Ganz schön was los bei der Inklusionsmesse in Mainz

Inklusion – gewusst wie. Und das quer durch den Garten. Aus unterschiedlichen Bereichen kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur ersten Inklusionsmesse in Rheinland-Pfalz nach Mainz. Und mehr Besucherinnen und Besucher als erwartet. Die Inklusionsmesse war ein großer Erfolg sowohl für die Vernetzung untereinander als auch durch Informationsstände und Workshops für die vielen Gäste der Messe.

Die Inklusionsmesse hat viele gute Beispiele aus den Bereichen Arbeit, Wohnen, Freizeit, Kultur und Sport zusammengebracht. Hier wurde lebendig, wie Inklusion gelebt werden kann. Meinen herzlichen Dank an die Veranstalter, die LAG Selbsthilfe, das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Mainz und die Niederramstädter Diakonie. Ich freu mich schon auf die nächste Inklusion Messe!

Hier ein paar Eindrücke von der Messe und meinem Messerundgang:

 

Viel los – die Stände im Foyer des Mainzer Rathauses

 

Gedränge am Eingang der Messe

 

Inklusions – hier geht es weiter!

 

Zuhörerinnen und zuhörer bei der Gesprächsrunde

 

Marianne Münz vom Inklusion Netzwerk aus Bad Kreuznach, Stephan Heym von der LAG Selbsthilfe und Thomas Landini vom Elternkreis Down-Syndrom

 

Live Bild-Protokollierung der Interviewrunde

 

Schauspielerin Carina Kühne, Komiker Martin Fromme, Interviewer Ottmar Miles-Paul und ich in der ersten Runde

 

Beim Stand der Landesberatungsstelle barrierefreies Bauen und Wohnen

 

Duo Farfalle in Aktion

 

Wie geht’s weiter nach der Babypause – Gespräch mit der Moderatorin für Leichte Sprache Juliane Lesum

 

Beim Stand der LAG Werkstatträte

 

Carsten Trimpop ist immer dabei wenn’s um Inklusion geht – und um Mainz 05

 

Die Integrationsfachdienste sind auch dabei – hier der IFD des ZsL Mainz

 

Vorurteile in die Tonne – bei der Inklusion Messe klappt das bestimmt

 

Das Kaufhaus der Kreuznacher Diakonie ist vertreten

 

Kontakte knüpfen auf der Inklusionsmesse

 

Rolli-Runde mit dem Tourismus-Experten Michael „Mitsch“ Schreiner und Frank Schäfer vom Behindertenbeirat Bernkastel-Wittlich

 

Große Kunst – Bilder vom Atelier blau aus Worms

 

Familie Schmidt und Anna Schädler – Beigeordneter aus dem Landkreis Kaiserslautern, Mitglied des Landesteilhabe-Beirates und Netzwerk Gleichstellung und Selbstbestimmung

 

Der VdK Landesverband ist mit seinem Vorsitzenden Willi Jäger dabei

 

Der Integrationsbetrieb der Friedhofsgärtnerei der Stadt Worms macht mit

 

Die zeichnerische Umsetzung der Interviewrunden

 

Die Messe umgesetzt als Live-Zeichnung

 

Auch an den Workshops arbeitet der Zeichner

 

Ellen Kubica von der Volkshochschule Mainz mit Kollegin und Hund

 

Die WfB Mainz hat etwas zu bieten zur Inklusion

 

Gute Laune mit dem Smiley-Mann

 

Uups, das Bild ist doppelt. Wie geht Bilder-löschen in WordPress?

 

Große Aufmerksamkeit für die zweite Interviewrunde

 

Guildo Horn, Aktivist Raul Krauthausen, Staatstheater-Intendant Markus Müller und Nora Sties vom TV Laubenheim im Gespräch mit Ottmar Miles-Paul

 

Mein Interview-Beitrag als Bild

 

Barrierefreie Bahntour durch Rheinhessen und Pfalz

Mit der Regionalbahn durch Rheinhessen und die Pfalz, sieben Mal umsteigen. Das kann mit dem Rollstuhl ein echtes Abenteuer sein. Das wollte ich gerne testen, zusammen mit den kommunalen Behindertenbeauftragten und Beiräten vor Ort. Anlass sind die neuen Fahrzeuge im Dieselnetz Südwest, die seit Dezember 2015 in Rheinhessen und der Pfalz den Rheinland-Pfalz-Takt 2015 ergänzen.

Los geht es Morgens, kurz vor acht Uhr am Mainzer Bahnhof. Die Aufzüge sind zum Glück wieder repariert. Ohne Voranmeldung und ohne Stufe geht es in den Süwex nach Bingen. Ich liebe die Freiheit des barrierefreien Fahrens mit dem neuen Regionalexpress Süwex. Sich keine Gedanken um Einstiegshilfen zu machen ist fast Luxus, aber eigentlich ist es nur gleichberechtigte Mobilität – und bequem für Alle.

 

Bahnsteig und  Gleise am  Hauptbahnhof Mainz

Morgenstimmung am Mainzer Hauptbahnhof

  
 
Einstieg inden Süwex ohne Stufen und mit Spaltüberbrückung

Keine Stufe, kein Spalt – Einstieg in den Regionalexpress

  
Ansicht des Rollstuhlplatzes im inneren des Zuges

Rollstuhlplatz im Süwex

 
Der Bahnsteig in Bingen Hauptbahnhof ist etwas niedriger als in Mainz. Dafür wird die Rampe ausgelegt, die in jedem Zug vorhanden ist. Bei der Fahrkartenkontrolle habe ich nach der Rampe gefragt, das Zugpersonal legt sie bei der Ankunft aus. In Bingen werde ich von Dieter Moritz und Gerhard Hemicker vom Behindertenbeirat Bingen empfangen. Sie zeigen mir, was noch zu tun ist und für was sich der Beirat engagiert. Die Bahnsteige sind zu niedrig und müssten erneuert werden. Die Stadt wurde aufmerksam gemacht, die Stufenmarkierung zur Überführung zu verbessern. Das Blindenleitsystem endet unvermittelt am Übergang zum Bahnhof. Und die Behindertentoilette war zwei Jahre wegen Vandalismus geschlossen, jetzt ist das Rollstuhlsymbol entfernt und gar keine Toilette mehr ausgewiesen. Es gibt also gut etwas zu tun, das Engagement des Beirats wird weiter gebraucht.

