Protesttag für Gleichstellung

Heute am 5. Mai gab es wieder zahlreiche Aktionen zum Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen im Land. Auf der großen Hauptbühne der Landesgartenschau in Landau startete der Aktionstag der Aktionstag der Diakonie Rheinland-Pfalz. Menschen mit Behinderungen aus dem ganzen Land gestalteten den ganzen Tag Programm und waren mitten im Geschehen der Gartenschau. Beim Start konnte ich dabei sein. Hier Fotos aus Landau:

   
Start des Aktionstages in Landau bei der Landesgartenschau

 

Fragerunde mit Pfarrer Bähr auf der Hauptbühne

In Mainz ging es dann weiter unter dem Motto „Begegnung“. Am Neubrunnplatz hatte ich einen Stand mit Hans-Peter Terno, dem blinden Redakteur der Landeszeitung und langjährigen Aktivisten in der Politik von Menschen mit Behinderungen. Im Angebot waren Kaffee, inklusive Muffins und Gespräche. An fünf verschiedenen Orten in Mainz wurden Begegnungen und Gespräche angeboten. Danach ging’s zum „Dinner in Bunt“ auf den Theaterplatz. Menschen mit Behinderung haben heute wieder ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt: wir sind mittendrin und gehören dazu. Hier Eindrücke aus Mainz:

   

Unser Tisch am Neubrunnenplatz in Mainz

 

Hans-Peter Terno in Kaffee-Bereitschaft

  
So süß kann Inklusion sein – selbst gebackene 5. Mai-Muffins

   
Begegnung eins: Ethnologie-Studentin mit Hund und Fragen zur Inklusion in der Schule

  

Begegnung zwei: Mitarbeiter des Naturkostladen natürlich in Ingelheim

   

GEW-Vorsitzenden Klaus-Peter Hammer schmecken die Inklusions-Muffins

  

Besuch von der Schwerbehinderten-Vertretung des Landesamtes für Geologie  

  
Mit Marita Boos-Waidosch, Behindertenbeauftragter der Stadt Mainz

 

Eine lange Tafel – Dinner in Bunt vor dem Theater in Mainz

Inklusionsfackel in Mainz

Heute ist die Inklusionsfackel in Mainz angekommen. Auf ihrer ersten Etappe von der Landeshauptstadt Wiesbaden hat die Inklusionsfackel des Netzwerkes Inklusion Deutschland in Rheinland-Pfalz Station gemacht. Zusammen mit dem Mainzer Sozialdezernenten Kurt Merkator haben wir die Fackel entgegen genommen. Der Initiativkreis für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in Mainz hat dazu einen Aktionstag auf dem Theaterplatz mit Diskussionsrunde und Musik organisiert. 

Herzlichen Dank an alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter für Inklusion. Wir brauchen einen langen Atem für die Umsetzung der UN-Behinderten-Rechtskonvention. Die Inklusionfackkel wird in den nächsten Wochen in allen Landeshauptstädten Station machen. Hier Fotos vom Aktionstag in Mainz.

   

Der Fackellauf an seinem Ziel in Mainz

 

Großer Empfang auf dem Theaterplatz

  

Die Behinderten-Beauftragte der Stadt Mainz Marita Boos-Waidosch

  

Foto mit Alexandra Cremer, Initatorin des Fackellaufs

  

Publikum mit Trommler-Gruppe in Mainz

Konstruktiver Dialog am Genfer See

Fast 60 Personen war die deutsche Delegation stark. Vertreterinnen und Vertreter des Bundestags, der Bundesregierung und aus den Ländern, den Verbänden der Menschen mit Behinderungen und von der Monitoring-Stelle waren an den Genfer See gereist, um bei der Staatenberichtsprüfung vor dem Menschenrechtsausschuss zur UN-Behinderten-Rechts-Konvention mitzuwirken. Seit dem Jahr 2011 liegt der Staatenbericht Deutschlands vor, Parallelberichte von der BRK-Allianz der Behindertenverbände und der Monitoring-Stelle wurden geschrieben, umfangreiche Frage-Listen zusammengestellt und Antworten auf gestellte und noch nicht gestellte Fragen vorbereitet. Sechs Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behinderten-Rechts-Konvention in Deutschland war die Anhörung vor dem Menschenrechtsausschuss, der so genannte „konstruktive Dialog“, eine Bewährungsprobe für Deutschland, wie die Staatengemeinschaft die Umsetzung der Konvention einschätzt.

Als Vertreter der Behindertenbeauftragten der Länder konnte ich bei der Anhörung dabei sein. Am Abend des Anreisetages gab es einen Empfang in der ständigen Vertretung Deutschlands. Ein barrierefreier Haupteingang für die Vertretung in Genf, anstelle des Umwegs über die Tiefgarage, wäre eine sinnvolle Maßnahme für  den Aktionsplan das Auswärtigen Amtes. Erfreulich war das Wiedersehen mit der Theresia Degener, die mit großen  Einsatz die UN Behinderten-Rechtskonvention mit auf den Weg gebracht hat und jetzt Vizevorsitzende des Menschenrechtsausschusses für die Konvention ist.

