Inklusiv Wohnen – Rückblick Sommerreise 2018

Beim Rückblick auf das Jahr 2018 war meine Sommerreise „Inklusiv Wohnen“ ein besonderes Highlight. Mit der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Rheinland-Pfalz war mir besonders wichtig, inklusive und selbstbestimmte Wohnformen von Menschen mit Behinderungen hervorzuheben. Hier eine Rückschau auf meine dreitägige Sommertour nach Kaiserslautern, Landau, Bad Kreuznach und Trier.

Inklusive Wohngemeinschaften in Kaiserslautern und Trier

Am ersten Tag standen Wohngemeinschaften von Menschen mit und ohne Behinderungen auf meinem Programm.

Der erste Termin führt mich zur inklusiven Wohngemeinschaft am Nordbahnhof in Kaiserslautern. Das ehemalige Bahnhofsgebäude mit viel Sandstein (wir sind in der Pfalz) wurde als Familienwohnhaus umgebaut. Ausgangspunkt für die Gründung der Wohngemeinschaft war die Schaukel im Wohnzimmer. Der Sohn der Familie, hat aufgrund seiner Behinderung einen starken Bewegungsdrang. Deshalb ist die Schaukel im Wohnzimmer und das großzügige Außengelände für ihn wichtig. Als die Kinder erwachsen wurden beschloss die Familie daher, dass nicht die Kinder ausziehen, sondern die Eltern. Zusammen mit anderen Eltern von Kindern mit Behinderungen wurde die Idee einer inklusiven Wohngemeinschaft von Menschen mit und ohne Behinderungen umgesetzt. Mitbewohnerinnen und Mitbewohner wurden gesucht, Gespräche mit den Kostenträgern geführt, ein ambulanter Pflegedienst zur Unterstützung gesucht und eine Koordinierung durch den Lebenshilfe Westpfalz eingerichtet. Heute wohnen junge Menschen mit Behinderungen und Studierende aus Kaiserslautern gut zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Darüber konnte ich mich in Gesprächen mit den Bewohnern und Beteiligten überzeugen.

Eine besondere Bedeutung für ein selbstbestimmtes Wohnen außerhalb von Einrichtungen haben die Clubs Behinderter und ihrer Freunde (CBF). Bereits in den 1970er Jahren haben die CBFs ambulante Dienste aufgebaut und sich für den Abbau von Barrieren in den Städten und Gemeinden eingesetzt. In Landau habe ich Wohngemeinschaften und Wohnungen des CBF (Club Behinderter und ihrer Freunde) Südpfalz auf dem Program. Bestehende Wohnungen wurden durch einen Außenlift und Badumbau barrierefrei angepasst und ermöglichen so ein selbstbestimmtes Leben für die Bewohnerinnen und Bewohner. Zusätzlich bietet der CBF Unterstützung und Assistenz an, um ein selbstbestimmtes Leben auch außerhalb der Wohnung zu gewährleisten.

Das Gespräch mit einer Bewohnerin ist mir gut in Erinnerung geblieben, die. jahrelang nach einer barrierefreien Wohnung gesucht hat und jetzt endlich mit der barrierefreien Wohnung und der Unterstützung des CBFs auch wieder neue Pläne für ihre berufliche Zukunft angehen kann.

Mein zweiter Besuchstermin in Landau war die Wohngemeinschaft in der Cornichonstraße. Im Rahmen des Dezentralisierungsprozesses ihrer großen Wohneinrichtung hat die Stiftung Bethesda eine gemischte Wohngemeinschaft auf dem Gelände der Landesgartenschau eingerichtet. Damit ist ein doppeltes Konversionsprojekt entstanden – zum einen die Umwandlung von einer Militärliegenschaft in ein ziviles Wohngebiet und zum Anderen die Alternativen zum Leben in einer Wohneinrichtung durch inklusive Wohnangebote. Ähnlich wie in Kaiserslautern wohnen in der Wohngemeinschaft junge Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen. Beim Besuch der WG versagt leider die Technik, kurz bevor ich ankam ist der Aufzug im sanierten Altbau in Streik getreten. Also verlegen wir unser Treffen mit Kaffe und Getränken in den Sozialraum und okkupieren einen Platz an der Straße. Drei Jahre nachdem ich bei der Eröffnung der Wohngemeinschaft dabei war sind die Erfahrungen positiv, auch in den Lebensbereichen Arbeit und Freizeit sind die Bewohnerinnen und Bewohner ermutigt, ein selbstbestimmes Leben zu führen.

Von den Wohngemeinschaften bin ich sehr beeindruckt. Sie sind besonders für junge Menschen mit Behinderungen eine gute Alternative zum Wohnheim. Diese innovativen Wohnprojekte sind mit bewundernswert viel Engagement initiiert und betrieben, allerdings noch viel zu selten und zu aufwändig umzusetzen. Hier wünsche ich mir ein unbürokratischeres Vorgehen, mehr Unterstützung durch die Kostenträger und bessere Beratungsangebote für die Wohnprojekte. Hier Bilder vom ersten Tag der Sommertour:

Gruppenbild vor dem Haus der Wohngemeinschaft in Kaiserslautern

Bewohner/innen und Besucher/innen der Wohngemeinschaft am Nordbahnhof

Das Wohnzimmer der WG mit von der Decke hängenden Schaukel

Die Schaukel im Wohnzimmer – Ausgangspunkt für die inklusive WG

Gespräch auf dem Balkon
Bild aus dem Wohnraum

Im Gespräch mit WG-Bewohner des CBF

Gruppenbild vom Gespräch mit der Wohngemeinschaft

Bewohner/in und Mitarbeiter der Wohngemeinschaft Cornichonstraße von Bethesda Landau