 

Bild vom Auslegen einer faltbaten Rampe durch das Zugpersonal

Rampe zum Ausstieg wird ausgelegt

  
Bild mit Matthias Rösch und Dieter Moritz am Bahnsteig vor den Zug

Dieter Moritz vom Behindertenbeirat am Hauptbahnhof Bingen

  
die Tür der ehemaligen Behindertentoilette am Binger Hauptbahnhof

Hier war einmal eine Behindertentoilette

  
Bild vonm Zugang zum Bahnsteig, die Blindenleitlinie endet unvermittel an der Grenze zum Bahnsteig

Leitlinie endet im Nichts

  

Treppenaufgang mit verblasster Stufenmarkierung

Treppe mit Bedarf für bessere Stufenmarkierung

 
Zu Fuß und per Rad geht es zum Binger Stadtbahnhof. Dort treffen wir Gracia Schade, Behindertenbeauftragte des Landkreis Mainz-Bingen.  Es schneit ein wenig, höchste Zeit in dem geheizten Zug einzusteigen. Die neuen Fahrzeuge vom Typ Coradia Lint sind auf dem extra für die Regionalbahnverbindung nach Worms ausgebauten Bahnsteig bequem auch mit dem Elektrorollstuhl zu befahren. Das macht den Einstieg auch für Gracia Schade als SPNV-Neuling leicht.

 

Gracia Schade fährt mit dem Elektrorollstuhl stufenlos in  das neue Fahrzeug

Barrierefreier Einstieg in die neue Regionalbahn

 
 
Bild im inneren des Zugs. Gracia Schade spricht in ein Mikrofon,mdass die mitreisende SWR Reporterin  hält

Gracia Schade beim Interview mit dem SWR

 
Wie bei den baugleichen vlexx-Fahrzeugen ist bei der Innenausstattung auf kontrastreiche Gestaltung geachtet. Ein Display mit großer Schrift gibt aktuelle Informationen über Fahrtverlauf und Pünktlichkeit. Die Toilette ist großzügig gestaltet. Vor den Ausschreibungen zum Rheinland-Pfalz-Takt haben eine Expertinnen- und Expertengruppe des Landesteilhabebeirats und des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr die Anforderungen zur Barrierefreiheit besprochen. Das zahlt sich jetzt aus, besonders weil die Ausschreibungen eine Laufzeit von mehr als 20 Jahren haben.

Auf der weiteren Strecke wird es spannend. Welche Stationen sind schon barrierefrei ausgebaut? Gensingen-Horweiler ist provisorisch ausgebaut und nicht wirklich barrierefrei. Bei der Haltestation Welgesheim-Zotzenheim geht die Wiese bis zur Bahnsteigkante. Aber ab dann sind wir durchgehend im grünen Bereich. Sprendlingen, Wallertheim, Alzey – alle folgenden Stationen sind barrierefrei ausgebaut. Bis Monsheim. Hier fehlt der Aufzug, um vom Mittelbahnsteig weg zu kommen. Das ist ein echter Mangel, weil hier auch die Linie nach Eisenberg und Ramsen abgehen. Wir steigen um in die Regionalbahn nach Grünstadt. Das geht, weil wir auf dem Mittelbahnsteig bleiben. Jetzt beginnt die Zeit der häufigen Umstiege, weil es noch keinen durchgehenden Zug Richtung Neustadt an der Weinstraße gibt. 

Beim Umstieg in Grünstadt treffen wir Ute Brunner, Verkehrsexpertin des Landkreises Bad Dürkheim und Regina Schmitt, die für den barrierefreien Tourismus im Landkreis zuständig ist. Der Landkreis Bad Dürkheim ist eine der zehn Modellregionen für barrierefreien Tourismus in Rheinland-Pfalz. Informationen zur Mobilität gehören dazu, ein gemeinsames Portal zu den touristischen Angeboten und Bahn und Bus ist Ziel.

Und in Grünstadt treffen wir auf eine böse Überraschung. Der Aufzug an unserem Bahnsteig ist defekt und wird gerade repariert. So kommen wir nicht auf den Bahnsteig, wo unsere Regionalbahn nach Freinsheim abfährt. Die Lösung ist, dass der Zug auf unser Gleis umgeleitet wird. Auch wenn es ein Zug später ist, eine halbe Stunde später kommen wir weiter. Hilfreich für solche Situation ist ein Anruf bei der 3S-Zentrale, sie kennt sich vor Ort aus, welche Verbindungen und Bahnstationen genutzt werden können.

Der Gleiswechsel wird nicht nur angesagt. Auch auf der Anzeige wird er angegeben. Damit ist die Information auch für hörbehinderte Menschen sicher gestellt – ganz nach dem „Zwei-Sinne-Prinzip“ der Barrierefreiheit. 

 

Mit rot-weißem Flatterband gesperrter Aufzug

Überraschung – defekter Aufzug in Grünstadt

 
  
Matthias Rösch ducht per Tablet nach neuer Zugverbindung

Umplanen – welche Verbindung ist möglich

 

 Laufschriftanzeige zum Gleiswechsel 

Laufschriftanzeige zum Gleiswechsel  

Laufschriftanzeige zum Gleiswechsel

Zwei-Sinne-Prinzip: Durchsagen werden auch angezeigt

 
Beim Umstieg in Freinsheim wartet schon Werner Schreiner auf uns.

Der ehemalige Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar und jetzige Landesbeauftragte für grenzüberschreitende Zusammenarbeit begleitet uns bis nach Neustadt. Als erfahrener Verkehrsexperte kennt Schreiner jede Schiene und jede Haltestelle in der Region. Er berichtet, wie von Anfang an im Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd auf den barrierefreien Ausbau der Bahnstationen geachtet werden. Mittlerweile sind schätzungsweise 85 Prozent der Bahnstationen im Süden von Rheinland-Pfalz barrierefrei ausgebaut und fast flächendeckend mit modernen barrierefreien Fahrzeugen ausgestattet.