  
Empfang in der ständigen Vertretung in Deutschlands in Genf

  
Foto mit Dr. Theresia Degener und Jürgen Dusel aus Brandenburg

Der Donnerstagvormittag war den Verbänden der Menschen mit Behinderungen vorbehalten. Sie konnten ihre Einschätzung dem Ausschuss darlegen. Währenddessen empfing Botschafter Rücker einen Teil der Delegation im Palais des Nations. Dann ging es weiter zur internationalen Urheberrechtsorganisation (WIPO). Hier wurden Informationen über den Marrakesch Prozess gegeben. Die Vereinbarung ermöglicht weltweit den Austausch von Büchern in barrierefreien digitalen Formaten, um den Bücher-Hunger für blinde und sehbehinderte Menschen weltweit einzudämmen. Leider hängt die Ratifizierung Deutschlands von Kompetenzfragen zwischen der Europäischen Union und deren Mitgliedsstaaten ab, die noch nicht geklärt sind. Die Vereinbarung wird das Potenzial, den Informationsbedarf und die Qualifikation von Menschen mit Behinderungen weltweit enorm voranzubringen. 

Am Palais Wilson angekommen, dem Sitz des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrecht, gab es  Informationen über die Arbeit der Sonderberichterstatterin über die Rechte der Menschen mit Behinderungen. Auch im Hochkommissariat für Menschenrechte werden Experten in eigenen Angelegenheiten eingesetzt, um die Arbeit der UN–Organisation inklusiver zu gestalten. Darüber berichtete Facundo Chavez Penillas als Berater des Hochkommissariats. Er stammt aus Argentinien und war vorher Vizepräsident der lateinamerikanischen Allianz der Behindertenverbände. 

Hier Eindrücke von dem Besuch bei den UN Organisationen am Vormittag

  

Bild mit Botschafter Rücker, der deutschen Delegationsleiterin Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller aus dem Bundessozialministerium, der Bundesbehindertenbeauftragten Verena Bentele und den behindertenpolitischen Sprecherinnen und Sprechern dder Bundestagsfraktionen.

  

Gesprächsrunde bei der WIPO zum Marrakesch-Vertrag

  
Bericht aus der Arbeit des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte

  
Das Palais Wilson in Genf – erster Sitz das Völkerbundes und jetzt Hauptquartier des UN-Menschenrechtskommissariats

Zweimal 3 Stunden dauerte am Donnerstagnachmittag und Freitagvormittag die Anhörung vor dem Ausschuss über die Rechte für Menschen mit Behinderung. Der Sitzungssaal im Palais Wilson war dicht besetzt. Vorne auf dem Podium hatte die Vorsitzende des Ausschusses, Maria Soledad Cisternas Reyes aus Chile, die Leitung der Delegation aus Deutschland und die Bundesbehindertenauftragte Verena Bentele Platz genommen. In einem Rechteck in der Mitte waren die Regierungsvertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern ageordnet. Um sie herum saßen 16 Mitglieder des Menschenrechtsausschusses, die aus verschiedenen  Ländern wie Thailand, Mauritius, Dänemark bis zu Nigeria stammen. Ein weiteres Drittel des Raumes war für die Vertreterinnen und Vertreter des Bundestages, des Deutschen Instituts für Menschenrechte und der Verbände der Menschen mit Behinderungen als Gäste vorgesehen.

In ihrer Einleitung betonte die Leiterin der deutschen Delegation, Staatsekretärin Lösekrug-Möller, dass Deutschland auf dem Weg zu einem inklusiven Land ist. Verena Bentele als Behindertenbeauftragte betonte in ihrem Eingangsstatement auch kritische Punkte, wie beispielsweise die nicht UN-konventionskonformen Ausschlüsse beim Wahlrecht. Der Leiter der Monitoring-Stelle Valentin Aichele kritisierte, dass der Staatenbericht Deutschlands nicht genug ins Detail geht. Er sieht große Versäumnisse, dass in den Bereichen Schule, Wohnen und Arbeit zu wenig getan wird, um inklusive Strukturen umzusetzen. Die Zahl der Menschen mit Behinderungen in Sondereinrichtungen nimmt nicht ab. Hier braucht es in Deutschland mehr Ideen und Impulse, um trennende Strukturen zu überwinden.