Fernsehinterview in Landau mit Matthias Rösch

Medieninteresse an der Sommertour

Persönliche Assistenz im Arbeitgeberinnenmodell in Bad Kreuznach

An meinem zweiten Tag der Sommertour habe ich In Bad Kreuznach Menschen mit Behinderungen besucht, die mit dem Arbeitgeberinnen- und Arbeitgebermodell Persönliche Assistenz und dem Persönlichen Budget ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden und in der Gemeinde führen. Beim Arbeitgeberinnen- und. Arbeitgebermodell persönlicher Assistenz stellen die Menschen mit Behinderungen ihre Assistentinnen und Assistenten selbst an, sie sind Chefin und Chef in ihrem Assistenzbetrieb. Marianne Münz ist nach über 30 Jahren aus dem Wohnheim der Kreuznacher Diakonie ausgezogen. Sie hat mir eindrucksvoll geschildert, was bei ihrem Umzug alles zu organisieren war. Nach langer Suche hatte sie endlich eine barrierefreie Wohnung von einem privaten Vermieter gefunden. Doch vor dem Unterschreiben des Mietvertrages musste erst die Kostenübernahme geklärt werden und gleichzeitig ein Team von Assistentinnen zusammengestellt. Wie bei jedem Umzug ist die Wohnungseinrichtung zu planen und zu beschaffen, wobei hier die behindertengerechte Anpassung dazu kommt. Der Aufwand hat sich für Marianne Münz gelohnt, sie fühlt sich in der Wohnung wohl und genießt die neu gewonnene Freiheit. Mittlerweile arbeitet sie außerhalb der Werkstatt für behinderte Menschen mit dem Budget für Arbeit im Projekt „inklusiv leben lernen“ und berät dort auch andere Menschen mit Behinderungen. Außerdem ist sie im Beirat des Bundesverbandes der evangelischen Behindertenhilfe engagiert – und hat mir passenderweise gleich ein Forderungspapier des Beirats zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes übergeben.

In ihrer Dachwohnung besuche ich Anita Ferres, die ebenfalls vor einigen Jahren aus der Kreuznacher Diakonie ausgezogen ist. Sie bringt den Unterschied zwischen dem Wohnheim und der eigenen Wohnung mit Persönlicher Assistenz auf den Punkt: „Ich kann selbst entscheiden, wann ich auf die Toilette gehe“.

Unterstützung beim Wechsel in die eigene Wohnung haben beide von der Kreuznacher Diakonie und vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen Bad Kreuznach erhalten. Zum Zentrum für selbstbestimmtes Leben (ZsL) geht es dann auch zum Abschlussgespräch für diesen Tag. Das ZsL hilft bei der Vermittlung und bei der Personalverwaltung der persönlichen Assistentinnen und Assistenten. Mittlerweile ist das ZsL Bad Kreuznach auch Träger der Ergänzenden Unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) für die Region. Ebenfalls bei dem Gespräch dabei ist Karl-Heinz Seeger, Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Bad Kreuznach. Bezahlbarer und barrierefreier Wohnungsbau ist wichtiges Thema für das kommunale Wohnungsunternehmen, der Bedarf ist groß. Dazu werden die aktuellen Projekte vom Geschäftsführer vorgestellt.

Mit dem persönlichen Budget und dem Arbeitgeberinnen- und Arbeitgebermodell persönlicher Assistenz steigt die Lebensqualität für Menschen mit Behinderungen enorm, der Aufwand lohnt sich. Diese guten Erfahrungen müssen wir bei der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes und der Neubestimmung des Trägers der Eingliederungshilfe in Rheinland-Pfalz einbeziehen, damit die Möglichkeiten mit dem Persönlichen Budget und dem Arbeitgeberinnen- und Arbeitgebermodell Persönlicher Assistenz selbstbestimmt zu leben, flächendeckend in Rheinland-Pfalz angeboten werden kann, ist mein Fazit des zweiten Tags der Sommertour in Bad Kreuznach. Hier Bilder davon:

In der Wohnung von Anita Ferres

Zu Besuch bei Anita Ferress

Übergabe des Forderungskataloges von Marianne Münz
Gesprächsrunde in den Räumen des. ZsL Bad Kreuznach

Abschlussgespräch im Zentrum für selbstbestimmtes Leben Bad Kreuznach

Wohnungsgenossenschaft und inklusive Quartiersentwicklung in Trier

Wohnen im Quartier bietet die WOGEBE Wohnungsgenossenschaft Trier in der Thyrsusstraße an. Mit dem Besuch in Trier bei dem gemeinschaftliche Wohnprojekt beginnt der letzte Tag meiner Sommerreise. Bei der Wohnungsgenossenschaft, die auch das Quartiersmanagement der Sozialen Stadt Trier Nord übernommen hat, wurde von Anfang an gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohnern, Familien und Alleinstehenden, Älteren und Jüngeren, Menschen mit und ohne Behinderungen das Konzept erstellt und geplant. Die auf Kommunikation und Barrierefreiheit ausgelegte Bauweise überzeugt, in dem Gemeinschaftsraum finden gemeinsame Aktivitäten statt.

In der Nachbarschaft soll ein weiteres Wohnprojekt der WOGEBE entstehen. Der Geschäftsführer Herbert Schacherer erklärt dazu, dass unsere Landesförderungen für die soziale Wohnraumförderung für die Schaffung von barrierefreien und bezahlbarem Wohnraum gut geeignet ist. Eine Aussage die ich von verschiedenen Trägern höre. Mir gefällt die gute persönliche Atmosphäre und die vertrauensvolle Zusammenarbeit der WOGEBE und ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. Ein positives Beispiel im Jubiläumsjahr der Genossenschaften – und passend zum Jubiläum von Karl Marx in seiner Geburtsstadt.

Beim Gespräch im Café Balduin mit der Bürgermeisterin und Sozialdezernentin der Stadt Trier, Elvira Garbes, dem städtischen Behindertenbeauftragten Gerd Dahm und Vertreterinnen und Vertretern des Behindertenbeirates der Stadt Trier wurden aktuelle Themen zu Wohnen, aber auch zur Teilhabe am Arbeitsleben und zur inklusiven Bildung besprochen. Die Kommunen sind wichtiger Partner mit ihrer Planungshoheit und den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften für die Schaffung von barrierefreiem und bezahlbarem Wohnraum. Die soziale Wohnraumförderung des Landes wurde gelobt, allerdings brauchen wir die Kommunen mit ihren Möglichkeiten, um mit unserer Förderung den entsprechenden Wohnraum vor Ort schaffen ist mein Fazit für den letzen Tag meiner Sommertour inklusiv Wohnen. Zum Abschluss der Sommerreise besuche ich dann noch die neue Demenz-Wohngemeinschaft des Club Aktiv mitten in Trier Ehrang für ältere Menschen mit Behinderungen. Hier Bilder vom Besuch in Trier:

Gruppenbild vor dem Gemeinschaftsraum

Vor dem Gemeinschaftsraum mit Bewohner/innen und WOGEBE Mitarbeiterinnen in der Thyrsusstraßee

Bewohnerin mit Rollstuhl mit. Außenansicht des Gebäudes

Bewohnerin vor dem Wohngebäude

Gesprächsrunde am Tisch im Café

Gesprächsrunde im Café Balduin

Insgesamt habe ich bei meiner Sommerreise habe ich viele gute Beispiele für inklusives Wohnen kennengelernt und Menschen mit Behinderungen getroffen, die ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Einrichtungen führen. Sie machen vor, wie die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen konkret umgesetzt werden kann. Mit der Ausführung des Bundesteilhabegesetzes in Rheinland-Pfalz haben wir die Möglichkeit, inklusives Wohnen zu erleichtern und damit gleichwertige Lebensverhältnisse für die Menschen mit Behinderungen im Land zu erreichen, so meine Bilanz der Sommertour 2018.

