Pflege und Teilhabe zusammen reformieren

Die Umsetzung der Teilhabe und Pflegereform muss noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Diese Forderung haben wir bei unserem Treffen der Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder in Rostock aufgestellt. Menschen mit Behinderungen haben oft auch Pflegebedarf. Die UN-Behindertenrechtskonvention hat von daher unmittelbare Auswirkung auf die Pflegerechtsreform. Diese Perspektive wurde durch einen Gastbeitrag von Dr. h.c. Jürgen Gohde Kuratorium Deutsche Altenhilfe untermauert.

In der Rostocker Erklärung sprechen wir uns als Beauftragte außerdem für die einkommens- und vermögensunabhängige Leistung der Hilfe zur Pflege für Menschen mit Behinderungen mit Teilhabebedarf aus. Die Leistungen der Pflegeversicherungen sollen uneingeschränkt Teil des persönlichen Budgets werden. Mit Sorge stellen wir fest, dass 10-15 % Überkapazität an stationären Pflegeplätze geschaffen sind. Hier besteht die Gefahr, dass Menschen mit Behinderungen aus ihren gewohnten Lebens Umfeld gerissen werden und in Pflegeeinrichtungen gedrängt werden. Den gesamten Text der Rostocker Erklärung gibt es hier.

Weitere Themen in Rostock waren Normprüfung das Landesrecht zur UN Behindertenrechts-Konvention. Berlin hat zusammen mit den Deutschen Institut für Menschenrechte ein nachahmenswertes Modell entwickelt. Infos gibt es hier.

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Foto der Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder vor dem Rostocker Rathaus

Rostock Barrierefrei

Den Aufenthalt in Rostock habe ich privat genutzt und um das Wochenende verlängert. Dabei konnte ich mich überzeugen, wie gut barrierefrei die Infrastruktur in Rostock ausgebaut ist. In der Stadt gibt es eine engagierte Behindertenbeauftragte und einen aktiven Behindertenbeirat. Die Interessenvertretung hat Spuren hinterlassen. Dazu gehören der hervorragend ausgebaute barrierefreie ÖPNV und S-Bahnen, ein ertastbarer Stadtplan und barrierefreier Tourismusangebote an der Ostsee. Das neu eröffnete Hotel Sportforum, in dem ich wohnte, wird als Integrationsbetrieb zusammen mit behinderten und nicht behinderten Beschäftigten geführt.

Hier Eindrücke von meinem Aufenthalt in Rostock und Warnemünde

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Ertastbarer Stadtplan von Rostock

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Blick vom Hotel Sportforum

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Barrierefreier Strandkorb in Warnemünde

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Hafen und Strand von Warnemünde

Einen Aufzug im Wald

Ein besonderes Erlebnis konnte ich am Sonntag im Nationalpark Hainich in Thüringen machen. Mitten im Wald steht ein Aufzug. Der Aufzug führt zum Baumkronenpfad. Damit wird barrierefreies Naturerleben auf Baumwipfelhöhe für alle möglich.

Auch in Fischbach in der Pfalz gibt es einen Baumwipfelpfad, der stufenlos nutzbar ist. Hier wird mit Rampen gearbeitet, die Fahrt ist nicht ganz so lange. Einen Ausflug in die Pfalz lohnt sich aber auf jeden Fall, gerade auch weil die Südwestpfalz sehr engagiert im barrierefreien Tourismus ist. Infos gibt es hier.

Hier einige Bilder vom Aufzug und Eindrücke vom Baumkronenpfad in Thüringen.

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Fotos vom Aufzug zum Baumkronenpfad

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Bilder vom Baumkronenpfad zwischen den Baumwipfeln

Billard für Blinde

Inklusion ist, wenn Jugendliche aus dem Jugendtreff einem blinden Sozialarbeiter das Billard spielen beibringen. Das war eine der Erkenntnisse aus dem Besuch des Inklusionsprojektes in Mainz-Marienborn heute Abend.