Berichterstatterin für Deutschland aus dem Ausschuss ist Diane Kingston aus Großbritannien. Positiv hebt sie die Aktionspläne des Bundes und der Länder und die Anerkennung der Gebärdensprache hervor. Auch ergeben die umfangreichen Parallelberichte der BRK-Allianz und des Deutschen Instituts für Menschenrechte ein klareres Bild über die Situation in Deutschland. Sie sieht einen unterschiedlichen Umsetzungsstand in den Bundesländern und sieht hier eine unangemessene Fragmentierung. Die UN-Behinderten-Rechts-Konvention gilt eindeutig für Bund und alle Länder. Der Ressourcenvorbehalt zur Umsetzung der Konvention darf nicht als Ausrede genommen werden, Maßstab ist die wirtschaftliche Stärke Deutschlands. 

Mit Sorge wird der Mangel an De-Institutionalisierung wahrgenommen. Der Aufbau eines inklusiven Schulsystems  kommt zu wenig voran. Zu viel Kinder mit Beeinträchtigungen werden in Sonderschulen unterrichtet, nur 75 % von Ihnen erreichen einen regulären Schulabschluss. 300.000 Beschäftigte in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung haben keinen Anspruch auf Mindestlohn und die Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sind viel zu gering. Auch lässt sich kein Rückgang im Bereich der Wohnheime erkennen. Die Umsetzung des Betreuungsrechts wird kritisch eingeschätzt, hier gibt es Zweifel, ob die Selbstbestimmung und die Persönlichkeitsrechte der Menschen mit Behinderungen im Sinne einer unterstützten Entscheidungsfindung ausreichend berücksichtigt werden. Kingston merkte an, dass eine systematische Anpassung der Gesetze an die Erfordernisse der UN-Behindertenrechtskonvention nicht stattfindet.

Danach folgen die Fragerunden der Ausschussmitglieder, gestaffelt nach den Artikeln der UN-Behinderten-Rechts-Konvention. Anschließend hatten die Regierungsvertreterinnen- und vertreter die Möglichkeit zur Beantwortung der Fragen.

In den Fragerunden wurde die Kritik an dem mangelnden Abbau von Sondereinrichtungen weiter vertieft. Der Ausschuss brachte seine Sorge über die mangelnde Umsetzung eines inklusiven Schulsystem mehrmals zum Ausdruck. Bund und Länder wurden aufgefordert, gemeinsamen Aktivitäten zum Abbau von Sonderschulen zu unternehmen. Möglichkeiten für Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wurden mehrfach hinterfragt. Die steigende Anzahl von Beschäftigten in den Werkstätten für Behinderte wurde in diesem Zusammenhang genannt. Auch Verpflichtungen zur Barrierefreiheit von Betrieben waren Thema. Kritisch hinterfragt wurde, dass 80 % der Mittel der Eingliederungshilfe in stationärer Angebote fließen, der ambulante Bereich hingegen nur einen kleinen Teil der Leistungen umfasst. Hier wurden konkrete Pläne gewünscht, Inklusion und De-Institutionalisierung voranzubringen. Ganz aktuell  wurden über die 5 Milliarden € angesprochen, die zur Finanzierung des Bundes-Teilhabegesetzes nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bei der gesetzlichen Definition von Behinderung wurde mehrmals eine Anpassung an das menschenrechtliche Verständnis der UN-Behindertenrechtskonvention erwähnt. Das Konzept der angemessenen Vorkehrungen gesetzlich verbindlich zu regeln, war ebenfalls Inhalt vieler Fragen. Zur Barrierefreiheit wurden noch Fragen zu den Angeboten der Fernseh- und Rundfunkanstalten gestellt, zum Beispiel durch Gebärdensprach-Dolmetschen.

Die Vermeidung von Zwang besonders bei Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen wurde intensiv in den Fragen der Ausschussmitglieder thematisiert. Auch das Betreuungsrecht und seine Umsetzung waren Gegenstand der Nachfragen. 

Das Notruffax wurde als nicht zeitgemäß zur Bewältigung von Gefahrensituationen angesehen. Auch die Barrierefreiheit von Frauenhäusern und Frauennotrufen war Thema im Ausschuss.

Die Regierungsvertreterinnen und -vertreter wiesen auf die bereits erfolgten Fortschritte zu Inklusion hin. Das in verschiedenen Ländern eingeführte Wahlrecht auf inklusive Schulformen bringt Fortschritte. Bei den stationären Wohnformen gibt es eine weitaus geringere Steigerung als bei den ambulanten Angeboten. Hier wurde auf das Bundesteilhabe-Gesetz als wichtiges Vorhaben verwiesen, das Selbstbestimmung für den Bereich Wohnen und Arbeiten voran bringen soll. Die lange gewachsenen Strukturen der sozialen Sicherung garantieren eine gute existentielle Unterdtützung, sind aber schwierig auf Inklusion umzusteuern.

Teil des Bundes-Teilhabegesetzes soll auch das Budget für Arbeit sein, das die Übergänge von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt fördern soll. Die Zahl der Werkstatt-Beschäftigten wird weniger mit Steigerungen im Zugang als mit einem höheren Bestand begründet.