Inklusionstour nach Wien

Diese Woche hat unsere Inklusionstour nach Wien stattgefunden. Mit einem barrierefreien Reisebus, 38 Mitreisenden aus dem Landesteilhabebeirat, von kommunalen Behindertebeauftragten, der betrieblichen Schwerbehindertenvertretung, Werkstatträten und Bewohner_innenbeiräten, einem vollen Programm und viel Neugier auf die Umsetzung von Inklusion und Barrierefreiheit in Österreich sind wir am Montag gestartet.

Reisegruppe der Inklusionstour nach Wien

Am ersten Tag besuchten wir die Assistenzgenossenschaft WAG. Die Genossenschaft wurde von Menschen mit Behinderungen gegründet, die auf persönliche Assistenz angewiesen sind. Mittlerweile ermöglicht die WAG 300 Kundinnen und Kunden mit 650 Assistentinnen und Assistenten ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Einrichtungen, erläutert Roswitha Schachinger, Geschäftsführerin der WAG. Die WAG ist in Wien und angrenzenden Bundesländern aktiv. Die Finanzierung der Assistenz wird als Direktleistung in Form eines persönlichen Budgets an die Assistenznehmerinnen und -nehmer bezahlt, die dann die Assistenzleistungen bei der WAG einkaufen können. Problematisch ist die unterschiedliche Gesetzeslage, Assistenzleistungen sind in Österreich reine Ländersache. Auch die Vergütung der Assistenz ist noch nicht ausreichend gesorgt, die WAG braucht 25 Euro für die Stunde Assistenz, die Stadt Wien zahlt jedoch nur 16 Euro für die Stunde an Assistenzbedarf.

Von aktuellen politischen Erfolgen konnte Martin Ladstätter, Obmann von Bizeps, dem Zentrum für selbstbestimmtes Leben in Wien berichten. Barrierefreiheit ist ab 2018 für Unternehmen verpflichtend, wenn sie öffentlich zugängliche Produkte und Dienstleistungen anbieten. Bizeps wird eine der Verbände sein, die ein Klagerecht bei Verstößen gegen die Regelungen haben werden. Aus einer Selbsthilfegruppe hervorgegangen verbindet Bizeps Beratung von und für Menschen mit Behinderungen und politische Interessenvertretung.

Roswitha Schachinger, Geschäftsführerin der WAG und Martin Ladstätter, Obmann von Bizeps

In einer weiteren Gesprächsrunde erfuhren wir von Oswald Foellerer von seiner Arbeit in der Selbstvertretung von Menschen mit Lernschwierigkeiten, die vielfältig in die Entscheidungen und Gremien einbezogen werden. Der österreichische Behindertenanwalt Hansjörg Hofer berichtete von den Schlichtungsverfahren, die auf Grundlage des Bundes-Behinderten-Gleichstellungsgesetzes in Österreich durchgeführt werden. Seit dem Jahr 2004 können Menschen mit Behinderungen gegen Unternehmen vorgehen, die Menschen mit Behinderungen diskriminieren. Über 2400 Schlichtungsverfahren wurden in den vergangenen Jahren durchgeführt, davon waren 45 Prozent erfolgreich. Unternehmen sind bei festgestellten Diskriminierungen Schadenersatz zu leisten, wenn zum Beispiel eine Gaststätte mit einer Stufe für Rollstuhlnutzer_innen nicht zugänglich ist. Schlichtungsstellen gibt es in allen Ländern und beim Behindertenanwalt, der im Bundessozialministerium angesiedelt ist.

Bei den Verfahren wird die Zumutbarkeit für das Unternehmen geprüft. Kriterien sind die Wirtschaftsstärke des Unternehmens, die Kosten zur Beseitigung der Diskriminierung, die Zeit seit Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung, die Möglichkeit öffentlicher Förderung und die Nutzung durch Menschen mit Behinderungen. Erfolgreiche Schlichtungsverfahren wurden zum Beispiel gegen den ORF geführt, der daraufhin 100 Prozent Untertitelung seiner Sendungen umsetzte oder Verkehrsunternehmen wurden zur Barrierefreiheit verpflichtet. Bisher sah das Gesetz jedoch keine Verpflichtung zur tatsächlichen Beseitigung der Diskriminierung vor. Ab 2018 ist für große Unternehmen auch dies geregelt und Behindertenverbände können als „Klagsvereine“ die Rechte einfordern.

Selbstvertreter Oswald Foellerer

Behindertenanwalt Hansjörg Hofer

Am Nachmittag ging es dann zur Wirtschaftsuniversität Wien. Renommierte Architekturbüros haben den neuen Campus und seine Gebäude zwischen Prater Und Messe Wien gestaltet. Auch hier waren Menschen mit Behinderungen als Expert_innen zur Barrierefreiheit beteiligt. Hier Eindrücke von der Besichtigung der Universität:

Rundgang über den Campus

Universitätsgebäude geplant von der Architektin Zaha Hadid mit Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen und Rampen

Ausstattungselemente mit Braille-Beschriftung

Ute Germann in gelber Uni-Umgebung

Auch inhaltlich beschäftigt sich die Wirtschaftsuniversität Wien mit dem Thema Menschen mit Behinderungen. Professorin Heike Mensi-Klarbach vom Institut für Gender und Diversität an der WU Wien berichtete und diskutierte die Forschung zur Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in Unternehmen. Welche Rolle spielt die Ausgleichsabgabe und was hat die Haltung von Unternehmen zu Leistung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit der Bereitschaft zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen zu tun waren Themen der Gesprächsrunde zum Abschluss unseres Besuchs an der Wirtschaftsuniversität.

Gesprächsrunde mit Professorin Dr. Heike Mensi-Klarbach (rechts)

Am dritten Tag unserer Inklusionstour ging es in das Bundessozialministerium Österreichs. Kurz vor der Parlamentswahl hat das Parlament in in seiner letzten Sitzung noch umfangreiche gesetzliche Verbesserungen beschlossen. Das Budget des Bundes für Arbeitsmarktmaßnahmen wurde drastisch erhöht und das Bundesbehindertengleichstellungsgesetz erweitert berichtete der Sektionsleiter Mag. Manfred Pallinger. Besonders interessant für uns war, dass bei Pflegeleistungen die Kostenbeteiligung von Angehörigen in Österreich abgeschafft wurde.