Mittlerweile ist Gracia Schade auf der Rückfahrt nach Bingen in Monsheim hängen geblieben. Sie kommt nicht auf Gleis 1, um den Anschlusszug zu bekommen. Hier fehlen die Aufzüge am Bahnhof. Per Handy wird die Route über Worms und Mainz als Lösung ausgemacht. Eine kleine Rheinhessen-Odyssee, die aber schließlich ans Ziel führt..

 

Auf dem Bahnsteig Freinsheim mit Ute Brunner, Regins Schmitt, Werner Schreiner und Matthias Rösch

Am Bahnhof Freinsheim mit Werner Schreiner – Umstieg Nummer 4

  
Aufnahme im Zug

Im Zug mit Werner Schreiner und Ralf Schwambach von drr Deutschen Bahn, Berichte aus der Geschichte des SPNV

 

In Neustadt wartet Hans Manger vom Behindertenbeirat auf uns. Nach einem Kaffee und einem Gespräch über den barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen in der Region geht es weiter mit dem RegionalExpress über Ludwigshafen Mitte nach Worms. Dort werden wir vom neuen Behindertenbeauftragten der Stadt Wolfgang Schall und Heiner Bögler vom Sozialverband Deutschland auf dem Bahnhof begrüßt. 

Der Bahnhof wurde vor 5 Jahren mit Aufzügen ausgestattet. Der Seniorenbeirat und der SoVD haben sich für die Einrichtung einer Behindertentoilette stark gemacht. Was noch fehlt sind automatische Türen zur Bahnhofshalle. Auch hier gibt es Berichte von nicht funktionierenden Aufzügen.

 

mit Hans Manger am Bahnhof Neustadt

  

Einstieg in den Regionalexpress nach Ludwigshafen

  
auf dem Bahnsteig in Ludwigshafen Mitte

Umstieg in Ludwigshafen Mitte

  
Aufnahme im Regionalexpress

Im Regionalexpress ist mehr Platz

  
Bild mit Wolfgang Schall Heiner Böckler

Begrüßung in Worms am Hauptbahnhof

  

Es geht auch anders herum, die Rampe kann auch in den Zug hinein gelegt werden, um eine Stufe zu überwinden.

 

 

Ein Mann mit Gehhilfen berichtet über seine Erfahrungen mit defekten Aufzügen

Erfahrungsbericht über defekte Aufzüge

  
Heiner Bögner an der Zugangstür zur Bahnhofshalle in Worms

Hier fehlt ein automatischer Türöffner

 

Mein Fazit der Bahn Tour ist: mit dem Rheinland-Pfalz Takt 2015, den neuen Fahrzeugen und den barrierefrei ausgebauten Bahnstationen ist ein enormer Fortschritt für barrierefreie Mobilität gelungen. Ich habe wunderbare Landschaften von Rheinhessen und der Weinstraße vom Zug aus entdecken können, was vorher nicht möglich war. Aber es gibt noch Lücken, der Einbau von Aufzügen am Bahnhof Monsheim ist dringend erforderlich. Auch muss die Bahn mehr in Wartung und Service für Ihre Aufzüge investieren. Es nutzt nichts, mehr Aufzüge an den Bahnhöfen zu haben, wenn diese häufig und lange defekt sind. Die Informationen, wie barrierefreies Reisen im Nahverkehr mit der Bahn möglich ist, muss den Menschen mit Behinderungen noch besser angeboten werden. Zum Beispiel dass in jedem Fahrzeug eine Rampe vorhanden ist, die ohne Voranmeldung angelegt werden und welche Ansprechpartner in Notfällen und bei Umplanungen vorhanden sind, das ist häufig noch zu unbekannt. Es lohnt sich, die neuen Verbindungen auszuprobieren. Erst durch Praxis und Routine wird Barrierefreies Reisen möglich und ein Gewinn für Alle.

Mein besonderer Dank gilt Ralf Schwambach von der Deutschen Bahn, der uns während der Fahrt großartig unterstützt hatte zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen sowie Manfred Janß von der Allgemeinen Zeitung und dem SWR für die intensive Begleitung bei der Bahntour.

 Händedruck mit Service-Mitarbeiter der Bahn 

Barrierefrei  Arbeiten und Lernen

Gestern war die Abschlussveranstaltung des Projektes „Barrierefrei Arbeiten“ des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit. Im ZDF-Kongresszentrum in Mainz wurden gute Beispiele von Unternehmen vorgestellt, die Barrierefreiheit umgesetzt haben. 

Leider gibt es noch keine gesetzlichen Vorgaben, die grundsätzlich Barrierefreiheit für den Bereich der Arbeitsstätten vorschreibt. Sozialministerin Bätzing-Lichtenthäler betonte in ihren Beitrag, dass in der rheinland-pfälzischen Landesbauordnung der Bereich der Arbeitsplätze bereits mit einbezogen sind. Bei der Novellierung des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes soll auch der private Sektor für öffentliche nutzbare Angebote mit einer Änderung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes einbezogen werden. 

In anderen Ländern wie Frankreich und den USA wird seit Jahren dieser Bereich mit einbezogen. In Deutschland sind leider öffentlich zugängliche Angebote wie Gaststätten, Kinos und Einkaufsläden im Bestand leider noch von  angemessenen Regelungen zur Barrierefreiheit ausgenommen. Ich finde, hier besteht wirklich Handlungsbedarf. Gestern ist der Entwurf des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetzes verschickt worden, leider fehlt eine Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes.