Für die Umsetzung von Barrierefreiheit wurde auf Zielvereinbarung und Umdenken in der Wirtschaft verwiesen. Außerdem soll das Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz novelliert werden. Hier soll auch die Anpassung des Behinderungsbegriffs angegangen werden. Für mich ist nur wenig nachvollziehbar, dass angemessene Vorkehrungen als unbestimmter Rechtsbegriff  eingeschätzt wird, der nur schwer umzusetzen ist.  In den Vereinigten Staaten wird seit über 25 Jahren und auch in vielen anderen Ländern nach diesem Prinzip erfolgreich zum Abbau von Barrieren vorgegangen.

Wenig Verständnis bei den Beobachterinnen und Beobachtern hinterließen auch die Erläuterungen zu den Wahlrechtsausschlüßen. Der Vergleich, Wachkomapatienten würde auch nicht die Führung eines Flugzeuges anvertraut, war überhaupt nicht überzeugend.

Das Betreuungsrecht wurde ausführlich erläutert.Thema in diesem Zusammenhang waren Zwangsmaßnahmen in Einrichtungen. Hier wurde auf die Notwendigkeit richterlicher Beschlüsse hingewiesen. Durch Aufklärungsmaßnahmen wurde die Zahl der richterlich genehmigten freiheitsentziehenden Maßnahmen von 100.000 auf 75.000 reduziert. Die Umsetzung des Betreuungsrechts wird derzeit evaluiert, um Maßnahmen zur Beseitigung von Defiziten in der Anwendung des Rechts auf den Weg zu bringen. 

In seinen Ausführungen und Fragen machte der Ausschuss deutlich, dass Deutschland einen konkreten Plan für die Umsetzung von inklusiven Strukturen und zum Abbau von trennenden Sondereinrichtungen braucht. Der konstruktive Dialog im Ausschuss hat hierfür wichtige Impulse und Anregungen gegeben. Mitte April werden die abschließenden Empfehlungen des Ausschusses fertig gestellt. Sie werden uns in den nächsten Jahren in der Politik von und für Menschen mit Behinderungen im Sinne der UN Behinderten-Rechts-Konvention weiter beschäftigen. Nach meiner Ansicht waren die Tage in Genf ein Erfolg. Bis zum nächsten Staatenbericht in einigen Jahren müssen wir uns in Bund, Ländern, Kommunen – und auch in der Zivilgesellschaft – noch erheblich anstrengen, um die in uns gesetzten Erwartungen zur Umsetzung der UN Behinderten-Rechts-Konvention erfüllen zu können.

Hier noch einige Eindrücke aus Genf

  
Vorbereitung der Delegation auf die Anhörung

   
Sitzungssaal des Menschenrechtsausschusses für Menschen mit Behinderungen im Überblick

 

Das Podium des Ausschusses

  

Beobachterinnen und Beobachter der Ausschuss Sitzung

 

Gruppenfoto nach der Ausschusssitzung

  
Blick von der Terrasse des Palais Wilson auf den Genfer See

  
Panorama vom Genfer See

   
Die Fontäne, das Wahrzeichen von Genf

 

Die Altstadt von Genf

 

 Das Denkmal für Jean-Jacques Rousseau

 

Abendstimmung 

Löwen in Landstuhl

Seit den 1970er Jahren gibt es Gesetze zur schulischen Integration von Kindern mit Behinderungen in den USA. Der gemeinsame Unterricht von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen ist in den Vereinigten Staaten die Regel. Um zu erfahren, wie das inklusive Schulsystem in den USA funktioniert muss man nicht über den großen Teich reisen. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es amerikanische Schulen. Diese Woche habe ich die Lions Landstuhl, die Landstuhl Elementary/Middle School (LEMS) besucht und eine inklusive Schule direkt in unserer Nachbarschaft kennen lernen können.

Nach Sicherheitskontrollen am Einfahrtstor fahren wir auf das Gelände des Armee-Hospitals in Landstuhl. Dort ist auch die Lions Schule untergebracht. 800 Kinder und Jugendliche von der Vorschule bis zur achten Klasse werden dort unterrichtet. Amy Peaceman, Deutschlehrerin an der Schule und Ihren Kollege Adam Wright hatten ein umfangreiches Programm für uns vorbereitet. Begleitet wurde ich von Jan Wenzel vom Inklusionsreferats aus unserem Bildungsministerium.