Ismail Sackan ist blinder, türkischstämmiger Sozialarbeiter. Seit Oktober 2013 arbeitet er im Inklusionsprojekt des COMMIT-CLUB und der Kirchengemeinden im Mainzer Stadtteil Marienborn. Ziel des Projektes ist, in drei Jahren den Stadtteil inklusive und barrierefrei zu gestalten. Ein ehrgeiziges Ziel, dass durch Bewusstseinsbildung, Identifizierung von Barrieren vor Ort und gemeinsamen Aktivitäten und Feiern erreicht werden soll. Deshalb gehört dazu, dass Ismael Sackan neben seinen Sprechstunden beim interkulturellen Fest ein Riechcafe mit verbundenen Augen für alle anbietet und im Jugendkeller und beim Konfirmandenunterricht dabei ist. Neue Erfahrungen werden für die Kinder und Jugendlichen dadurch möglich und Barrieren in den Köpfen abgebaut.

Indem durch die Aktion Mensch geförderten Projekt wird Inklusion umfassend verstanden. Los geht’s die Vorstellungsrunde mit 10 Minuten Diskussion einer Frage aus dem Index für Inklusion der Montag Stiftung. „Gehören Wohnungslose selbstverständlich zu unserem Angebot?“ lautet die Frage für den Einstieg. Die Diskussion ist vielfältig, auch weil sowohl Vertreterinnen und Vertrter aus der Kirchengemeinde zusammen mit Kommunalpolitikerinnen- und Politikern und den Trägern aus der Behindertenarbeit zusammenkommen. Das ist der Charme der Inklusios-Projekte der Aktion Mensch, das über den Tellerrand der klassischen Behindertenhilfe hinausgegangen wird.

Und in Mainz Marienborn gibt es viel zu tun. Die Ortsverwaltung ist nicht barrierefrei. Im Ort gibt es zu enge Bürgersteige. Und die Kluft zwischen dem alten Ortsteil und den Neubaugebieten muss überbrückt werden. Zusätzlich ist der Lärm der nahen Autobahn ein weiterer Stressfaktor. Guter Ansatz in der gemeinsamen Arbeit für Kinder und Jugendliche, bei offenen Treffs und Veranstaltungen helfen das zu überwinden. Auch die kommenden Kommunalwahlen werden dafür genutzt, das Thema Inklusion vor Ort zu verankern.

Das Projekt ist dein Mutmacher für andere Orte. Nachahmer werden gesucht, auch weil das Förderprogramm der Aktion Mensch für die Inklusionsprojekte nicht ausgeschöpft ist.

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Beim Team des Inklusionsprojektes in Mainz-Marienborn

Den Informationsflyer des Projektes gibt es hier
Informationen zum Förderprogramm der Aktion Mensch sind hier zu finden.
Auf der Webseite der Montag Stiftung gibt es Infos zum Index für Inklusion.

Ostertour in den Odenwald

Ohne Voranmeldung eine Bahntour mit Rollstuhl in den Odenwald unternehmen. Wird das funktionieren? Der Ausflug in den frühlingshaften Odenwald und ins historische Städtchen Michelstadt lohnt sich auf jeden Fall.

Los geht es mit der S-Bahn vom Mainzer Hauptbahnhof nach Frankfurt. Der Einstiegsservice in die S-Bahn funktioniert reibungslos. Zum Glück kommen bald die neuen S-Bahn-Züge mit Rampe im Zug, dann werden auch an weiteren Stationen ein barrierefreier Einstieg möglich sein.

Beim Einstieg in die Odenwaldbahn am Frankfurter Hauptbahnhof wird es eng. Viele Reisende, Studierende zur Uni Darmstadt und eine ganze Vorschulklasse mit Gepäck sowie einige Fahrräder wollen mit. Trotzdem schaffen es die freundliche Zugbegleiterin und der Fahrzeugführer die Rampe auszulegen und Platz für mich mit dem Rollstuhl zu schaffen. Hier Bilder von der Odenwaldbahn und der mitgeführten Rampe.

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Odenwaldbahn mit Rampe zum Einstieg

Michelstadt ist eine historische Stadt im Herzen des Odenwalds, der Ausflug lohnt sich. Hier einige Bilder vom historischen Rathaus (bekannt von Briefmarken) und dem Elefantenhaus.