Aus den Berichten vom Sektionsleiter Pallinger und seinen Kolleginnen und Kollegen wurde deutlich, wie wichtig die UN-Behindertenrechtskonvention für ein Umdenken in der Behindertenpolitik ist. Auch in Österreich wird seit 2012 mit einem Aktionsplan gearbeitet. Im Jahr 2016 hat Österreich die amtliche Übersetzung der UN-Behindertenrechtskonvention überarbeitet, auch mit der richtigen Verwendung des Begriffs „Inklusion“ statt „Integration“.

Sektionsleiter Pallinger bekommt einen rheinland-pfälzischen Staffelstab zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention überreicht

Von der Arbeit des Monitoring-Ausschuss berichtete seine Vorsitzende Christina Wurzinger. Das Monitoring der UN-Behindertenrechtskonvention findet in Österreich sehr Partizipationen statt. Dazu wurde ein Ausschuss mit sieben Vertreterinnen und Vertretern aus den Verbänden der Menschen mit Behinderungen gebildet. Zur Arbeit gehören auch zwei größere öffentliche Sitzungen des Monitoring-Ausschusses pro Jahr, in denen Menschen mit Behinderungen ihre Erfahrungen zu Schwerpunktthemen einbringen. Auch in jedem Bundesland wurde ein Monitoringausschuss eingerichtet. Bei den Sitzungen des Ausschusses findet halbstündlich eine Zusammenfassung in leichter Sprache statt, damit Alle, auch die Selbstvertreter_innen der Menschen mit Lernschwierigkeiten beteiligt werden. Eine Wirkung der Arbeit ist, dass das Sachwalterrecht (rechtliche Betreuung) kritisch diskutiert wurde und folgend in ein Erwachsenenschutzgesetz mit Schwerpunkt der unterstützten Entscheidungsfindung anstatt stellvertretenden Entscheidung umgewandelt wurde.

Christina Wurzinger stellt die Arbeit des Monitoringausschuss vor

Nach vielen interessanten Informationen ging es dann zu einer Stadtführung durch Wien.

Stadtführung vor der Hofburg

Fazit

Von unserem Besuch in Wien, unserer mittlerweile sechsten Inklusionstour, habe ich eine Fülle von Anregungen für unsere Arbeit mitgenommen. Beeindruckt hat mich die intensive Einbeziehung der Menschen mit Behinderungen beim Monitoringausschuss für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Ein Erfolg ist, dass Sachwaltungen – das entspricht unseren rechtlichen Betreuungen – gesetzlich neu geregelt wurden und nun die Unterstützung der Entscheidungsfindung im Mittelpunkt steht. Das vor kurzem die Kostenbeteiligung von Angehörigen bei Pflegeleistungen in Österreich abgeschafft wurden ist ebenfalls vorbildlich. Und ein gutes Beispiel sind die Antidiskriminierungsregelungen, bei den seit über zehn Jahren auch private Anbieter von öffentlich zugänglichen Diensten und Produkten einbezogen sind. In der letzten Parlamentssitzung vor der Wahl in Österreich wurde sogar beschlossen, dass die privaten Unternehmen nicht nur zu einem Schadenersatz verpflichtet sind, sondern die Barrieren auch beseitigt werden müssen. Zur Durchsetzung dieser Rechte wurde für die Behindertenverbände eine Klagebefugnis gesetzlich verankert. In diesem Punkt sind wir in Deutschland mit wirksamen Antidiskriminierungsregelungen für Menschen mit Behinderungen ein Notstandsgebiet und könnten eine Entwicklungshilfe aus unserem Nachbarland gut gebrauchen.

Bahntour mit der Regenbogen Redaktion

Seit dem Jahr 2014 ist der Bahnhof in Bad Kreuznach endlich barrierefrei. Zahlreiche Demonstrationen und Aktionen waren dazu notwendig. Seit Ende 2015 fahren das Eisenbahnunternehmen vlexx und die DB Regio Bad Kreuznach mit den passenden Fahrzeugen an, die barrierefrei nutzbar sind. Jetzt kommt es auf die Menschen mit Behinderungen an, dass diese Angebote für barrierefreie Mobilität gut genutzt werden. Deshalb war ich diese Woche mit Silke Haas und Thorsten Friemann mit der Bahn unterwegs. Beide sind selbst auf den Rollstuhl angewiesen und Redakteurin und Redakteur der Regenbogen-News der Kreuznacher Diakonie.

Wir treffen uns am Bahnhofsplatz in Bad Kreuznach. Zunächst planen wir die Tour. Dafür hilft die DB-Navigator-App. Zusätzlich gibt es die Bahnhof Live App der Deutschen Bahn, auf ihr wird in Echtzeit angezeigt, ob die Aufzüge auch funktionieren. Außerdem gibt es hier die Telefonnummern der 3S-Zentralen für jeden Bahnhof, die angerufen werden kann wenn, es Probleme bei der Fahrt gibt.

Treffen mit Silke Haas und Thorsten Frimann in Bad Kreuznach


Fahrt planen mit dem DB Navigator

Alle Aufzüge am Bad Kreuznacher Bahnhof funktionieren – Screenshot von der Bahnhof Live App


Weiter geht es mit den Aufzügen zum Zug an Gleis 3. als der Zug einfährt wird das etwas aufregend. Welche von den vier Türen ist die richtige zum Rollstuhlabteil? Das ist nicht leicht zu erkennen, hier wäre ein größeres Rollstuhl-Symbol hilfreich. Der Eingang ist ohne Stufe und an jeder Tür fährt eine Spalte Überbrückung heraus. Allerdings hat das Gleis in Bad Kreuznach eine leichte Kurve, so dass immer noch eine restliche Lücke bleibt. Vorsichtig probiert Silke Haas mit ihrem Elektrorollstuhl die Überfahrt aus. Es funktioniert und wir nehmen die Rollstuhlplätze neben dem großen behindertengerechten WC ein. 