Information und Sensibilisierung für die Unternehmen ist wichtig. Gestern wurden Filme des Projektes Barrierefreie Arbeiten vorgestellt. Damit können Barrieren in den Köpfen beseitigt werden. Selbstverständlich sind die Filme auch mit Gebärden Sprachbegleitung, Untertitelung und Audiodeskription selbst auch barrierefrei. Hier gibt es die Videos.:

  

Auch die Volkshochschule in Mainz widmet sich mit dem Projekt “ Inklusive Erwachsenenbildung“  der barrierefreien Gestaltung ihres Angebots. Auf der Webseite der Volkshochschule Mainz gibt es ein Video über Sensibilisierung Workshops für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Volkshochschule. Hier der Link dazu.

  

Hier noch ein paar Bilder von dem Kongress des Bundeskompetenzzentrums Barrierefreiheit:

 

Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler beim Vortrag mit Gebärdensprachdolmetscher Sigurd Hanig

  

Bild vom Publikum im ZDF Kongresszentrum

  

Workshop mit Erläuterung der Diversity Strategie von IBM

  

screenshot: Tappen Sie nicht länger im Dunkeln – Arbeiten Sie barrierefrei

 

Inklusionstour nach Berlin

50 engagierte Menschen mit Behinderungen aus der Interessenvertretung von kommunalen Behindertenbeiräten und kommunalen Behindertenbeauftragten, Werkstatträte und Bewohner_innen -Beiräte, zwei barrierefreie Reisebusse und ein intensives Programm in Berlin. Das waren die Zutaten für die Inklusionstour nach Berlin vergangene Woche. Dazu gehörten Besuche im Bundesrat und im Bundestag sowie eine Veranstaltung zu persönlichen Budgets mit der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele.

 

Vor der Abfahrt mit den barrierefreien Reisebussen in Berlin

  

Stadtrundfahrt mit Gebärdensprach-Übersetzung

 Bereits am Mittwoch am Anreisetag hatte die Hälfte der Besuchsgruppe einen Besichitigung des Bundestags auf dem Programm. Am nächsten Morgen starteten wir mit einer Stadtrundfahrt durch Berlin. Anschließend könnten wir mit meinem Kollegen, dem Berliner Landesbehindertenbeauftragten Dr. Jürgen Schneider die Strategien für barrierefreie Mobilität in Berlin kennen lernen. Die Berliner Verkehrsgesellschaft und die S-Bahn Berlin erleuchteten uns, wie Barrierefreiheit in der Hauptstadt umgesetzt werden. Bis 2020 sollen alle U-Bahn Station barrierefrei zugänglich und mit Leitsystem für blinde und sehbehinderte ausgestattet werden. Personal und Fahrgäste werden regelmäßig für die Belange behinderter Menschen geschult. Auch die Mitnahme von E-Scootern in Bus und Bahn ist in Berlin kein Problem. Hier zeigt sich die gute Zusammenarbeit zwischen den Verbänden behinderter Menschen und den Verkehrsgesellschaften in Berlin.

Mit Interesse könnten wir erfahren, dass mit den Taxigesellschaften über den Einsatz von rollstuhlgerechten Taxis verhandelt wird. Ziel ist, das  auch gesetzlich  zu regeln. Bei S und U-Bahn sind bereits jetzt viele Aufzüge im Einsatz. Leider sind  immer wieder einige von ihnen defekt. Darüber wird aktuell im Internet informiert. Entsprechenden Apps und Webseiten geben dann automatisch Auskunft über ü alternative Routen. Hier Bilder vom Treffen in der Senatsverwaltung:

 

Gesprächsrunde mit dem Landesbehindertenbeauftragten Dr. Jürgen Schneider

  

Präsentation der Berliner Verkehrsgesellschaft

  

„Selbst bestimmen mit persönlichen Budgets“ – mit dieser Veranstaltung im Jakob Kaiser Haus des Bundestages haben wir mit guten persönlichen Beispielen von Budgetnehmerinnrn und Budgetnehmern aus Rheinland-Pfalz  für de Stärkung der Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen beim vorgesehenen Bundesteilhabegesetz aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele und unserem Sozialstaatsekretär David Langner konnten wir die Vortrile des Budgets für Atbeit als Alternative zur Werkstatt für behinderte Menschen und des persönlichen Budgets für selbstbestimmte persönliche Assistenz vorstellen und direkt mit den behindertenpolitischen Sprecherinnen und Sprechern der Bundestagsfraktionen und der Staatssekretärin im Bundes-Sozialministerium Lösekrug- Möller diskutieren. 

Intensiv wurden die Erwartungen an das Bundedteilhabegesetz besprochen. Das Budget für Arbeit soll bundesweit geregelt werden. Die Eingliederungshilfe aus der Sozialhilfe in das Sozialgesetzbuch Neun einbezogen werden. Besonderes Anliegen in den Wortmeldungen war die Verbesserungen bzw. Freistellung bei  Anrechnung von Einkommen und Vermögen.  

Hier Bilder aus der vollbesetzten Veranstaltung im Bundestag:

 

Auf dem Weg zur Veranstaltung im Bundestag

  

Vollbesetzter Saal im Jakb Kaiser Haus des Bundestag

  

Staatssekretär David Langner beim Grußwort

  

Das Podium mit den behinderten politischen Sprecherinnen und Sprechern der Bundestagsfraktionen

  

Staatssekretärin Lösekrug-Möller im Gespräch mit dem Moderator Ottmar Miles -Paul

  

Bild vom Podium mit der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele

  

Interview mit Benedict Lohr-Speck, der Alternativ zur Werkstatt eine Qualifizierungen zum Schulhelfer macht

  

Gespräch mit Carsten Trimpop, der mit dem persönlichen Budget aus dem Wohnheim ausgezogen ist

  

Gespräch mit Melanie Hilpert, die mit dem Budget für Arbeit in einer Kita angestellt ist

   

Sascha Bell berichtet über seine Erfahrungen mit dem persönlichen Budget

 

Dr. Rolf Schmachtenberg vom Bundes-Sozialministerium

  

Bernd Giraud von der Bundesarbeitsgemeinschaft Rehabilitation

  

Dr. Irene Vorholz vom Landkreistag

  

Blick ins Publikum

  

übergabe des Aktionsplans der Empowerment-Schulung mit Frank Schäfer

 