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Rathaus mit Hochzeitspaar

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Osterhasen in Michelstadt

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Elefantenhaus mit Elefanten

Weiter geht es mit der Odenwaldbahn nach Eberbach. Der Umstieg in die Rhein Neckar S-Bahn ist stufenlos. Es geht durch das malerische Neckartal Richtung Heidelberg. Die S-Bahn ist ein echter Gewinn für die Region, sie geht über Kaiserslautern bis nach Homburg im Saarland.

Nach einer ausgedehnten Kaffeepause in der Altstadt von Heidelberg (hier gibt es traditionell ein hohes Aufkommen an Touristinnen und Touristen sowie Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern) geht es dann mit der S-Bahn weiter zum Bahnhof Ludwigshafen. Dieser Hauptbahnhof wurde in Zeiten geplant, als viel Platz vorhanden war und Bahnhöfe ähnlich zu Autobahnkreuzen angelegt wurden. Lange Bahnsteige und unzählige Rampen, dafür keine Aufzüge, führen zu den Zügen. Die Atmosphäre ist etwas trostlos, aber der Weg ist das Ziel und das ist der Zug. Mit der Regionalbahn geht es dann zurück nach Mainz. In den Fahrzeugen ist ein Lift eingebaut, der vom Fahrzeugführer auch als Spaltüberbrückung eingesetzt wird. Anbei Fotos vom Ausstieg in Mainz.

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Fotos vom Ausklappen des Lifts zur Spaltüberbrückung bei der Regionalbahn RB 44

Selbstvertretung in Südtirol

Der letzte Tag unserer Südtirol Inklusions-Tour war geprägt von der Begegnung mit der Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen und beeindruckendem Naturerleben in den malerischen Bergen.

Auf dem Weg zum Karersee begleiten uns Karin Pfeifer, Robert Murmelter und ihr Unterstützer Johannes Knapp von People First, der Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten in Südtirol. Sie berichteten von ihren Seminaren zur letzten Landeswahl, um Menschen mit Lernschwierigkeiten das Wahlsystem näher zu bringen. Das ist eine wichtige Ergänzung zur ihrer Broschüre in leichter Sprache zu den Wahlen. Für die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist das ein guter Ansatz, den wir übernehmen sollten.

Am Karersee mit barrierefreien Zugang zur Aussichtsplattform genoss die ganze Gruppe den Ausblick auf den Bergsee und die schneebedeckten Berge.

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People First Südtirol am Karersee

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Panoramabild vom See und Bergen

Von Bozen aus ging es dann mit der Seilbahn auf den Rittner. Begleitet wurden wir von Vertretern des Blindenverbands in Südtirol und von der Sozialgenossenschaft Independent. Beim gemeinsam Mittagessen gab es einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen der Selbstvertretung von Rheinland-Pfalz und Südtirol.

Mein persönliches Highlight war dann die Fahrt mit der Rittner-Bahn. Der kürzlich angeschaffte Hublift ermöglicht es auch für mich als Rollstuhlnutzer die wunderschöne Bahnstrecke zu nutzen. Hier ein paar Eindrücke von der Bahnfahrt.

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Die Seilbahn von Bozen war auch eines der Projekte, bei denen der Blindenverband beraten hat. Hier ein Bild vom Eingangsbereich mit Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen.

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Abschied von Südtirol

Südtirol ist eine Inklusionsreise wert. Wir haben mit ganzen Gruppe hervorragende Eindrücke bekommen, wie ein Inklusives Schulsystem gelingen kann. Auch wie barrierefreier Tourismus umgesetzt und eine gute Selbstvertretung organisiert, werden sind bleibende Eindrücke.

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Abschiedsbild von der Inklusionstour

Südtirol auf dem Weg zu Inklusion und Barrierefreiheit

Bozen war die erste Station heute auf unserer Inklusionstour. Dort wurden wir von Landesrätin Dr. Martha Stocker herzlich empfangen. Sie berichtete uns über die beeindruckende Beteiligung der betroffenen Menschen bei der Weiterentwicklung ihres Landesgesetzes für Menschen mit Behinderungen.