Wir haben uns nichts vorangemeldet, das ist im Nahverkehr nicht notwendig. Wer allerdings unsicher ist, für den und die empfiehlt sich eine Voranmeldung beim Verkehrsunternehmen. Zu uns kommt der freundliche Zugbegleiter und bietet seine Hilfe im Bedarfsfall an. In jedem Zug sind Rampen vorhanden, falls der Spalt doch zu groß ist oder eine Stufe überwunden werden muss, wie an den größeren Knotenbahnhöfen in Mainz oder Saarbrücken. „Der Weg ist das Ziel“ ist Motto für die kommende Strecke, die Eisenbahnstrecke an der Nahe gilt als eine der landschaftlich schönsten Rheinland-Pfalz. 

Einstieg in den Zug nach Bad Sobernheim

Auf den Rollstuhlplätzen im vlexx

Am Ziel – Stärkung im Eiscafé


Zurück geht es wieder über die Aufzüge in Bad Sobernheim auf das Gleis in Richtung Bad Kreuznach. Der Zugführer der kommenden Regionalbahn gibt es den Tipp, den kurz darauf folgenden Regionalexpress zu nutzen, weil dort weniger Fahrgäste und mehr Platz ist. Diesen hilfreichen Hinweis nehmen wir an, ein paar Minuten später kommt der Regionalexpress Richtung Mainz und nimmt uns mit.

Auf dem Bahnsteig in Bad Sobernheim

Einstieg mit dem Elektrorollstuhl

Gut angekommen im Zug


Für Silke Haas du Torsten Frieman war das eine gute Erfahrung. Beide wollen weitere Touren unternehmen und darüber schreiben – und andere Menschen mit Behinderungen ermutigen die Bahn zu nutzen. Schließlich sind weitere Ziele wie Bingen, Mainz, Saarbrücken, Kaiserslautern und viele weitere jetzt barrierefrei erreichbar. Unter folgendem Link gibt es die Karte von dertakt.de über die barrierefreien Bahnstationen in Rheinland-Pfalz. Gut wäre allerdings, zusammen mit den Verkehrsunternehmen einen Probetag zu machen, bei dem an einem stehenden Fahrzeug in aller Ruhe das Ein- und Aussteigen und die Ausstattung des Zuges ausprobiert werden kann. 

Barrierefrei arbeiten im Künstlerhaus Edenkoben

Ein Zusatztermin bei meiner Sommerreise „Inklusiv Arbeiten“ war der Test der barrierefreien Stipendiatenwohnung im Künstlerhaus Edenkoben. Im Künstlerhaus Edenkoben wohnen und arbeiten für mehrere Monate die StipendiatInnen und Stipendiaten der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur. Schwerpunkt sind Schriftstellerinnen und Schriftsteller, aber auch einen Atelier für bildende Künstlerinnen und Künstler ist dabei. Eine der Wohnungen in dem 1837 entstandene Gebäude, das idyllisch in den Weinbergen bei Edenkoben liegt, ist nun mit viel Engagement der Landesstiftung barrierefrei umgebaut worden. Jetzt können auch StipendiatInnen und Stipendiaten mit Behinderungen dort tätig sein. Kurz bevor der erste Stipendiat dort einzieht konnte ich die Wohnung testen. Hier sind hervorragende Bedingungen, dass Künstlerinnen und Künstler mit Behinderungen kreativ tätig sein können und ihrer Arbeit nachgehen können. Ich bin sehr beeindruckt von diesem bundesweit einmaligen Angebot. Hier Bilder von der neugestalteten barrierefreien Wohnungen:

Neu gestalteter Zugang zur barrierefreien Wohnung im Künstlerhaus Edenkoben mit Behindertenparkplatz

Zugang zur Wohnung mit Küche in Richtung Wohn- und Arbeitszimmer

Das Arbeits- und Schlafzimmer – mit kreativer Lösung: das Bett kann auf Rollen verschoben werden, so dass der Einstieg von rechts oder links möglich ist.

Die Küchenzeile mit höhenverstellbarer Arbeitsplatte und Schränken

Das barrierefreie Bad der Wohnung

Der neugestaltete Weg durch den Garten führt zum neuen barrierefreien Zugang zum Veranstaltungsraum Kaminzimmer

Der Garten und die Umgebung des Künstlerhauses

Ein Sekt mit Hans Thill, dem Leiter des Künstlerhauses und mit Edmund Elsen, dem Geschäftsführer der Landesstiftung Kultur auf die gelungene Arbeit für Inklusion und Barrierefreiheit im künstlerischen Bereich


Ab Herbst soll auch der Hof des Künstlerhauses Edenkoben umgebaut werden, so dass auch hier der barrierefreie Zugang zu den Räumen und zu dem Veranstaltungsraum verbessert wird.

Integrationsbetrieb Delfin – saubere Wäsche in Hachenburg

Der zweite Tag meiner Sommerreise „Inklusiv Arbeiten“ führte nach Hachenburg. 37 Beschäftigte, davon 22 Menschen mit Behinderungen; in dem Integrations Betrieb Delfin arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen. Und das unter den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarkts. Alle haben einen regulären Arbeitsvertrag und der Betrieb muss sich wirtschaftlich rechnen. 250 Kundinnen und Kunden von soziale Einrichtungen über Gastronomie, Hotels und privat Personen gehören zur Kundschaft das Integrations-Betriebs. In den letzten Jahren konnte das Auftragsvolumen verdoppelt werden. Damit können die Arbeitsplätze für die behinderten und nichtbehinderten Menschen im Betrieb gesichert werden, erläutert mir der Geschäftsführer er hat Erhard Hauptmann. Regelmäßige Investitionen gehören dazu, zum Beispiel das mitdenkende Regal, dass beim Wäsche sortieren hilft. Die Etiketten der Wäschestücke werden ein gescannt und dann zeigt ein Grüner Leuchtpunkt am Regal, wo das Wäschestück hingehört. Das Regal erkennt auch, wenn das Wäschestück in das falsche Fach gelegt wird, ein orangener Punkt leuchtet auf. Hier die Fotos dazu:

Das Wäscheregal, dass du mit hilft die Wäsche richtig zu sortieren

Ein Grüner Punkt am Regal leuchtet auf, hier gehört die Wäsche hin

Ein orangener Punkt leuchtet auf – das war das falsche Fach


Herr Pfeiffer war bei einem Büro Versandhändler im kaufmännischen Bereich tätig. Durch eine Stellenreduzierung verlor er seinen Job. Als Mensch mit Behinderung was schwer, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Drei Jahre war er arbeitslos. Dann hat er die Arbeit im Integrationsbetrieb Delfin gefunden, wo ihr in verschiedenen Bereichen tätig ist. Er erläutert mir die Funktion des Wäschesortierregals, das die Qualität der Arbeit verbessert, aber auch eine wichtige Hilfe für Menschen mit Lernschwierigkeiten und Menschen mit Lese und – schreibschwäche ist. Zum barrierefreien Arbeiten gehört auch, dass ich mit dem Rollstuhl über die Rampe am Eingang bequem in die Wäscherei hinein komme, auch eine Behindertentoilette ist vorhanden. Hier noch weitere Eindrücke vom Besuch des Integrations Betriebs Delfin:

Besuch des Integrationsbetriebs Delfin zum mit der Geschäftsführerin der Gesellschaft für Behindertenarbeit Helena Schuck und dem Stadtbürgermeister Karl-Wilhelm Röttig

Mit dem Leiter der Wäscherei Delfin Erhard Hauptmann bei der Betriebsbesichtigung

Im Gespräch mit Mitarbeitern des Integrationsbetriebs


In Rheinland-Pfalz gibt es 70 Integrationsbetriebe. 900 Menschen mit Behinderungen und 2100 nichtbehinderte Menschen arbeiten in den verschiedenen Betrieben. Die Förderung von Integrationsbetrieben steht allen Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarkt offen, also sowohl privatwirtschaftlichen Betrieben, als auch Unternehmen in der Trägerschaft sozialer Organisationen. Weitere Betriebe können gerne gefördert werden, Informationen hierzu gibt es beim Sozialministerium oder beim Integrationsamt.

Biketour von Westerburg nach Walmerod

Zum Ausgleich für die Arbeit ist Freizeit wichtig. Im zweiten Teil meines Besuchs im Westerwald teste ich die Barrierefreiheit des Radwegs von Westerburg nach Walmerod. Dazu habe ich mein E-Handbike mitgenommen. Gemeinsam in einer Radgruppe mit Uli Schmidt vom Forum soziale Gerechtigkeit und dem Verbandsbürgermeister Gerhard Loos begeben wir uns auf die etwa 10 km lange Strecke. Der Radweg liegt auf einer ehemaligen Bahnstrecke und hat deswegen kaum Steigungen und Gefälle. Die Oberfläche ist gut berollbar und auf der Strecke gibt es herrliche Aussichten in die Landschaft des Westerwaldes. Kurz vor Weimar Roth verlässt der Radweg allerdings die ehemalige Bahntrasse, ein steiler Abstieg und eine steile Auffahrt verhindern eine gute Nutzung mit dem Handbike. Hier wäre eine Alternativ Route mit einer flacheren Wege Führung notwendig.

Wir fahren zurück nach Westerburg und treffen uns im Pari-Zentrum zum Auswertungsgespräch. Der Radweg von Westerburg nach Walmerod hat viel Potenzial für eine barrierefreie Bike-Tour. Allerdings müssten noch Alternativrouten und eine bessere Radwegeführung in das Zentrum von Westerburg, wo eine Behinderten Toilette ist, geplant und umgesetzt werden. Nicht nur der barrierefrei Tourismus ist eine Chance für die Region, im der Tourismusbranche gibt es auch ein gutes Potenzial für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Viele Integrationsbetriebe und Arbeitsplätze im Budget für Arbeit sind Beherbergungsbetrieben, Gastronomie und Service entstanden und möglich. Hier Fotos von der Bike-Tour im Westerwald:

 Die Radgruppe am Start des Radwegs in Westerburg 

Abschlussrunde im Pari-Zentrum in Westerburg – auch die Arbeit des Zentrums für leichte Sprache wird hier vorgestellt


Leider konnte ich gesundheitsbedingt nicht beim dritten Tag der Sommertour dabei sein. Trotzdem mein ganz herzlichen Dank an das Projekt schwer-begabt in der Südpfalz für ihre tolle Arbeit und die großartige Organisation der Tour.

Sommerreise: Inklusiv Arbeiten

Der erste Tag meiner Sommerreise zum Thema inklusiv Arbeiten für Menschen mit Behinderungen führt mich in die Eifel und nach Trier. Ich will Menschen mit Behinderungen treffen, die mit dem Budget für Arbeit eine Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden haben.  Dazu geht es zunächst in das Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen (ZsL) nach Bitburg. Edith Bartelmes empfängt mich, sie ist schon seit Jahren in der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen aktiv, insbesondere für die Qualifizierung und Vermittlung in das Arbeitsleben. Mit dabei ist Monika Schuster von der Kreisverwaltung. Sie hat in ihrer Master Arbeit die Nutzerinnen und Nutzer des Budget für Arbeit im Eifelkreis befragt. Bei den Budgetnutzerinnen und – Nutzern gibt es eine hohe Zufriedenheit. Besonders wichtig ist Ihnen, dass sie ein Gehalt bekommen, mit dem sie Miete und ihre Ausgaben selbst finanzieren können. Mit dem Budget für Arbeit werden Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber dauerhaft finanziell unterstützt, wenn sie Menschen mit Behinderungen eine reguläre sozialversicherungspflichtige und tarifentlohnte Arbeitsstelle alternativ zu einem Platz in der Werkstatt für behinderte Menschen geben. Und das ist auch der unterschied zu einer Werkstattbeschäftigung, bei der ein geringeres Entgelt an die Menschen mit Behinderungen gezahlt wird, die in der Regel weiterhin auf Sozialleistungen wie die Grundsicherung angewiesen sind.

Weiter fahre ich zur Kreisverwaltung. Dort treffe ich Timo Göbel, er ist Hausmeisterhelfer und nutzt seit fünf Jahren das Budget für Arbeit. Er kümmert sich um die Außenanlagen, hilft beim Umstellen der Möbel und füttert besonders gerne den Schredder. Das ZSL Bitburg hat ihn beim Einstieg in den Job unterstützt. Seine Arbeit macht er gerne, ich habe den Eindruck, dass er richtig gut anpacken kann.