Was wir am Vortag in der Theorie erfahren haben, könnten Hans Manger, Frank Schäfer und ich am nächsten morgen auf dem Weg zum Bundesrat testen. Mit Straßenbahn und U-Bahn durch Berlin. Hans Manger vom CBF Neustadt hat bleibenden Eindruck bei den Mitreisenden hinterlassen – Pfälzer in der U-Bahn sind ein besonderes Erlebnis 🙂. Hier Bilder von unserer Tour:

 

Die drei an der Straßenbahnhaltestelle

  

In der Straßenbahn


  

Die Stufe zum U-Bahn-Wagen wird mit einer Rampe überbrückt

  

Das passt, drei Rollis in der U-Bahn

 Der Besuch im Bundesrat war Highlight am Freitag. Vielen Dank an den Bundesrat, der unsere Inklusionstour möglich gemacht hat. Wir konnten live bei einer Plenarsitzung des Bundesrates dabei sein. Hier Fotos vom Besuch des Bundesrats:

 

Begrüßung im Bundesrat durch den Schwerbehindertenvertreter Helfen

  

Blick in den Bundesrat

  

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Wirtschaftsministerin Evelin Lemke und die Chefin der Landesvertretung Heike Raab begrüßen Nancy Poser und Sascha Bell

  

Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei ihrer Rede zu öffentlichem WLAN

 Anschließend ging es in die Landesvertretung von Rheinland-Pfalz, wo wir von Michaela Veith (ihr verdanken wir die Einladung nach Berlin 😊) und Heike Raab empfangen wurden. Hier Bilder von unserem Treffen im Weinkeller mit anschließendem Gruppenfoto:

 

Heike Raab in der Landesvertretung

  

Michaela Veith beeindruckt mit ihrem Engagement für Barrierefreiheit in der Landesvertretung

  

Gruppenfoto von der Inklusionstor

  

Gruppenfoto mit unseren Inklusion Fan Schals in Aktion

 Den Abschluss des Freitags und der Inklusionstour war dann für die zweite Hälfte der Gruppe ein Besuch des Bundestages. Hier Eindrücke von dem abendlichen Rundgang:

 

Die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner begrüßt uns am Eingang zum Bundestag

  

Beim Tast-Modell des Bundestages und Umgebung

  

Im Plenarsaal

  

Besichtigung des Fraktionssaals von Bündnis 90/Die Grünen

  

Erläuterungen zur Geschichte des Gebäudes

  

  

Bürgerschaftliches Engagement und Inklusion in der Bildung

Wie kann bürgerschaftliches Engagement den gemeinsamen Unterricht und das lebenslange gemeinsame lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen unterstützen. Das war Thema des Dialogs Forums Inklusion des Bundesnetzwerks bürgerschaftliches Engagement in Berlin.

Hier konnte ich die rheinland-pfälzischen Erfahrungen mit dem weiteren Ausbau von gemeinsam Unterricht in Rheinland-Pfalz vorstellen. Auch unsere Rahmenbedingungen, wie wir mit Aktionsplan und einem breiten zivilgesellschaftlichen Engagements die UN Behinderten Rechts Konvention  in Rheinland-Pfalz  umsetzen war Thema meines Beitrages.

Die Veranstaltung fand in den Räumen des Generalsekretariats des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin statt. Die Vizepräsidentin des DRK Donata Schenck zu Schweinsberg schilderte die Aktivitäten ihrer Organisation zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention. Das war ein guter Anlass, ihr unseren rheinland-pfälzischen Staffelstab zu übergeben. Hier Bilder von der Übergabe und der Veranstaltung:

 

Staffelstab-Übergabe an die Vizepräsidentin des DRK

  

Podiumsrunde im Dialog Forum

  

Bericht aus Rheinland-Pfalz

 
Hier mein Artikel, den ich für den Newsletter des Bundesnetzwerks geschrieben habe:

Inklusive Bildung und bürgerschaftliches Engagement

Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen Rheinland-Pfalz

„Mehr als 80 Prozent aller behinderten Kinder gehen in Regelschulen. Das hat zu einer Normalisierung des ganzen Themas beigetragen. Briten meines Alters sind es gewohnt, mit behinderten Menschen umzugehen, weil sie fast alle behinderte Mitschüler hatten. Umgekehrt sind behinderte Menschen in meinem Alter in Regelschulen gegangen und waren von Anfang an Teil der Gesellschaft und nicht in Sondereinrichtungen. Das verändert die Gesellschaft enorm.“ So schildert die aus Mainz stammende und in London lebende behinderte Journalistin Carlotte Link die Wirkung schulischer Inklusion in England.

Im Vergleich dazu besuchen in Deutschland derzeit etwa 30 Prozent den gemeinsamen Unterricht mit nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen. Vor fünf Jahren ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft getreten. Immer noch ist eher der gemeinsame Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen die Ausnahme und nicht die Regel. Dennoch hat die UN-Behindertenrechtskonvention eine breite und kontroverse öffentliche Debatte über den Aufbau eines inklusiven Schulsystems ausgelöst. In den Bundesländern wurden und werden Schulgesetze angepasst, um den menschenrechtlichen Ansatz der UN-Behindertenrechtskonvention entgegen zu kommen.

Situation in Rheinland-Pfalz

Bereits im März 2010 hat die Landesregierung als erstes Bundesland einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention beschlossen. In zehn Handlungsfedern sind mit knapp 200 Maßnahmen die Aktivitäten ressortübergreifend aufgeführt. Jedes Ministerium hat für seinen Aufgabenbereich Maßnahmen und Ziele genannt, vom Umwelt- über das Sozialministerium bis zum Innenressort. Inklusion ist Querschnittaufgabe. 

