenn in 20 bis 30 Jahren die UN-Konvention umgesetzt ist. Danach sind die Ziele und Maßnahmen des Aktionsplans ausgerichtet. Für das Handlungsfeld „Erziehung und Bildung“ lautet die Vision: 

„In Rheinland-Pfalz findet Lernen lebenslang gemeinsam statt. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen besuchen die gleichen Schulen wie nicht beeinträchtigte Kinder in der Gemeinde, nachdem sie zuvor gemeinsam in denselben Kindertagesstätten waren. Sie werden in ihren individuellen Stärken und Besonderheiten unterstützt und respektiert sowie durch ihr Umfeld und durch pädagogische, medizinische und therapeutische Begleitung gefördert.“

Auf dem Weg dorthin sind in Rheinland-Pfalz bereits in der Vergangenheit wichtige Schritte unternommen worden. In den 1980er Jahren wurden die ersten Schulversuche für gemeinsamen und zieldifferenten Unterricht in Mainz und Trier in den Grundschulen unternommen. 1990 wurden an 18 Schulstandorten Integrationsklassen eingerichtet. 1995 wurden dann die Erfahrungen des gemeinsamen Unterrichts in der Sekundarstufe I weiter geführt. Mit der Einführung der Schwerpunktschulen in 2001 kam man von einzelnen Schulversuchen zu einem flächendeckenden Angebot von gemeinsamem Unterricht. Mittlerweile gibt es 277 Schwerpunktschulen in ganz Rheinland-Pfalz davon 160 Grundschulen und 117 Schulen im Bereich der Sekundarstufe I. Gymnasien fehlen leider noch als Schwerpunktschulen, obwohl bereits seit 2004 im Schulgesetz geregelt ist, dass es Aufgabe aller Schulen ist, bei der Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf mitzuwirken.

Die rot-grüne Landesregierung hat im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2011 die Novellierung des Schulgesetzes vereinbart. Zentrale Elemente der Schulgesetz-Novellierung sind:

• Die Einführung des vorbehaltlosen Wahlrechts für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen auf gemeinsamen Unterricht

• Die Weiterentwicklung von Förderschulen zu Förder- und Beratungszentren, welche die allgemeinen Schulen für die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen beraten und unterstützen

• Die rechtliche Absicherung der Schwerpunktschulen

• Einen Unterstützungsfonds für die Kommunen

 Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Umsetzung von Inklusion an den Schulen ist, dass Inklusion als gemeinschaftliche Aufgabe des gesamten Kollegiums und des gesamten Teams (einschließlich der Integrationshelferinnen und –helfer) umgesetzt wird – und nicht die Förderlehrkraft allein für die Inklusion zuständig ist. Weitere Voraussetzung ist der Einsatz von offenen Unterrichtsformen und differenzierten Unterrichtsmethoden.

In Rheinland-Pfalz gibt es bereits beispielhaft inklusiv arbeitende Schulen, wie die Verleihung des Jakob- Muth-Preises an die Brüder-Grimm-Schule in Ingelheim im Jahr 2014 zeigt. In diesem Jahr haben wir einen eigenen Landespreis für inklusive Schulen in Rheinland-Pfalz ausgeschrieben.

Bei dem Gipfel „Inklusion – die Zukunft der Bildung“ der UNESCO, der im März 2014 in Bonn stattfand, wurde im Beitrag aus Kanada deutlich, wie wichtig die Arbeit mit den vorhandenen Teams an den Schulen ist. Ein inklusives Schulsystem kann nicht erst beginnen, wenn Lehrerinnen und Lehrer im Studium darauf vorbereitet sind. Mit den vorhandenen Kollegien vor Ort in den Schulen zu arbeiten, eine inklusive Schule zu gestalten, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Die Ausbildung und die Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer für inklusiven Unterricht ist eine wichtige Voraussetzung. Aktuell wird im Parlament das Landesgesetz zur Stärkung der inklusiven Kompetenz und der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften behandelt. Damit werden in allen drei Phasen der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften Inklusion verpflichtender Bestandteil.