Fünf Jahre Zeit haben die Gemeinden in Südtirol, um Barrieren an ihren Gebäuden zu beseitigen. Dazu wurde vom Amt für Menschen mit Behinderungen eine Checkliste entwickelt, mit denen die Techniker und Planer die Barrierefreiheit ihrer Gebäude einschätzen können. Alle 116 Gemeinden müssen einen Anpassungsplan an die Landesbehörde geben, so der Berichts des Teams das Amtes für Menschen mit Behinderungen von Dr. Ute Gebert und Dr. Loris de Benedetti.

Bei den Schulen ist Barrierefreiheit übrigens kein Thema mehr, sie ist bereits umgesetzt. 30 Jahre Inklusion haben hier schon gewirkt. Jedes Kind geht in seiner Gemeinde zur Schule. Das ist der Grundsatz, wie Kinder mit und ohne Behinderungen in Südtirol gemeinsam die Schule besuchen.

Auch in Südtirol gibt es ähnliche Instrumente, Menschen mit Behinderungen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen. In den letzten Jahren wurden vermehrt Sozialgenossenschaften mit 30 % behinderten Beschäftigten gegründet, die vergleichbar mit unseren Integrationsfirmen sind. Mit ausgelagerten Werkstattplätzen und langfristigen Praktika in regulären Betrieben soll der Übergang von der Werkstatt in den allgemeinen Arbeitsmarkt gestärkt werden, so der Bericht von Dr. de Benedetti.

Landesrätin Dr. Stocker ist uns als Fan vom FC Kaiserslautern bekannt. Sie freute sich riesig über den FCK-Schal als Mitbringsel. Ben Steinfurth vom Team Barrierefrei des FSV Mainz 05 ließ es sich nicht nehmen, einen Schal vom Rheinland-pfälzischen Erstligisten zu ergänzen.

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Landesrätin Dr. Stocker bei der Staffelstabübergabe und mit FCK Schal

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Die rheinland-pfälzische Delegation im Landhaus in Bozen

Weiter nach Meran zu den Gärten von Schloß Trautmannsdorff

Bei herrlichem Wetter und Blick auf die Alpen ging es weiter nach Meran. In Schloss Trautmannsdorff empfing uns Günter Ennemoser von der Sozialgenossenschaft Independent. Seit zehn Jahren führt Independent Erhebungen zu barrierefreien Tourismus in Südtirol durch. Ergebnis ist die informative Webseite Südtirol für alle.

Zur Aufgabe von Independent gehört auch die Erhebung von Barrieren in den Gemeinden Südtirols. Allein in Bozen wurden 600 Barrieren dokumentiert und 10 % davon direkt von der Kommune ausgeschrieben und beseitigt.

Die Gärten von Schloss Trautmannsdorff war blühendes Highlight des Tages. Schloß Trautmannsdorff ist durch mehrere Glasaufzüge barrierefrei erschlossen. Ein gutes Beispiel wie Denkmalschutz und Barrierefreiheit verbunden werden kann.

Heute hätte Kaiserin Sissi auch im Alter einen angenehmen Urlaub im Schloss verbringen können. Hier noch ein paar Eindrücke von den blühenden Gärten:

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Glasaufzug in Schloss Trautmannsdorff

Frühlingstour mit Aufzug

Vergangenen Sonntag konnte ich meine erste Hand Bike Tour für dieses Jahr durchführen. Dabei konnte ich auch den neuen Aufzug am Brand ausprobieren. Er ist auch handbiketauglich. Die Treppe daneben wurde gleichzeitig kontrastreich für blinde und sehbehinderte Menschen gut gestaltet

Für diesen Aufzug haben die städtische Behindertenbeauftragte Marita Boos-Waidosch und der Behindertenbeirat Jahre lang gekämpft. Eine Förderung durch das Wirtschaftsministerium hat den Durchbruch geschafft. Jetzt können Besucherinnen und Besucher des Einkaufszentrums Brand ohne Probleme zur Rheinstraße kommen.

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