Für jedes der Handlungsfelder wurde zusammen mit dem Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen Visionen entwickelt. Welches Bild haben wir von Rheinland-Pfalz haben, wenn in 20 bis 30 Jahren die UN-Konvention umgesetzt ist. Danach sind die Ziele und Maßnahmen des Aktionsplans ausgerichtet. Für das Handlungsfeld „Erziehung und Bildung“ lautet die Vision: 

„In Rheinland-Pfalz findet Lernen lebenslang gemeinsam statt. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen besuchen die gleichen Schulen wie nicht beeinträchtigte Kinder in der Gemeinde, nachdem sie zuvor gemeinsam in denselben Kindertagesstätten waren. Sie werden in ihren individuellen Stärken und Besonderheiten unterstützt und respektiert sowie durch ihr Umfeld und durch pädagogische, medizinische und therapeutische Begleitung gefördert.“

Auf dem Weg dorthin sind in Rheinland-Pfalz bereits in der Vergangenheit wichtige Schritte unternommen worden. In den 1980er Jahren wurden die ersten Schulversuche für gemeinsamen und zieldifferenten Unterricht in Mainz und Trier in den Grundschulen unternommen. 1990 wurden an 18 Schulstandorten Integrationsklassen eingerichtet. 1995 wurden dann die Erfahrungen des gemeinsamen Unterrichts in der Sekundarstufe I weiter geführt. Mit der Einführung der Schwerpunktschulen in 2001 kam man von einzelnen Schulversuchen zu einem flächendeckenden Angebot von gemeinsamem Unterricht. Mittlerweile gibt es 277 Schwerpunktschulen in ganz Rheinland-Pfalz davon 160 Grundschulen und 117 Schulen im Bereich der Sekundarstufe I. Gymnasien fehlen leider noch als Schwerpunktschulen, obwohl bereits seit 2004 im Schulgesetz geregelt ist, dass es Aufgabe aller Schulen ist, bei der Integration von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf mitzuwirken.

Die rot-grüne Landesregierung hat im Koalitionsvertrag aus dem Jahr 2011 die Novellierung des Schulgesetzes vereinbart. Zentrale Elemente der Schulgesetz-Novellierung sind:

• Die Einführung des vorbehaltlosen Wahlrechts für Eltern von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen auf gemeinsamen Unterricht

• Die Weiterentwicklung von Förderschulen zu Förder- und Beratungszentren, welche die allgemeinen Schulen für die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen beraten und unterstützen

• Die rechtliche Absicherung der Schwerpunktschulen

• Einen Unterstützungsfonds für die Kommunen

 Wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Umsetzung von Inklusion an den Schulen ist, dass Inklusion als gemeinschaftliche Aufgabe des gesamten Kollegiums und des gesamten Teams (einschließlich der Integrationshelferinnen und –helfer) umgesetzt wird – und nicht die Förderlehrkraft allein für die Inklusion zuständig ist. Weitere Voraussetzung ist der Einsatz von offenen Unterrichtsformen und differenzierten Unterrichtsmethoden.

In Rheinland-Pfalz gibt es bereits beispielhaft inklusiv arbeitende Schulen, wie die Verleihung des Jakob- Muth-Preises an die Brüder-Grimm-Schule in Ingelheim im Jahr 2014 zeigt. In diesem Jahr haben wir einen eigenen Landespreis für inklusive Schulen in Rheinland-Pfalz ausgeschrieben.

Bei dem Gipfel „Inklusion – die Zukunft der Bildung“ der UNESCO, der im März 2014 in Bonn stattfand, wurde im Beitrag aus Kanada deutlich, wie wichtig die Arbeit mit den vorhandenen Teams an den Schulen ist. Ein inklusives Schulsystem kann nicht erst beginnen, wenn Lehrerinnen und Lehrer im Studium darauf vorbereitet sind. Mit den vorhandenen Kollegien vor Ort in den Schulen zu arbeiten, eine inklusive Schule zu gestalten, ist der Schlüssel zum Erfolg.

Die Ausbildung und die Fort- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer für inklusiven Unterricht ist eine wichtige Voraussetzung. Aktuell wird im Parlament das Landesgesetz zur Stärkung der inklusiven Kompetenz und der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften behandelt. Damit werden in allen drei Phasen der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften Inklusion verpflichtender Bestandteil.

Die sonderpädagogische Kompetenz zu erhalten und in das allgemeine Schulsystem einzubringen, ist Aufgabe der neuen Förder- und Beratungszentren sein. Zum Beispiel unterstützen die Landesschulen für hörbehinderte und gehörlose Schülerinnen und Schüler sowie die Landesschule für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler bereits seit Jahren die allgemeinen Schulen dezentral mit sonderpädagogischen Fachkräften in allen Regionen des Landes. Um familienferne Internatsunterbringung der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen zu vermeiden, sind die Förder- und Beratungszentren zur Unterstützung der Schulen vor Ort der richtige Weg. Deshalb ist nur Folgerichtig, dass die drei Landesschulen zu den ersten zwölf Förder- und Beratungszentren gehören.

Die Novellierung des Schulgesetzes ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einem inklusiven Schulsystem als Auftrag aus der UN-Behindertenrechtskonvention. Die Schwerpunktschulen sind für mich allerdings nur ein Zwischenschritt. Als mittel- bis langfristiges Ziel eines inklusiven Schulsystems wird jede Schule an jedem Ort behinderte und nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler aufnehmen können.

Die Umsetzung dieses Ziels konnte eine Delegation aus Rheinland-Pfalz im April 2014 bei der Inklusionstour nach Südtirol erleben. Dort sind seit 35 Jahren die Sonderschulen abgeschafft. Gemeinsamer Unterricht ist dort überall Realität. Mich hat besonders die Haltung der Schulleitungen beeindruckt, dass die Schule Verantwortung für ihre Gemeinde und für alle Schülerinnen und Schüler des Ortes hat – und diese Verantwortung als Aufgabe selbstverständlich wahrnimmt. Alle gehören dazu, niemand wird ausgeschlossen und auf Sondereinrichtungen nur für Menschen mit Behinderungen verwiesen. 