Im anschließenden Gespräch mit dem Landrat Joachim Streit bestätigen die guten Erfahrungen mit dem Budget für Arbeit. Landrat Streit will bei der nächsten Versammlung der Ortsbürgermeisterinnen und -Bürgermeister dafür werben, dass in den Gemeinden vor Ort Menschen mit Behinderungen über das Budget für Arbeit als Gemeindearbeiterinnen und -arbeiter oder als Hausmeisterhelferin und -helfer eingestellt werden. Mobilität ist ein großes Problem in dem ländlichen Flächenlandkreisfür die Inklusion im Arbeitsleben. Es ist schwierig, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeitsstelle zu kommen. Im Rahmen des über ÖPNV Konzept Rheinland-Pfalz Nord sollen in den kommenden Jahren mit Ausschreibungen die Busverbindungen verbessert werden und Anruf-Sammeltaxis eingerichtet werden. Das wird eine enorme Hilfe für die Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, bei der Arbeit und im Bereich Bildung. Ich habe einen guten Eindruck von meinem Besuch in Bitburg, hier arbeiten engagierte Menschen und Organisationen zusammen, um Inklusion im Arbeitsleben zu ermöglichen. Hier Bilder von dem Besuch in Bitburg:

Monika Schuster (rechts im Bild) erläutert die Ergebnisse ihrer Masterarbeit zum Budget für Arbeit

Timo Göbel (Mitte) mit Landrat Joachim Streit (2. von rechts) und Kolleginnen und Kollegen


Weiter geht es in die Stadt Speicher zu Ugur Toprak. Er kümmert sich in der Gemeinde um die Grünanlagen und um den Friedhof.  Der Rasenmäher ist sein wichtigstes Arbeitsgerät. Mittlerweile hat für den Führerschein gemacht, eine enorme persönliche Entwicklung wurde dadurch ermöglicht. In seiner Freizeit spielt der Fußball in seinem Heimatort, seine Stärken sind Torwart und Verteidigung. Hier sind Fotos von der Begegnung:

 

Ugur Toprak erklärt mir die Arbeitsgeräte und seiner Arbeit

Ugur Toprak mit Kollegen und Edith Bartelmes


Dann geht es nach Trier. Im kommenden Jahr wird das Budget für Arbeit bundesweit eingeführt. In Rheinland-Pfalz arbeiten wir damit seit über zehn Jahren. Stefan Frick hat Jubiläum, seit zehn Jahren ist der Nutzer des  Budget für Arbeit. Er arbeitet als Hausmeisterhelfer im Priesterseminar –  wobei die Seminaristen (und eine Seminaristin) mittlerweile in Frankfurt sind und in dem Gebäude in der Trierer Innenstadt mittlerweile die Verwaltung der Caritas und der Kindertagesstätten untergebracht sind. Stefan Frick war einer der ersten Schüler im gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen. Das Budget für Arbeit hat ihm die Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ermöglicht. Er kümmert sich um die Grünanlagen und hilft bei Hausmeistertätigkeiten. Ehrenamtlich engagiert er sich in der freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort. Hier Bilder vom Besuch im Priesterseminar:

Stefan Frick im Hof des Priesterseminars in der Trierer Innenstadt


Im Demenz-Zentrum in Trier treffe ich Susanne B.. Sie hat beim ZsL Bitburg den ambulanten Berufsbildungsbereich absolviert und wurde dann über das Budget für Arbeit vermittelt. Hier ist auch die Arbeitsagentur mit einem Budget eingestiegen. Die gute Vernetzung und Zusammenarbeit der zuständigen gehören mit dem ZSL Bitburg zu Gunsten der betroffenen Menschen wird hier deutlich. Mit Susanne B treffe ich eine junge und selbstbewusste Frau mit Behinderung, die Ansprechpartnerin für die Besucherinnen und Besucher ist, die für die Organisationen, die korrekt geführte Handkasse verantwortlich ist und bei dem Einsatz der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer des Demenzzentrum hilft. Für sie ist das schönste, wenn sich die Menschen selbst mit fortgeschrittener Demenz an sie und ihren Namen erinnern. Die Leiterin des Terminszentrums Uschi Wihr schildert,  wie zurückhaltend und schüchtern Susanne B. früher war.  Das kann ich kaum glauben. Zeit zu haben in der Qualifizierung von Susanne B. War ausschlaggebend, um einen guten Einstieg  in die Tätigkeit und in das Team zu bekommen. Das war nach Aussage von Uschi Wihr ausschlaggebend für den Erfolg der Zusammenarbeit. Hier ein Foto von dem Gespräch im Demenzzentrum:

Uschi Wihr und Budgetnutzerin Susanne B.


Ein aufschlussreicher Tag in der Eifel und Trier. Ich habe Mensch mit Behinderungen. getroffen, die alle durch das Budget für Arbeit und die Tätigkeit in einem regulären Betrieb eine enorme persönliche Entwicklung gemacht haben. Sie sind ehrenamtlich in ihren Gemeinden engagiert. Alle habe ich gefragt, welche Ziele und Wünsche sie noch haben. Alle haben gesagt,  es soll so bleiben, wie es ist. Das zeigt die hohe Zufriedenheit mit der Arbeit, die durch das Budget ermöglicht wird. Über 400 Menschen mit Behinderung nutzen mittlerweile das Budget für Arbeit. Es gibt 15.000 Beschäftigte in den Werkstätten für behinderte Menschen in Rheinland-Pfalz, also noch viel Potenzial für den Übergang von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Die bundesweite Einführung des Budget für Arbeit wird hoffentlich einen weiteren Schub für dieses inklusive Arbeitsmarktinstrument geben. Dazu hat auch das große Interesse der Medien an diesem Tag beigetragen:

Interviews zur Sommerreise und zum Budget für Arbeit

Der Elefant hat einen Namen

Das Ergebnis des Namensvotings der Ruanda-Reisegruppe für den Inklusionselefanten ist: Richard. Manche nennen ihn auch Dr. Richard. Gegenüber den Vorschlägen Jumelino, Primus, Inklusiphi und Komera, die Inklusionselephantin, konnte sich dieser Vorschlag von Minister Roger Lewentz durchsetzen und zeigt die große Anerkennung für den Präsidenten des Partnerschafts-Vereins 🙂.

Am Abflugstag konnten Gerlinde Busch vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben und ich noch ein Gespräch in kleiner Runde mit NUDOR führen, dem Dachverband der Verbände von Menschen mit Behinderungenin Ruanda. Dabei haben wir  Maßnahmen für unseren Aktionsplan besprochen, die wir als Aktivitäten weiter voranbringen möchten. Dazu gehören ein Peer Counsling und ein Leadership-Training mit den ruandischen Verbänden. Auch Aktivitäten im Sport für Menschen mit Lernschwierigkeiten sind ein guter Ansatz der Zusammenarbeit. Hier werde ich in Richtung Aikido, Judo und Special Olympics in Rheinland-Pfalz Kontakt aufnehmen.

Und zum Abschluss konnten wir auf dem Markt in Kigali noch einen guten Eindruck vom Leben in Ruanda gewinnen.