Knapp 20 % der Schülerinnen und Schüler an der Lions Schule erhalten aufgrund einer Beeinträchtigung eine spezielle Förderung. Das beginnt mit Frühförderung in der Vorschule und  setzt sich mit Unterstützung während der Schulzeit fort. Adam Wright ist Spezialist für Diagnostik und Förderunterricht. Er und seine Kollegen und Kolleginnen erstellen die individuellen Entwicklungspläne (individualized educational program – IEP) für die Kinder und Jugendlichen mit besonderen Bedarfen. Das ist im Individuals with Disabilities Education Act (IDEA) von 1990 festgelegt und gilt für die gesamten  Vereinigten Staaten. Grundsatz ist, dass soviel wie möglich gemeinsamer Unterricht stattfindet und notwendige Unterstützung dafür eingesetzt wird. Das können Integrations-Helferinnen und -helfer, technische Ausstattung und ergänzender Förderunterricht sein. Begleitet wird der Schulbesuch durch Ergo- und Physiotherapie, die an der Schule erbracht wird. Auch Sprachtherapie gehört dazu. Der  IEP wird bei Bedarf durch den Individualized Family Service Plan (IFSP) ergänzt, der die Unterstützung des familiären Umfeldes einbezieht. 

Die Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen findet in den Vereinigten Staaten an allgemeinen Schulen statt. Förderschule sind die absolute Ausnahme und überwiegend Privatschulen.

Die individuelle Förderung ist also sehr gut organisiert. Es gibt noch ein über 200-seitiges Handbuch, in dem alle Lehrerinnen und Lehrer notwendiges Wissen über Arzt der Beeinträchtigungen und Möglichkeiten der Forderungen nachschlagen können. Doch jetzt geht es durch die Schule. Wir beginnen in der Vorschule, und sind mitten in der Partytime einer Gruppe von drei- bis vierjährigen Kindern. Mit Musik und Bewegung geht es durch den Raum. Die Leiterin der Gruppe gibt danach Aufgaben, die von den Kindern gelöst werden sollen. Auf unterschiedliche Anforderung je nach Art der Fähigkeiten der Kinder geachtet.

Weiter geht es in eine Grundschulklasse. Dort wird in Gruppen gearbeitet. Für einen nicht sprechenden Schüler ist eine Assistenz Kraft eingesetzt, die gerade am Computer die Aufgaben für den Jungen anpasst. Für die Kommunikation nutzt er einen Tablettcomputer, sowohl als Kommunikationsassistenz als auch für die Aufgaben. Ich muss ich jetzt ein bisschen umschauen bis ich den Jungen in einer der Gruppen entdecke. Er ist mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern konzentriert bei der Arbeit und wird von seiner Lehrerin unterstützt.

Weiter geht es durch die Schule. Mir fällt auf, dass zwischen den Fachräumen immer eigene Räume (Ressource-Räume) zu finden sind, in denen Förderunterricht in Kleingruppen oder Einzeln stattfindet. Auch Adam Wright hat einen solchen Arbeitsplatz, wo er mit Smartboard und Lehrmaterial Förderunterricht gibt.  Zu seinen Aufgaben gehört auch, die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler zu beobachten und die individuellen Entwicklungspläne anzupassen.

In einer Klasse findet an Laptops Naturwissenschafts-Unterricht statt. Für eine Schülerin ist eine eigene Assistenzkraft zur Unterstützung im Einsatz. Im Musikunterricht probt gerade die Band, auch hier ist selbstverständlich, dass Kinder mit Beeinträchtigungen mitmachen.

Dann besuchen wir Schüler einer sechsten Klasse, die in der Bibliothek am Smartboard Förderunterricht in Mathematik erhalten. Das Prinzip ist, dass soviel gemeinsamer Unterricht wie möglich gehalten wird, und ergänzen Förderunterricht in Kleingruppen oder Einzelunterricht gegeben wird. Das erleben wir auch in der nächsten Fachklassen in Mathematik, hier läuft gemeinsamer Unterricht. Nachher treffen wir eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus dieser Klasse, die den Unterricht noch einmal nachbereiten. 

In ihrem kleinen Büro treffen wir Mina Holley, sie ist Ergotherapeutin an der Schule. Allerdings ist sie hauptsächlich in der Schule unterwegs, um Therapie vor Ort aus mit den Kindern und Jugendlichen zu machen. Sie gehört zur Schule dazu genauso wie Physiotherapeuten und eine Krankenschwester für die medizinische Versorgung. Hier wird deutlich, dass Inklusion in der Schule Teamarbeit ist. Alle berichten dass Absprachen untereinander zwischen Therapeutinnen und Therapeuten, Lehrerinnen und Lehrern notwendig sind, um allen Kindern mit Beeinträchtigungendie richtige Unterstützung zu geben. Die Ganztagsschule und die Präsenz der Lehrkräfte während dieser Zeit ist dabei hilfreich. Dennoch müssen Verabredungen oft per Mail organisiert weden, Besprechungen finden oft als gemeinsames Mittagessen statt.