Thesen zu bürgerschaftlichem Engagement und inklusiver Bildung

Meine Erfahrungen mit der Weiterentwicklung eines inklusiven Bildungssystems, den Besuchen in inklusiv arbeitenden Schulen, den Diskussionen im Rahmen der Novellierung des Schulgesetzes und im Landesbeirat zur Teilhabe behinderter Menschen und auch aus meiner persönlichen Erfahrung als Behinderter möchte ich in den folgenden Thesen zusammen fassen:

1. Inklusiv arbeitende Schulen sind am Sozialraum orientiert und für Unterstützung offen. Inklusion lebt mit und ist auf bürgerschaftliches Engagement angewiesen. Das gilt auch für weitere Bildungseinrichtungen wie Hochschulen, Volkshochschulen und Kitas. 

2. Bewusstseinsbildung, Information und Aufklärung über Inklusion als Menschenrecht sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Schule ist Ort für alle Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde – und alle Bürgerinnen und Bürger können mit positiven Beispielen, mit ihrer Kreativität und offenen Haltung für ein Gelingen von Inklusion an den Schulen beitragen.

3. Die Umsetzung von angemessenen Vorkehrungen, zum Beispiel Maßnahmen zur Barrierefreiheit, Akustikdecken oder die Anschaffung angepasster Lehrmaterialien können mit dem Einsatz bürgerschaftlichen Engagements erleichtert werden, auch wenn das grundsätzlich Aufgabe des Schulträgers ist.

4. Gegenseitige Stärkung und Selbsthilfe sind prägend für den Aufbau inklusiver Schulen. Ohne das bürgerschaftliche Engagement der Eltern von Kindern mit Behinderungen für inklusive Schulen und den Einsatz der Selbstvertretung der Menschen mit Behinderungen wären wir heute nicht so weit. Dieser Einsatz bleibt nach wie vor notwendig.

Inklusion in der Bildung ist der Schlüssel für die Gestaltung einer inklusiven Gesellschaft. Bürgerschaftliches Engagement ist untrennbar damit verbunden. Wir alle können dazu beitragen, den Leitsatz „Leben wie alle – mitten drin von Anfang an“ mit Leben zu füllen.

50. Treffen der Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern

Seit 25 Jahren treffen sich die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern. Das Jubiläumstreffen fand diese Woche in Berlin auf Einladung der Bundesbeauftragten Verena Bentele statt. 

Wie immer wurden die aktuellen behindertenpolitischen Themen besprochen. Dazu gehören das Bundesteilhabegesetz, die Umsetzung von Barrierefreiheit durch die Novellierung des Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz es und die Entschädigung von Menschen mit Behinderung im Haus Einrichtungen (Heimkinderfonds). Zum Tema Flüchtlinge mit Behinderungen gab es einen intensiven Erfahrungsaustausch, wir haben besprochen, den Punkt regelmäßig bei unseren Treffen zu behandeln.

Die gemeinsamen Erklärungen zu unseren Treffen haben sich in den vergangenen Jahren als beachtete Stellungnahmen zu behindertenpolitischen Themen entwickelt. Hier der Link zur Berliner Erklärung „Teilhabe ermöglichen, Barrieren abbauen, Gerechtigkeit schaffen“.

Zum Jubiläumstreffen steuerte Phil Hubbe einen Cartoon über unsere Treffen bei. Bis zum nächsten Treffen im Juni in Saarbrücken werden wir den Knäuel der Beauftragten hoffentlich wieder entwirrt haben.

   
Die Behindertenbauftragten ordentlich – Gruppenfoto vom Berliner Treffen

  
 Die Beauftragten in Aktion – Cartoon von Phil Hubbe

Großeinsatz für Inklusion

Menschen mit Behinderungen sind aktiv in der Feuerwehr. Das war Thema bei der  Landes-Jugend-Feuerwehr-Versammlung gestern in Waldböckelheim an der Nahe. Jugendfeuerwehr auf Inklusionskurs ist das von  der Aktion Mensch geförderte Projekt des Landesverbnds. In drei Modellregionen werden inklusion-Patinnen und -paten ausgebildet, um jungen Menschen mit Behinderungen den Einstieg in die Feuerwehr zu erleichtern. Zum Projekt gehört auch, dass die Mitglieder der Feuerwehren für Menschen mit Behinderungen sensibilisiert und informiert werden. 

Auf der Versammlung des Jugend-Feuerwehrverbandes kam gestern ein Alterssimulationsanzug, Kommunikationsübungen mit Ohrstöpseln und Simulationsbrillen für Sehbeeinträchtigungen zum Einsatz. Die Materialien für diese Übungen können einfach ausgeliehen und vor Ort eingesetzt werden.

Eine Premiere für den TV Laubenheim war der Rolliparcours, der zum ersten Mal in einem Feuerwehrhaus aufgebaut wurde. Hier konnte Rollstuhlfahren über Rampen und über Hindernisse praktisch ausprobiert werden.

Auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen mit Behinderung beim Einsatz der Feuerwehr zu achten. Das ist Ziel des Priojektes. Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen sind willkommen in den über 1100 Gruppen der Jugendfeuerwehr in Rheinland-Pfalz. Das ist ein starkes Signal für Inklusion.

   
Projektleiterin Meike Kurtz mit Nora Sties vom TV Laubenheim beim Rolli-Parcours

 

Erfahrungsaustausch mit Landesjugendfeuerwehrwart Matthias Görgen

   

Schlauch einrollen mit Armschienen

Zeichenübung über Spiegelsicht
   

Simulationsanzug

  
Banner Jugendfeuerwehr auf Inklusionskurs

  
Versammlung im Bürgerhaus von Waldböckelheim

Protesttag für Gleichstellung

Heute am 5. Mai gab es wieder zahlreiche Aktionen zum Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen im Land. Auf der großen Hauptbühne der Landesgartenschau in Landau startete der Aktionstag der Aktionstag der Diakonie Rheinland-Pfalz. Menschen mit Behinderungen aus dem ganzen Land gestalteten den ganzen Tag Programm und waren mitten im Geschehen der Gartenschau. Beim Start konnte ich dabei sein. Hier Fotos aus Landau:

   
Start des Aktionstages in Landau bei der Landesgartenschau

 