Die sonderpädagogische Kompetenz zu erhalten und in das allgemeine Schulsystem einzubringen, ist Aufgabe der neuen Förder- und Beratungszentren sein. Zum Beispiel unterstützen die Landesschulen für hörbehinderte und gehörlose Schülerinnen und Schüler sowie die Landesschule für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler bereits seit Jahren die allgemeinen Schulen dezentral mit sonderpädagogischen Fachkräften in allen Regionen des Landes. Um familienferne Internatsunterbringung der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen zu vermeiden, sind die Förder- und Beratungszentren zur Unterstützung der Schulen vor Ort der richtige Weg. Deshalb ist nur Folgerichtig, dass die drei Landesschulen zu den ersten zwölf Förder- und Beratungszentren gehören.

Die Novellierung des Schulgesetzes ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem als Auftrag aus der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Schwerpunktschulen sind für mich allerdings nur ein Zwischenschritt. Als mittel- bis langfristiges Ziel eines inklusiven Schulsystems wird jede Schule an jedem Ort behinderte und nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler aufnehmen können.

Die Umsetzung dieses Ziels konnte eine Delegation aus Rheinland-Pfalz im April 2014 bei der Inklusionstour nach Südtirol erleben. Dort sind seit 35 Jahren die Sonderschulen abgeschafft. Gemeinsamer Unterricht ist dort überall Realität. Mich hat besonders die Haltung der Schulleitungen beeindruckt, dass die Schule Verantwortung für ihre Gemeinde und für alle Schülerinnen und Schüler des Ortes hat – und diese Verantwortung als Aufgabe selbstverständlich wahrnimmt. Alle gehören dazu, niemand wird ausgeschlossen und auf Sondereinrichtungen nur für Menschen mit Behinderungen verwiesen. 

Thesen zu bürgerschaftlichem Engagement und inklusiver Bildung

Meine Erfahrungen mit der Weiterentwicklung eines inklusiven Bildungssystems, den Besuchen in inklusiv arbeitenden Schulen, den Diskussionen im Rahmen der Novellierung des Schulgesetzes und im Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen und auch aus meiner persönlichen Erfahrung als Behinderter möchte ich in den folgenden Thesen zusammen fassen:

1. Inklusiv arbeitende Schulen sind am Sozialraum orientiert und für Unterstützung offen. Inklusion lebt mit und ist auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen. Das gilt auch für weitere Bildungseinrichtungen wie Hochschulen, Volkshochschulen und Kitas. 

2. Bewusstseinsbildung, Information und Aufklärung über Inklusion als Menschenrecht sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Schule ist Ort für alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde – und alle Bürgerinnen und Bürger können mit positiven Beispielen, mit ihrer Kreativität und offenen Haltung für ein Gelingen von Inklusion an den Schulen beitragen.

3. Die Umsetzung von angemessenen Vorkehrungen, zum Beispiel Maßnahmen zur Barrierefreiheit, Akustikdecken oder die Anschaffung angepasster Lehrmaterialien können mit dem Einsatz bürgerschaftlichen Engagements erleichtert werden, auch wenn das grundsätzlich Aufgabe des Schulträgers ist.

4. Gegenseitige Stärkung und Selbsthilfe sind prägend für den Aufbau inklusiver Schulen. Ohne das bürgerschaftliche Engagement der Eltern von Kindern mit Behinderungen für inklusive Schulen und den Einsatz der Selbstvertretung der Menschen mit Behinderungen wären wir heute nicht so weit. Dieser Einsatz bleibt nach wie vor notwendig.

Inklusion in der Bildung ist der Schlüssel für die Gestaltung einer inklusiven Gesellschaft. Bürgerschaftliches Engagement ist untrennbar damit verbunden. Wir alle können dazu beitragen, den Leitsatz „Leben wie alle – mitten drin von Anfang an“ mit Leben zu füllen.