Mit einem gemeinsamen Mittagessen im Fachraum von Amy Peaceman und Gesprächen über ihre Arbeit an der Schule endet der Besuch. Der gemeinsame Unterricht ist die Regel. Individuelle Lösungen und Unterstützung werden gemeinsamen im Team erarbeitet und umgesetzt. Dabei spielen eine gute Diagnostik und individuelle Unterstützung eine wichtige Rolle. In den Gesprächen mit den Lehrerinnen und Lehrern wir die gemeinsame Verantwortung für Ihre Schule und auch viel Offenheit für Lösungen deutlich.

Fazit des Besuchs ist, dass wir von den US-amerikanischen Schulen viel lernen können, wie gemeinsamer  Unterricht umgesetzt werden kann. Auch wenn in manchen Schulen spezielle Gruppen für Kinder und Jugendliche mit hohem Unterstützungsbedarf eingerichtet sind, so sind sie doch immer in den regulären Schulen und es wird immer geschaut, dass gemeinsamer Unterricht so oft wie möglich stattfindet. Eventuell lassen mehr  offene und differenzierte Unterrichtsformen die Notwendigkeit von individuellen Förderunterricht noch reduzieren. Vorbildlich ist die direkte Einbeziehung von Therapie in der Schule und die sehr individualisierte Planung der Förderung und Unterstützung. Die amerikanische Offenheit fördert die interdisziplinärer Zusammenarbeit, Abgrenzungen zwischen spezialisierten Berufsgruppen können so überwunden werden.

Herzlichen Dank an Amy Peaceman und ihr Team der Schule, die uns diesen spannenden Einblick in die Umsetzung von Inklusion an amerikanischen Schulen ermöglicht haben. Und Danke auch an die Transatlantische Akademie, die den Anstoß für diesen Besuch gegeben haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass Vernetzungen und Erfahrungsaustausch der rheinland-pfälzischen Schulen und der US-amerikanischen Schulen hierzulande Ideen und Lösungen für Inklusion voranbringen kann.

Hier noch ein Foto von dem Besuch

  

Jan Wenzel, Amy Peaceman und Matthias Rösch im Deutsch-Fachraum 

Zurück im Blog

Nach längerer Pause melde ich mich Blog zurück. Mein guter Vorsatz für das neue Jahr sind aktuelle Berichte und Eindrücke aus meiner Arbeit ist Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen in Rheinland-Pfalz.

Ich freue mich auf Ihre und Eure Kommentare und Anmerkungen. Viel Spaß beim Lesen.

Matthias Rösch

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Mit Christian Bayerlein und Joachim Seuling in Koblenz

Kinder malen Inklusion

In der aufgeregten Debatte um Inklusion in der Schule geht mir eine Perspektive oft verloren. Die Sicht der Kinder auf das Thema. Das hat der Malwettbewerb des VdK Rheinland-Pfalz aufgegriffen. Über 400 Bilder wurden aus den Schwerpunktschulen in Rheinland-Pfalz eingeschickt. Als Mitglied der Jury war es für mich keine einfache Aufgabe, die Preisträgerinnen und Preisträger mit auszusuchen.

Grundschulkinder malen aus ihrer Erfahrung das gemeinsame Leben und gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung. In den Bildern kommt viel Respekt, Freude und Selbstverständlichkeit im Umgang mit anderen zum Ausdruck. Das sind gute Beispiele, an denen wir uns orientieren sollten.

Heute sind die Preise an die Schülerinnen und Schüler verteilt worden. Hier einige Bilder von der Preisverleihung.

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Gruppenbild mit Kindern, Bildungsstaatssekretär Beckmann und Jury

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Bild vom gemeinsamen Lernen im Klassenraum

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Sportunterricht mit unterschiedlichen Anforderungen

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Orientierungshilfe für blinde Kinder

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Gemeinschaftsarbeit: gemeinsam leben und gemeinsam lernen

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„Wir sind alle verschieden und gehören trotzdem zusammen“ Inklusionspuzzle als Gemeinschaftsaufgabe

Alles muss raus – Straßentheater Festival in Kaiserslautern startet

Heute Abend wurde mit der „Alles muss raus“-Revue das Straßentheaterfestival mit 200 behinderten und nichtbehinderten Künstlerinnen und Künstlern in Kaiserslautern eröffnet. Die Bühne der Fruchthalle wurde von Bräuten gestürmt, das Theater RambaZamba aus Berlin begeisterte mit einer Doppel-Schlagzeug-Einlage. Das Programm wurde mit viel Musik und Comedy gestaltet.

Hier ein Bild von der Eröffnung

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Brautalarm auf der Bühne der Fruchthalle

Das ganze Wochenende wird in Kaiserslautern mit 25 Gruppen aus verschiedenen Ländern die ganze Stadt in einem bunten Theaterbühne verwandelt. Infos zu dem Programm gibt es hier im Internet.