Fragerunde mit Pfarrer Bähr auf der Hauptbühne

In Mainz ging es dann weiter unter dem Motto „Begegnung“. Am Neubrunnplatz hatte ich einen Stand mit Hans-Peter Terno, dem blinden Redakteur der Landeszeitung und langjährigen Aktivisten in der Politik von Menschen mit Behinderungen. Im Angebot waren Kaffee, inklusive Muffins und Gespräche. An fünf verschiedenen Orten in Mainz wurden Begegnungen und Gespräche angeboten. Danach ging’s zum „Dinner in Bunt“ auf den Theaterplatz. Menschen mit Behinderung haben heute wieder ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt: wir sind mittendrin und gehören dazu. Hier Eindrücke aus Mainz:

   

Unser Tisch am Neubrunnenplatz in Mainz

 

Hans-Peter Terno in Kaffee-Bereitschaft

  
So süß kann Inklusion sein – selbst gebackene 5. Mai-Muffins

   
Begegnung eins: Ethnologie-Studentin mit Hund und Fragen zur Inklusion in der Schule

  

Begegnung zwei: Mitarbeiter des Naturkostladen natürlich in Ingelheim

   

GEW-Vorsitzenden Klaus-Peter Hammer schmecken die Inklusions-Muffins

  

Besuch von der Schwerbehinderten-Vertretung des Landesamtes für Geologie  

  
Mit Marita Boos-Waidosch, Behindertenbeauftragter der Stadt Mainz

 

Eine lange Tafel – Dinner in Bunt vor dem Theater in Mainz

Filmpremiere in Gebärdensprache

Der große Saal des Cinestar in Mainz war  voll besetzt. Grund war die Premiere des Spielfilms „Stille Angst“. Es ist der zweite Film von einem gehörlosen Regisseur mit gehörlosen Schauspielerinnen und Schauspielern in Deutschland. Fünf Jahre haben der in Koblenz lebende Regisseur Manfred März und sein Team an dem Projekt gearbeitet. 

Gestern war es dann soweit. Vor zahlreichem Publikum aus der Gehörlosen-Gemeinschaft wurde der 190 Minuten dauernde Film zum ersten Mal aufgeführt. Bei dem Film geht es um Lena, eine junge gehörlose Frau, die ihre Traumhochzeit platzen lässt um mit einem anderen Mann zusammen zu sein. Die Beziehung entwickelt sich zu Abhängigkeit und Gewalt. Wie sich Lena aus dieser Beziehung lösen kann, zeigt der Film, der auf wahren Begebenheiten beruht.

Auch die Koblenzer Polizei war bei dem Projekt beteiligt. Was nutzt ein Warnschuss, wenn ich einen gehörlosen Täter verfolge? Wie nehme ich die Anzeige einer gehörlosen Frau auf, die  von ihrem Freund misshandelt wurde? Durch den Film wird deutlich, mit welchen Situationen die Polizei konfrontiert sein kann und ist. Auch die Schwierigkeiten, gebärdensprachkompetente psychotherapeutische Beratung zu finden kommt zum Ausdruck. Hier konnte ich einiges für meine Arbeit an Anregungen mitnehmen. Einen Gebärdensprache-Grundkurs für Polizistinnen und Polizisten wäre sicherlich hilfreich. Das will ich für unsere Zielvereinbarung „Menschen mit Behinderungen und Polizei“ aufnehmen.

„Stille Angst“ gibt einen Einblick in die Lebenswelt gehörloser Menschen. Der Film eines gehörlosen Regisseurs  mit gehörlosen Schauspielerinnen und Schauspieler ist ein wichtiges Signal für die Gebärdensprach-Kultur. Für Hörende ist der Film untertitelt. Ich freue mich, dass wir mit dem Förderprogramm „barrierefrei, Inklusiv und fair“ der Stiftung der Sparda Bank Südwest das Projekt unterstützen konnten. Hier Bilder von der Premiere:

  
Voll besetzter Kinosaal im Cinestar Mainz

  
Gebärdenapplaus im Kino

  
Autogrammstunde nach der Premiere

Sieben auf einen Streich

Als erste Einrichtung bundesweit hat das Landesmuseum Mainz in sieben Kategorien das Label „Reisen für alle – Barrierefreiheit geprüft“ erreicht. Zertifiziert sind die vielfältigen barrierefreien Angebote des Museums. Dabei geht es nicht nur um gehbehinderte Menschen, hier gibt es auch Angebote für Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Sehbeeinträchtigeren und gehörlose Menschen.  Dazu gehören Hands-On-Objekte zum anfassen, Führungen in leichter Sprache, Folien-Tast-Bücher zur Ertasten von Gemälden und Video-Guides mit Gebärdensprach-Erläuterungen. Ursula Wallbrecher vom Landesmuseum, die sich engagiert für die Barrierefreiheit ihres Hauses einsetzt, hat heute in Neuwied die Auszeichnung von Wirtschaftsministerin Eveline Lemke erhalten.

Ebenfalls eine Neuigkeit, als erste Gartenschau hat die Landesgartenschau Landau die Auszeichnung „Reisen für alle“ erhalten. Die Zertifizierungsstelle in Berlin hat deswegen eigens ein neues Label für Gartenschauen eingeführt.

Über 80 Betriebe haben heute in Neuwied das im letzten Jahr neu eingeführte bundesweite Label erhalten. Mit über 320 zertifizierten Einrichtungen sind wir in Rheinland- Pfalz gut dabei. Auch viele Betriebe aus der künftigen Nationalparkregion im Hunsrück waren heute dabei. Das sind gute Zeichen, den neuen Nationalpark inklusiv und barrierefrei aufzubauen. Hier noch Fotos von der Zertifizierungsfeier in Neuwied.

  
Ursula Wallbrecher erhält das Zertifikat für das Landesmuseum Mainz von Wirtschaftsministerin Eveline Lemke und dem neuen Chef der Rheinland-Pfalz-Tourismus GmbH Stefan Zindler

  
Abschluss-Bild mit allen zertifizierten Betrieben