Hier Bilder vom Abreisetag

Gesprächsrunde mit NUDOR, dem Dachverband der Verbände von Menschen mit Behinderungen

Abschlussbild der Reisegruppe

Im Markt von Kigali

Richard in Mainz

Abschlusstag in Ruanda

Heute ist der letzte Tag der Delegations-Reise in Ruanda. In der Nähe von Kigali liegt das  Training Center for Blind People des ruandischen Blindenverbands. Hier werden blinden und sehbehinderten Menschen in sechs Monaten in Braille Schrift unterrichtet und in der eigenen Landwirtschaft mit Ackerbau, Hühnerhaltung und Milchwirtschaft vertraut gemacht. Durch die Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz konnte der Hühnerstall auf einen aktuellen Stand gebracht werden.

Oft werden sehbehinderte und blinde Kinder und Jugendliche zu Hause in den Familien versteckt. Sie erhalten oft keine Bildung. Das Training Center befähigt die blinden und sehbehinderten Menschen ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Gerne würde das Zentrum in weiteren Bereichen wie zum Beispiel Schreinerei ausbilden, dafür fehlen leider noch die Mittel.

Und danach ging es zur Eröffnung neue Schulgebäude der Groupe Scolaire Nyarubuye.

Leider kann ich heute keine Fotos einstellen, mein Handy ist heruntergefallen und jetzt komme ich nicht mehr und die Bilder an. Ein Kigali Bild habe ich allerdings noch gefunden:

Panoramafoto von Kigali

 Inklusion passt zu Elefanten, weil sie mächtig sind. Das mein Hanne Hall, die Leiterin des Ruanda Referats im Innenministerium. Der Besuch in Ruanda hat deutlich gemacht, wie wichtig Inklusion in diesem Land, aber auch in unserem Land ist. Morgen geht es dann mit dem Flieger zurück ins kühlere Deutschland.

Hanne Hall mit dem Inklusions-Elefanten

Arbeitstag im Workshop

Heute am fünften Tag in Ruanda fand ein ganztägiger Workshop zusammen mit den Partnerorganisationen aus dem Bereich Menschen mit Behinderungen stammt. Wir haben Vorschläge und Entwürfe aus den Partnerländern die jetzt zu einem Maßnahmenplan zusammengebracht werden sollen. Der Maßnahmenplan ist als Umsetzung unserer gemeinsamen Absichtserklärung (Joint letzter of intent) vereinbart.

Wichtiges Ergebnis ist, dass wir unser Expertinnen- und Expertenteam für den Maßnahmenplan zusammengestellt haben. Hier war hilfreich, dass wir uns direkt treffen konnten.

Am Abend gab es dann einen Empfang im Koordinations-Büro der Partnerschaft. Auch hier gab es die Möglichkeit zur Vernetzung – und zum Feiern.

Hier Bilder mit Eindrücken von dem Tag:

Input zur Entwicklung der Partnerschaft

Mein Inklusionselefant ist mit dabei

Mareike Broermann vom Partnerschafts Büro informiert über die Zusammenarbeit

Zuhören beim Workshop

Beitrag von Dr. Anton Geiser vom evangelischen Fortbildungsinstitut

Oswald vom NPCD

Beitrag von Gerlinde Busch

Emmanuel vom NCPD und Gaston, Vertreter der Menschen mit Behinderungen im Parlament

Blick in die Workshoprunde

Gruppenbild zum Abschluss

Die Inklusionstaschen sind beliebt

Empfang im Koordinierungsbüro

afrikanischer Tanzeinlage

Begrüßung durch Heike Daume, Leiterin des Koordinierungsbüros, Doktor Richard Auernheimer als Präsident des Freundschafts-Vereins und Minister Roger Lewentz

Neue Freunde für den Elefanten

Mit einer besonderen Erfahrung begann der vierte Tag der Delegationsreise in Ruanda. In Gisenyi am Kivu-See befindet sich der Grenzübergang zur Demokratischen Republik Kongo . Diesen haben wir heute besucht. Er ist eine der weltweit meistfrequentierten Grenzübergänge.

Mir fiel nach und nach auf, dass ganz viele handbetriebene Dreiräder für Menschen mit Behinderungen unterwegs waren. In dem Trubel konnte ich mich zum Beispiel mit Patrick unterhalten. Er stammt aus dem Kongo, ist Beinamutiert und hat Computer Wissenschaften studiert. In seinem Land hatte in seinem Beruf keinen Job gefunden. Jetzt ist er an der Grenze unterwegs und verdient seinen Lebensunterhalt im kleinen Grenzverkehr.

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis ging es weiter zur Gehörlosenschule in Nyabihu. Die Schule wird von LOTTO Rheinland-Pfalz unterstützt. Ich war mit Jürgen Hefner, dem Geschäftsführer von Lotto Rheinland-Pfalz dort. Die Schule hat 120 Schülerinnen und Schüler, die in Gebärdensprache unterrichtet werden. Seit einem Jahr gibt es eine standardisierte Gebärdensprache für Kinyarwanda.

Sehr beeindruckt hat mich, dass das Zentrum  250 Lehrerinnen und Lehrer in Gebärdensprache unterrichtet hat, damit sie vor Ort in der Schule behinderte Kinder unterrichten können. Außerdem haben die Eltern von gehörlosen Kindern in Gebärdensprache unterrichtet, damit sie mit ihren Kindern kommunizieren können. Soweit sind wir nicht einmal in Rheinland-Pfalz.

Außerdem ist ein Computer Raum eingerichtet, in dem die Kinder und Jugendlichen über Skype in Gebärdensprache kommunizieren können. Das gut ausgebaute Internet in Ruanda macht das möglich.

Als Gastgeschenk habe ich einen Holzrelief mit Elefanten geschenkt bekommen. Ich hab mich sehr gefreut, dass mein Inklusionselefant neue Freunde gefunden hat 🙂.

Hier Fotos von dem Tag:

Ein Behinderten Dreirad in blau

am Grenzübergang zur Demokratischen Republik Kongo

Menschen mit Behinderungen und ihre Hand -Drei-Rädern unterwegs am Grenzübergang

Mehr Handräder

Mit Schiebe Hilfe

Grenzübergang für Menschen mit Behinderungen

Die Grenze zum Kongo

Begegnung an der Grenze

Gespräch mit Patrick

Vor der Grenzkontrolle

Im Computerraum der Schule für behinderte Menschen

Im Nähraum der Schule

Empfang durch die Schülerinnen und Schüler

Mein Inklusionselefant bekommt Freunde

Und in der Schule Direktor bekommt eine Inklusionsuhr

Vulkan-Silhouette auf dem Rückweg