In seinem Eingangsstatement verwies Oberbürgermeister Dr. Klaus Weichel auf das Projekt Kaiserslautern InKLusiv hin. In den nächsten anderthalb Jahren wird für alle Lebensbereiche wie Wohnen, Arbeit, Freizeit und Kultur einen Maßnahmenplan zur Umsetzung der Rechtskonvention für Kaiserslautern erarbeitet. Die Stadt ist Kooperationspartner des Projektes der Lebenshilfe Westpfalz. Bei Kaiserslautern InKLusiv sind insgesamt 18 Kooperationspartner von A wie ASB bis Z wie ZOAR dabei, darunter auch „neue“ Akteure wie Kirchengemeinden und ein Sportverein. Ich freue mich auf den nächsten Aktionsplan auf kommunaler Ebene in Rheinland-Pfalz!

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OB Weichel bei der Eröffnung des Straßentheaterfestivals

Schulbesuch 2: Pestalozzi Grund- und Schwerpunktschule in Eisenberg

Kinder hüpfen im Unterricht durch den Klassenraum. Das wäre Grund für einen Eintrag in das Klassenbuch. Das ist anders in der Pestalozzi Schule in Eisenberg. Hier gehört Bewegung zum pädagogischen Konzept. Discemotorik heißt das Lern- und Bewegungsangebot, das von der Ergotherapeutin Aline Klusen an der Schule entwickelt wurde und mittlerweile bundesweit Nachahmer findet. Am Anfang eines Bewegungsparcours ziehen die Schülerinnen und Schüler einer Aufgabe aus einer Schachtel mit Erbsen. Dann machen Sie sich auf den Weg durch den Parcours mit Kissen und Noppen-Streifen und lösen dabei die Aufgabe, die sie an einem bestimmten Platz ablegen. Lernen mit allen Sinnen, in Bewegung und mit räumlicher Zuordnung. Das kommt allen Kindern zugute. Besonders denen, die noch Schwierigkeiten mit der Motorik und in der Bewegung haben und sich so viele Lerninhalte besser merken können.

Zusammen mit den kommunalen Behindertenbeauftragten Susanne Röß aus dem Donnersberg-Kreis und Arno Weber aus dem Rhein-Pfalz-Kreis konnte ich mich vergangene Woche von dem inklusiven Konzept der Grundschule Eisenberg überzeugen. Mit dazu gehört, dass sich die Schule für alle Kinder im Ort verantwortlich fühlt und – wie in allen guten inklusiven Schulung – Teamarbeit als Grundlage für die Arbeit selbstverständlich ist. Hier arbeiten Grund- und Förderschulpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Heil- und Sozialpädagogen und Therapeutinnen und Therapeuten als Team zusammen.

Bei unserem Besuch im Unterricht haben die Schülerinnen und Schüler Aufgaben bekommen und in Gruppen oder einzelnen nach Ihren Möglichkeiten lösen. Wer will kann einen Kopfhörer aufziehen, um in Ruhe arbeiten zu können. Das ist nicht unbedingt nötig, weil in der Klasse eine ruhige Arbeitsatmosphäre herrscht. Die Lehrerin managed die Klasse und hält keinen Frontal-Unterricht. Ab und zu kommen Schülerinnen und Schüler zur Lehrerin und haben Frage zur Aufgabe. Dann schickt die Lehrerin sie zu anderen Schülern, die schon mit der Aufgabe fertig sind, um die Frage geklärt zu bekommen. In einer Ecke des Klassenzimmers ist eine der Bewegungsparcours aufgebaut, wo die Aufgaben im Rundgang gelöst werden.

Wie sehr der Schulleiter Marcus Richter und seine Kolleginnen und Kollegen hinter dem Ansatz einer Schule für alle stehen, erfahren wir in der anschließenden Besprechung im Team-Zimmer. Ein Lehrerzimmer gibt es nicht mehr. Aber es gibt auch noch etwas zu tun. Auf der Wunschliste ganz oben steht ein Aufzug, der alle Stockwerke der Schule erschließt. Hier hatte der Denkmalschutz Barrieren aufgebaut. Wichtig wären auch Therapieangebote für die Schülerinnen und Schüler in der Schule. Allerdings bezahlen die Krankenkassen bisher nur Therapie in den Förderschulen, aber nicht in den Schwerpunkt-Schulen. Das muss sich ändern.

Über die Schule gebe es noch viel mehr zu berichten. Zum Beispiel die eigene Küche mit Verarbeitung von regionalen Produkten, einschließlich von Apfelsaft, der aus von den Schülerinnen und Schülern selbst auf gesammelten Äpfel aus der Region stammt. Nähere Infos gibt es auch auf der Webseite der Pestalozzi Schule.

Hier einige Bilder aus der Schule in Eisenberg.

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Discemotorik-Parcours – lernen mit allen Sinnen

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Besprechung im Team-Zimmer

Ideen-Workshop zu Arbeit und Bildung

Am Freitag hat der erste Ideen-Workshop zur Fortschreibung des Landes-Aktionsplans zur Umsetzung der UN Behinderten-Rechts-Konvention stattgefunden. Über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Rheinland Pfalz haben in Mainz Ideen und Ziele gesammelt.

Zeichen für neue Ideen und gute Beispiele waren Blumensamen, Energietee und Schokolade für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops.

Zunächst wurde die Entwicklung der letzten Jahre in den Handlungsfeldern Arbeit und Wohnen vorgestellt. Die Stellungnahme aus dem Landes-Teilhabe-Beirat spielte hier eine wichtige Rolle.

Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die eine Förderschule besuchen, nimmt in Rheinland-Pfalz ab. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen, die gemeinsamen Unterricht besuchen. Die Anzahl der persönlichen Budgets und des Budgets für Arbeit ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Dennoch arbeiten mehr Menschen mit Behinderungen in den Werkstätten und wohnen in Wohnheimen als noch vor zehn Jahren.

In Arbeitsgruppen wurden dann Vorschläge und Ideen zur Umsetzung UN-Behinderten-Rechts-Konvention erarbeitet. Was wollen wir bis zum Jahr 2020 erreicht werden und was muss dazu im Landesaktionsplan 2015 stehen? Mit dieser Leitfrage konnten über 80 Vorschläge zusammengebracht werden, die helfen werden, den Landesaktionsplan 2015 zu erarbeiten.

Weiter geht’s mit dem nächsten Ideen-Workshop am 10. Juni 2014 in Trier. Ich freue mich auf gute Beteiligung und viele neue Ideen und Vorschläge.

Weitere Infos zum Landesaktionsplan 2015 gibt es auf der Webseite Inklusion.rlp.de. Hier einige Eindrücke vom ersten Ideen-Workshop.

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Arbeitsgruppe zum lebenslangen Lernen mit Marianne Münz, Nora Sties und Dr. Heike Engel

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Bericht aus der Arbeitsgruppe Schule und Kita

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Marc Solomayer berichtet aus der Arbeitsgruppe Arbeit

Apps für die Polizei

Welche Apps können die Kommunikation zwischen der Polizei und Menschen mit Behinderungen unterstützen? Im Rahmen der Werkstatt Neue Medien setzten sich vier Studierende der Polizei-Fachhochschule Hahn mit dieser Frage auseinander. Sie machten sich auf der Suche nach bereits vorhandenen Programmen für Smartphones. Und sie wurden fündig. Das Ergebnis haben sie vor einigen Tagen bei einem Termin im Innenministerium vorgestellt.

Es gibt Programme, mit denen Gebärdensprach-Dolmetscher und -Dolmetscherinnen eingeblendet werden können. Mit anderen Apps können Texte leicht vervollständigt werden. Für blinde und sehbehinderte Menschen gibt es ein Programm, das Geldscheine erkennt. Schriftstücke der Polizei können mithilfe eines Lupen-Programms vergrößert werden. Mit dem Tipp-Talker können Menschen mit Sprachbehinderungen anhand von Bildern auf Smartphone oder Tablet kommunizieren.

Die vier Bachelor-Studentinnen und -Studenten haben eine umfangreiche Sammlung von Programmen zusammengestellt. Diese können weiter ausgewählt und eventuell angepasst werden, um für den Einsatz in der Polizeiarbeit angewendet zu werden. Die Gebärdensprachdolmetsch-App iSignIt könnte zum Beispiel für polizeispezifische Begriffe erweitert werden. Weitere Themen für die Studierenden an der Polizeifachhochschule sind also reichlich vorhanden.

Ich freue mich, dass unsere Zielvereinbarung „Menschen mit Behinderungen und Polizei“ auch vom Nachwuchs der Polizei engagiert mit Leben gefüllt wird. Inklusion bedeutet schließlich, dass Menschen mit Behinderungen und die Polizei mitten Quartier und im Alltag sich viel öfter begegnen werden. Dafür ist gute Kommunikation und Wissen voneinander wichtig.

Hier gibt es die Arbeit mit der Sammlung zu den verschiedenen Apps.

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Die Studierenden der Polizei-Fachhochschule bei der Präsentation ihrer Arbeit

Hinweis: Stiftung Barrierefrei Kommunizieren aus Berlin hat mich darauf hingewiesen, dass sie eine umfangreiche Datenbank hat, in der auch Apps für Menschen mit Behinderungen verzeichnet sind. Danke für den Hinweis, die Datenbank ist eine Fundgrube 🙂
Der Link zur Datenbank ist www.barrierefrei-kommunizieren.de/datenbank/ . Bei der erweiterten Suche den Begriff „App“ bei Produktname eingeben und schon geht es los.
(Matthias Rösch, 9. Juni 2014)